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Das jüdische Echo · 1917-10-26 · 43 (26.10.1917) · p. Seite 466

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
43 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
Seite 466 (sequence 2)
Language
German
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466 Das Jüdische Echo Nr. 43 klar, daß man damit das Gegenteil erreicht. Der Alldeutsche Verband hat seinen Bestrebungen den weitesten Rahmen gesteckt und in keiner Weise eine Bekämpfung des Judentums beabsichtigt. Aber indem man von jüdischer Seite sich in zunehmendem Maße gegen ihn ereifert und in ganz grundloser Weise gegen ihn vorgeht, nötigt man ihn natürlich, sich gegen die jüdischen Angriffe zu verteidigen. Es liegt uns natürlich fern, hier einen allgemeinen Vorwurf gegen die Juden auszusprechen. Es gibt Juden, die eifrig national gesinnt sind, und auch im Alldeutschen Verband selbst fehlen sie nicht. Sie verurteilen scharf die Haltung der jüdischen Mehrheit. Aber es ist notwendig, auf jenen wunden Punkt den Finger zu legen, notwendig im Interesse des Judentums selbst.“ Das ist denn doch eine maßlose — Harmlosigkeit. Wir die Angreifer! Und ganz grundlos! Schätzt die „Erneuerung“ dlas Gedächtnis ihrer Leser und derer, die die Tätigkeit der Alldeutschen seit Jahr und Tag verfolgen, so kurz oder ihre Einsicht wirklich so gering ein? Sollte nicht vielmehr, insbesondere mit dem Schlußsatz, eine versteckte Drohung ausgesprochen werden nach dem System „und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!“ Soll es als Vorschußentschuldigung für eine kommende Judenhetze gelten? Wahrlich, es ist nicht zu begreifen, daß sich ein anständiger Politiker nicht schämen sollte, um die Gunst derer zu buhlen, die er beständig bekämpft. Ist das vielleicht „deutsch“: die „Made im inneren Ausbau des Apfels“ durch Drohungen so einzuschüchtern, daß sie jede Verunglimpfung wehrlos über sich ergehen läßt? Oder ist das „deutsch“: diejenigen, die man von jeher geächtet und geschmäht hat, zu Alldeutschen umstempeln zu wollen, auf daß sie durch Beihilfe bei dem „vaterländischen“ Schreien und Hetzen den „Mangel der Geburt“ ersehen, ähnlich wie wirs an den ehemaligen Deutschen sehen, die in England oder Frankreich zu den wüstesten Deutschenfressern gehören, oder an den ehemaligen Engländern, die in Deutschland ihr Heimatland schmähen? (Ich rede hier nicht gerade von H. St. Chamberlain, dem „Deutschlands Erneuerung“ das folgende Lob, das eigentlich die „deutsche Rassentheorie“ über den Haufen wirft, widmet: „Jeder Gebildete weiß, daß Chamberlain geborener Engländer ist und nie ein Billiger, kün[tlerifd)er tDanöjctimud: finb bie ftuttftbruc&e ber 9Jtiind)ncr „Sugenb". 9Iuf bem ©ebicte bes SJierfar&enbru&es bot bie „Sugenb“ baf)tibrtd)enb geroirfet unb bie oon ifjr Ijtrau5gegebenen Äunftbrudte finb in 9£RiUionen oon Sjemploren auf ber ganzen Sßelt oerbreitet. 3)ie Sammlung umfaßt einige toufcnb '©lütter, unter benen jeber ©efcfjmadi ©affenbes jum greife oon 50 Pfennige bis 1 Warb, je nad) ©röße finbet. C?in großer illuftrierter Katalog mit taufenb nerhleinerten Slbbübnngen (©reis 4 Worb) erleidjtert bie SBaßl. SDie 3ugenb=Jtunftbrudte finb bunt) jebe ©ud)= unb Kunftßanblung ober burd) ben Unterzeichneten au beaießen Uerlag ber l(3ugen6'' OTiincßen, Ceffingftraße 1 Hehl aus seiner Geburt gemacht hat. Der Gebildete weiß aber auch, daß Chamberlain sich mit heiliger Überzeugung seit langer Zeit zum Germanen- und Deutschtum bekannt hat und daß ihm das Deutschtum viel verdankt, wesentlich mehr als allen jenen Geistern zusammengenommen, die der Abstammung nach nicht einmal einen Tropfen germanischen Blutes in sich haben, sich aber laut und anmaßlich als Deutsche gebärden.“ Nein, das ist nie und nimmermehr deutsch — das ist höchstens a 11 deutsch. Als die wichtigste Frage erscheint nun: Sind die Juden, die „im Alldeutschen Verband nicht fehlen“ und „scharf die Haltung der jüdischen Mehrheit verurteilen“, so naiv, daß sie von dem rasenden Antisemitismus der Alldeutschen und Vaterlandsparteigänger nichts sehen? oder sind sie so eingeschüchtert, daß sie glauben, man müsse in die alleinseligmachende Vaterlandspartei eintreten, um damit ausdrücklich zu beweisen, daß man ein Vaterland hat? oder sind sie so antisemitisch, daß sie sich zu einer Partei hingezogen fühlen, die den Kampf gegen die „hebräischen Maden“ auf ihr Programm gestellt hat? Dr. Fred. H. S e 1 i g m a n n. Kosciusko und die Juden. (Zur Feier seines 100. Todestages.) Am 15. Oktober sind gerade 100 Jahre seit dem Tode Kosciuskos, des großen polnischen Volkshelden verstrichen. Dieser Tag wurde bei den Polen wie auch bei den Juden mit großer Begeisterung gefeiert. Seine Berühmtheit verdankt Kosciusko nicht so sehr dem Erfolge seiner praktischen Tätigkeit — denn die Revolution, deren Anführer er war, hatte die spätere Teilung Polens zur Folge — aber als idealer Vorkämpfer für die Freiheit seines Vaterlandes ist ihm in der Geschichte Polens ein bedeutender Platz eingeräumt. Seine Bedeutung zu würdigen, dürfte gerade den Juden nicht schwer fallen, da sie den Fluch der Heimatlosigkeit seit Jahrtausenden bitter verspüren. Im übrigen hat Kosciusko auch in der Geschichte der polnischen Judenheit eine wesentliche Rolle gespielt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte man die Juden nicht allein der politischen, sondern auch der bürgerlichen Rechte beraubt, sodaß sie moralisch wie auch wirtschaftlich sehr zu leiden hatten. Butrimowitsch, der Vertreter der liberalen Partei Polens, legte in seinem Beschlüsse dar, daß die Juden lediglich als eine religiöse Sekte zu betrachten seien, befriedigte aber ihre religiösen Bedürfnisse in keiner Weise. Damals verfaßte Kosciusko, der Anführer der polnisch-revolutionären Partei, auf die Bitte des jüdischen Hauptmanns Perka Jasselowitsch ein Reskript, laut welchem die Juden als besondre Nation anerkannt wurden. Es ist leicht möglich, daß Kosciusko mit dieser Anerkennung der nationalen Selbständigkeit der Juden politische Nebenabsichten verfolgte. Jedenfalls ist der Umstand für uns wichtig, daß er den Juden die Fähigkeit, sich mit anderen Völkern zu messen, zugestand. Ganz besonders schätzte er die Juden wegen ihrer regen Anteilnahme an der Revolution. In einem Befehle drückt er sich ungefähr folgendermaßen aus: „Nichts ist überzeugender für die Heiligkeit und Gerechtigkeit unserer Sache, als daß

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