Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 42 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- Seite 460 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Das Jüdische Echo Nr. 42 pelmauer zu nähern und sie als Betört ungestört zu benutzen. Tempel-Westmauer „Kothel hamaa r a b i“. Auf dem Platze, dessen Ostseite von der Westmauer begrenzt wird, ist die unter dem Namen Klageplatz der Juden bekannte Stätte, wo der von tiefer Wehmut ergriffene Israelit vor den der Reihie der Jahrtausende trotzenden Denkmälern aus der Zeit Salomos, vor den Riesenbauten des Heiligtums, unter dem freien Himmel, dem blauen Äther, aus welchem die Sonne mit ungetrübtem Glanze wie vor Tausenden von Jahren leuchtet, seine inbrünstigen Gebete verrichtet. Diesen Platz besuchen die Juden sehr häufig; man findet ihn meist mit betenden Israeliten besetzt. Zahlreicher sind die Besuche am Freitage zur Einweihung des Sabbath, an den Feier- und Festtagen und am neunten Ab. An den Regalim-Festen gehen alle jüdischen Bewohner Jerusalems zu der Tempelmauer, um daselbst das Mussaph zu beten. Da aber der Raum am Fuße derselben zu klein ist, um alle zu gleicher Zeit fassen zu können, so begeben sie sich abgesondert in Gemeinden unmittelbar aus den betreffenden Synagogen dahin, wo sie unter freiem Himmel, alle in Gebetmäntef, Talith, gehüllt, und mit Rücksicht auf die Heiligkeit des Bodens, ohne Schuhe stehend, die Mussaphandacht abhalten. Auf diese Weise wird der Gottesdienst mehrere Male wiederholt. Weit abgesondert von den Männern stehen die Frauen, alle in langen weißen Hüllen, welche die ganze Gestalt und das Haupt bedecken. Während die Männer das wehmütige Gebet: „Unserer Sünden halber sind wir aus unserm Lande vertrieben und weit entfernt von unserm eigenen Boden“ mit herzerschütterndem Wehklagen an stimmen, küssen 'die Frauen die Tempelmauer und schlagen lihre Stirn an die Quadern. Alle erheben das tränenvolle Auge gen Himmel und rufen unter Schluchzen; „Wie lange noch, o Gott?“ Diese Stätte wird von den Reisenden aller Nationen besucht, und keiner kann sie ohne Rührung verlassen. In weit höherem Grade aber werden die Gefühle des Juden erschüttert, der die ehemalige Erhabenheit der jüdischen Nation im Geiste sieht, den Druck der Gegenwart fühlt und zugleich auf die große Zukunft Israels hofft. Rachels Grab besuchen die jüdischen Pilger sehr häufig; sie bringen öl und Lampen mit, zünden dieselben zur Ehre der toten Patriarchin an und sprechen dann das schöne Gebet, welches dem Andenken der Toten gewidmet ist. Die zahlreichen Mitglieder eines Vereins Mutter Rachel, „Chewra Rachel Imenu“, pilgern an dem letzten Tage eines jeden Monats zu dem Grabe, wo sie den ganzen Tag mit Beten zubringen. Außerdem besuchen häufig viele einzelne Personen das Grab, um daselbst ihre Andacht zu verrichten. Häufig pilgern auch die Israeliten nach den Gräbern der Könige, der Propheten und denen der Propheten Zacharia und Samuel. Die Gräber der Sanhedrin und das Grab Simons des Gerechten werden besonders am 33. Omertage und am 15. Schebat von zahlreichen Andächtigen besucht. Besch'neidung. Am Abende vorher schicken Freunde und Bekannte in das Haus der Wöchnerin brennende Öllampen, die von den Anwesenden unter dem Gesänge von Hymnen empfangen und im Hause umhergetragen werden. Eine halbe Stunde bevor das Kind in die Synagoge gebracht wird, beginnt der Chorgesang und dauert bis die Operation beendet ist. Nach dieser nimmt der Vater das Kind in seine Arme, trägt es vor die heilige Lade und spricht den Vers: „Sollte ich dich vergessen, Jeruschalajim, so versage meine Rechte! Kleben soll meine Zunge mir am Gaumen, so ich nicht dein gedenke, so ich nicht erhebe Jeruschalajim auf den Gipfel meiner Freude.“. Allen Anwesenden teilt der Synagogendiener Rosmarin aus, und der Beschneider spricht den Segen über wohlriechende Kräuter. In einer Zeit, wo epidemische Krankheiten stark wüten, wird während der Beschneidung das Schofar geblasen und die 13 Midoth gebetet. Die Gratulation bei der Geburt eines Knaben wird mit den Worten: „Bisiman tow“, d. h. zum guten Zeichen, bei der eines Mädchens „Bemasol tow“, zum guten Glücke, gesprochen. Diese Ausdrücke werden auch häufig den Kindern als Vornamen beigelegt, nämlich einem Knaben Simontow und einem Mädchen Masaltow. Hochzeiten. Vor der Trauung versammeln sich der Oberrabbiner mit seinem Beth-Din und der Bräutigam, von seinen männlichen Verwandten umgeben, in der Zionssynagoge zum Gebete des Mincha, um dann in feierlichem Zuge sich in die Wohnung der Braut zu begeben. Im hochzeitlichen Hause ist von bunt seidenen, aus der Synagoge geliehenen Vorhängen ein Trauhimmel in der Form eines Zeltes errichtet. Unter diesem steht während der Trauung die Braut in starrer Ruhe mit fest geschlossenen Augen und zusammengefalteten Händen. Die Haare ziert kein Kranz, da ein solcher den Bräuten Jerusalems aus Trauer über die Zerstörung des Tempels nicht gestattet ist. Der Braut zur Rechten steht der Bräutigam. Nachdem er die übliche Trauungsformel gesprochen und der Braut einen Goldreif an den Finger gesteckt hat, wird beiden ein weißer Gebetmantel umgetan, zum Zeichen, daß sie nunmehr zusammengehören, und alle Anwesenden sagen: „Simon tow!“ Hierauf wird die „Ke- Jftundjner 3teuefte 3lad?ridjten (SjropfeÄägl^mal erfcfjeinen&e 3eitung 6ü5* uni) $titte(beutfd)* lan&g. ^auffräftigerLeierfrete un& Ü£>er©eutid)lan5^@ren5cn pinau&* gel)en5e23er£>retfung. ©roperfauf* männ.u.gett>ert>l.©fellenmarft Slnerfannt fei)r erfolgretd) für Sinnigen aller Slrt. SKnjeigen«* preid unt> 3lad)lap nad) Sarif. 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