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Das jüdische Echo · 1917-10-26 · 43 (26.10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
43 (26.10.1917)
Date
1917-10-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. (Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. I.—, Halb). M. 2.-, Qanzj. I M.4.—,Einzelnummer 10 PI. — Verlag [ des „Jüdischen Echo“: München, Her- |zog Maxstr 4 - Redaktion: Helene I Hanna Cohn, München, mrnMwm , n z e i g e n : Die viergespaltene onpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt— Rnzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 43 München / 4. Jahrgang 26. Oktober i*h7 Alldeutsch. Wenn mir einer sechs Werkeltage allteti Schimpf und Spott antut und mir am Sonntag mit salbungsvollen Worten sagen will, was eigentlich mein wahres Interesse ist, so habe ich allen Qrund, ihm zu mißtrauen und ihn mehr mach seinen Werktagshandlungen als nach seinen Sonntagsworten zu beurteilen. Ich glaube einfach nicht, daß er nun plötzlich mein Interesse im Auge hat. Und wenn mir einer immerfort von seinen eignen Tugenden spricht, so muß ich denken: er hat’s nötig; täte er es nicht, so merkten die anderen wohl gar nicht, daß er Tugenden hat. In Deutschland gibt es seit einiger Zeit Leute, die desto lauter „Vaterland“ schreien, je mehr sie „Kattun“ meinen. Denn wenn sich auch Männer aller Parteirichtungen für die „Vaterlandspartei“ haben gewinnen lassen, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß unter den Schrittmachern und Förderern der neuen Partei viele von denen sind, die Deutschland bisher weder durch Uneigennützigkeit noch durch Klugheit besonders große Vorteile gebracht haben. „Alldeutsch“ — und um eine alldeutsche Gründung handelt es sich ja bei der Vaterlandspartei — war bisher immer nicht national sondern nationalistisch, nicht gouvernemental sondern imperialistisch1, nicht kulturell sondern rassenpollitisch — und schließlich eben nicht deutsch sondern alldeutsch. „Deutschtum“ bedeutet Liebe zum deutschen Lande, Treue zum deutschen Volk und Staat, bedeutet die Fähigkeit, mit allen Nerven und Sinnen den Geist eines Kant und Goethe, eines Fichte und Kleist, eines Bach und Beethoven zu erfühlen. „Alldeutschtum“ bedeutet das Trumpfen auf die physische, die animalische Verwandtschaft der Passegenossen, bedeutet eine Vergötterung der — gar nicht existierenden — „deutschen Rasse“. Eine ganz logische Folge dieser Auffassung des Deutschtums als einer Rassengemeinschaft ist der Standpunkt, den die Alldeutschen den deutschen Juden gegenüber einnehmen. Über diesen Standpunkt belehrt nichts besser als das Studium der seit einiger Zeit in München erscheinenden Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung“. Aus dieser Zeitschrift, die den alldeutschen Gedanken vertritt und sich1 neuerdings zur Werberin für die „Vaterlandspartei“ gemacht hat, sei die folgende kleine Blütenlese von Zitaten gegeben: „Der Hebräer wirkt am Ausbau des Staates mit wie die Made am inneren Ausbau des Apfels“. „Es ist kein Zufall und drückt die im Kriege bestätigte Machtentwicklung des überstaatlichen Kapitals aus, daß gegenüber unserm Neudeutsch die Neuorientierung an etwas andres als an Deutsch ankliingt, nämlich an Neuorient“. (Im Berliner Tageblatt hatte ein von Fritz Engel verfaßter Brief Molieres an Karl Sternheim gestanden, in dem der erstere den letzteren wegen seiner Neueinrichtung des Stückes „Der Geizige“ lobt. Dazu schreibt .,D. E.“ in Heft 3:) „Das ganze ist so ungemein typisch für den jüdischen Geist, der vor nichts Halt macht, alles herabzerrt, betastet und beschmutzt und zur Geschäftsreklame mißbraucht, dabei aber zielbewußt seine nur ihm nützlichen Anschauungen mit allen Mitteln auch andren suggerieren will, daß eine Erläuterung für deutsch und reinlich empfindende Menschen überflüssig ist.“ „Für die Besetzung führender Stellen im Militär- und Staatsdienst sowie für die Betätigung in gewissen mehr idealistischen Künsten und Wissenschaften müssen reine oder überwiegend reine Germanentypen in hinreichend großer Anzahl zur Verfügung bleiben, wenn der Schutz gegen äußere und innere Feinde sowie der germanisch-arische Charakter unserer Kultur nicht gefährdet werden soll.“ „Und wenn man immer aus berechtigter Sehnsucht nach einer freien Stein’schen Gesetzgebung ruft, so vergesse man ja nicht, daß wir deutschen Bürger nicht mehr unter uns sind wie vor hundert Jahren, und sichere sich nachdrücklich gegen Leute, welche die Freiheiten Steinscher Gesetzgebung für sich zu unserm Schaden ausbeuten.“ „Die .Tüchtigkeit* hat gesiegt, der Tschandala, der Niedriggeborene herrscht, der — Judenstaat ist erstanden!“ Diese Blütenlese müßte eigentlich genügen, um die Stellung des Alldeutschtums und der „Vaterlandspartei“ zum deutschen Judentum hinreichend zu kennzeichnen und jedem Juden, der etwa das Gelüste fühlen sollte, sich ihnen anzuschließen, energisch darauf hinzuweisen, daß er sich hier in eine Gemeinschaft begibt, die in ihm den „Tschandala“ sieht, den sie mit allen Mitteln bekämpft. Aber die Dinge liegen gewöhnlich im Leben nicht ganz klar zutage, sondern List und unedle Beweggründe verfehlen nicht, auch das Klarste zu verschleiern. So ist es sogar möglich, daß das Sprachrohr der Alldeutschen Vaterlandspartei, eben die Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung“ sich plötzlich ihrer „lieben Juden“ erinnert, was im Juli-Heft mit folgenden Sätzen geschieht: „Es ist zu beklagen, daß von jüdischer Seite heute beständig und ganz grundlos gegen die Alldeutschen gekämpft wird. Man macht sich nicht 99999

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