Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 467 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das Jüdisch« Echo 467 ein Volk, durch Überlieferungen und Religion von uns geschieden, bereit ist, sein Leben zu opfern um unseren Aufstand zu unterstützen.“ „Das jüdische Volk“, heißt es weiter, „das über die ganze Welt verstreut ist, hielt sich zwar von jeher von dem blutigen Treiben wilder Völker und despotischer Fürsten fern; dort aber, wo es gilt, die Menschheit auf eine höhere Stufe zu erheben, zaudert es nicht, sein Leben freiwillig hinzugeben.“ Der Aufstand war mißlungen, die Verheißungen Kosciuskos blieben unerfüllt. Der Gedanke aber an ein Wiederaufleben des jüdischen Vaterlandes, der jüdischen Eigenart und Entfaltung geistiger Kräfte ist nicht erloschen, vielmehr bildet er die Kraft, die die Juden ihrem Ziele immer näher treibt. Hbraham Ofner. Die jüdische Gemeinde München und darüber hinaus die Judenheit Bayerns und Deutschlands haben einen schmerzlichen Verlust erlitten. Abraham O f n e r ist am 20. Okt. 1917 seiner schweren Krankheit, die er lange mit größter Standhaftigkeit ertragen hatte, erlegen. Einer einfachen jüdischen Familie entstammend, kam Ofner schon in früheren Jahren aus seiner Heimat, einem kleinen bayerischen jüdischen Ort, nach München, um sich hier seinen Studien zu widmen. Er war ursprünglich zum Rabbiner bestimmt; Neigung und Begabung ließen ihn das juristische Studium ergreifen, nach dessen erfolgreichem Abschluß er sich in München als Rechtsanwalt niederließ, und sich durch seine Tüchtigkeit eine ansehnliche Klientel erwarb. Sein großes Intieresse an jüdischen Angelegenheiten führte dazu, daß er schon als junger Mann in die Verwaltung der Münchener Kultusgemeinde gewählt wurde. Der eifrige und charaktervolle Mann erwarb sich hier das allgemeine Vertrauen in so starkem Maße, daß er alsbald an die Spitze der Verwaltung berufen wurde. Dieses Amt hat er nun mehr denn 20 Jahre mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit versehen. Er war nicht nur als Mitarbeiter, sondern zum Teil auch als Gründer und Leiter an der Entwicklung fast sämtlicher jüdischer Einrichtungen, Stiftungen und Vereine Münchens hervorragend beteiligt. Aber seine Wirksamkeit ging weit über Münchens Grenzen hinaus. Der Landesverein bayerischer Kultusgemeinden zählt ihn zu seinen Mitgründern und Leitern. Mitbegründet hat er auch den Zentralerem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens., für dessen Ziele er immer eingetreten ist. Besonders Behörden gegenüber hat Ofner bei jeder Gelegenheit die ihm anvertrauten jüdischen Interessen energisch und mit Erfolg vertreten. — Auch der Förderung der jüdischen Wissenschaft hat er seine eifrige Arbeit gewidmet; so hat er aus Anlaß des 100jährigen Jubiläums des Bestehens der Münchener jüdischen Gemeinde die Herausgabe einer Festschrift betrieben. Das hier gezeichnete Bilid von dem Wirken des ausgezeichneten Mannes wäre nicht vollständig, wenn nicht noch e i n Zug rühmend hervorgehoben würde: die Sachlichkeit und Konzilianz Ofners bei der Austragung von Gegensätzen. Auch der politische Gegner muß diese Eigenschaft dankend anerkennen. Der Bedeutung des Mannes entspricht die allseitige warme Teilnahme an seinem Tode. Die Zeitungen brachten ehrende Nachrufe. Eine überaus große Zahl von Leidtragenden folgte bei dem am 22. Okt. auf dem Friedhof an der Thalkirchnerstraße stattfindenden Begräbnis seiner Bahre. Prof. Dr. Werner hielt eine tiefempfundene Grabrede. Es folgte eine Reihe von Nachrufen seitens der Vertreter der zahlreichen Organisationen, denen Ofner angehört hatte. Justizrat Wittel sh öfer sprach für den Landesverein bayerischer Kulitusgemeinden, für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach Dr. Baron, für die Münchner Loge Justizrat Dr. Frankenberger, für den jüdischen Frauenverein Justizrat Dr. O p p e n h e i m. Aus diesen und allen übrigen Nachrufen tönte wieder die große Wertschätzung, die Ofners Wirken und seine Persönlichkeit allenthalben genossen. Der Name Ofner wird mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde München dauernd verknüpft sein. Welt-Echo Der jüdische Kongreß in Rußland soll am 10. Januar 1918 eröffnet werden. Pogrom in London. Wie jüdische und englische Zeitungen berichten, fanden am 24. und 25. September, unmittelbar vor dem jüdischen Versöhnungsfest, pogromartige Ausschreitungen gegen die Juden im Londoner East-End statt. Viele Juden, meist russischer Herkunft, selbst jüdische Soldaten, wurden vom Pöbel, dem sich auch englische Soldaten angeschlossen hatten, mißßhandelt; die Fensterscheiben vieler jüdischer Häuser wurden eingeschlagen, die jüdischen Passanten beschimpft und verprügelt. Nur mit Mühe gelang es der Polizei, schlimmere Ausschreitungen und Plünderungen zu verhindern. Bekanntlich hatten auch vor einigen Monaten in Leeds pogromartige antisemitische Exzesse sfattgefunden. Schuld daran trägt die systematische Hetze gegen die russischen Juden in England, die die reaktionären englischen Zeitungen, vor allem die Northcliffepresse, in letzter Zeit betreiben. Dieselben Zeitungen suchen jetzt auch die Exzessie in London zu rechtfertigen, indem sie behaupten, die Juden hätten die englischen Soldaten beschimpft und sogar auf sie geschossen, was aber die jüdischen Zeitungen in England als glatte Lüge erklären. Charakteristisch ist, daß bis jetzt nur ein einziger Pogromteilnehmer zur Bestrafung gezogen wurde, und zwar ein sechszehnjähriger Junge, der zu einer Geldstrafe von vierzig Schilling verurteilt wurde. Das jüdische Regiment in England. Unter der Überschrift „Eine Irreführung“ wiesen wir kürzlich an dieser Stelle die „Frankfurter Zeitung“ darauf hin, daß sich gegen die Bildung eines jüdi- LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL- DAMEM - SALON MUR FÜR DAMEM Residenzstrasse 17/1 SflLOM FÜR DAMEM UMD HERREM Parkhotel Majcimiliansplatz 21 SPEZIflLll A T: Künstlerisch susgefDhrte E R S K T Z_ FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaß^