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Das jüdische Echo · 1917-10-19 · 42 (19.10.1917) · p. Seite 457

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Das Jüdische Echo 457 fördert durch wirtschaftliche und kulturelle Erschließung des Landes auch das Interesse der Araber. — In jüngster Zeit hat sich die Entente- Presse liebhaft für Palästina interessiert. Der englische Minister Sir Alfred Mond „tritt für einen autonomen jüdischen Staat ein. Ähnlich schrieb Miljukow im „Rjetsch“, Herve in der „Victoire“, „Journal de Geneve“ teilt mit, daß sich der päpstliche Stuhl in diesem Moment mit nichts anderem intensiver beschäftige als mit der Idee, Palästina unter dem Schutz der christlichen Mächte zu internationalisieren und so den „Traum des Zionismus“ zu vereiteln. Andere Blätter berichten, daß der zionistische Führer Nahum Sokolow eine Audienz beim Papst gehabt habe. Im „Berliner Reichsboten“ schreibt Gustav v. Dobbeler: „Wie ein Präriebrand durch Gegenfeuer gelöscht wird, so können wir Englands neuestem imperialistischem Vorhaben begegnen, indem wir ihm vorwegnehmen, was es zu tun beabsichtigt. Die Gründung eines jüdischen Staatswesens unter türkischer Oberherrschaft würde für uns Notwehr sein, wie der U-Bootkrieg die einzige mögliche Antwort auf die englische Blockade ist und so fort.“ — Hingegen verkünden die „Daily News“ den Präsidenten Wilson als Anwalt einer jüdischen Republik in Palästina. Ach, ist denn noch niemand dieser Töne satt geworden? Wird dieser Wirbel von Länderverteilungen und Eroberungen unaufhörlich durch die Welt rasen? — Das Judentum hat diese Fanfaren nie geliebt und sein großer Prophet Jesaja hat zum erstenmal den Völkerfrieden, da man die Schwerter zu Pflugscharen und die Speere zu Winzermessern umschmieden wird, in traumhafter Beseligung geschaut. — So bleiben auch heute die Juden allen waffenklirrenden Versprechungen gegenüber skeptisch und kühl. Ihre Kriege sind Kriege der Seele gegen die Heuchelei des inneren Feindes in jedem von uns, ihre Eroberungen wollen Eroberungen göttlichen Geistes^ Netze gegen das Unendliche hin ausgespiannt sein. Was ich zu Anfang sagte, gilt hier mit verstärktem Nachdruck: kein Politikum, sondern eine religöse Frage bleibt die Tiefste aller jüdischen Angelegenheiten. — Freilich gehen unsere Wünsche und Bestrebungen nicht ins Leere, sondern auf eine ungestörte Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina. Wir hoffen aber, trotz etlicher Enttäuschungen in letzter Zeit, daß der ruhige Fortbestand der türkischen Herrschaft und die Einsicht türkischer Staatsmänner, ihre Vertrautheit mit den Gesinnungen der jüdischen Einwanderer diese Entwicklung garantieren, daß es der Losreißungsprojekte der Entente nicht bedürfen wird. — Uns war es von jeher am liebsten, wenn sich die Völker nicht allzu sehr um uns bemüht haben. Nicht aus kaltem Egoismus haben wir uns abgesperrt (wiewohl man uns das ebenso oft nachsagt wie: daß Wir uns aufdrängen. — Seltsame Kombination!), sondern weil uns irgendeine dunkle Hoffnung leitete, wir könnten vielleicht in Stille und Einsamkeit einen Keim schaffen, der nicht nur uns, sondern der ganzen Menschheit, die wir mit allen Fibern und allen natürlichen, noch unverdorbenen Anlagen unserer Seele lieben, zum Heile gereichen könnte. Diese Stille auf eigenem Boden, diese Geburtsstätte neuer, nicht etwa national beschränkter, sondern allmenschlicher Zielsetzungen schaffen, — dies und nichts anderes ist der Sinn jüdischer Paltästinakolonisation. Galizische Wirtschaftsprobleme. Zu dem in Österreich jetzt so aktuellen Thema der Schaffung einer das ganze Land umspannenden jüdischen Organisation äußert sich das „Lemberger Tagblatt“ folgendermaßen: Die Wiederherstellung Galiziens aus den Trümmern und Ruinen, in welche der Krieg seine Städte und Dörfer verwandelt hat, bildet eine der Hauptaufgaben der allernächsten Zukunft. Nicht nur, weil das Land Geld benötigt, das den beschäftigungs- und mittellosen Arbeitern und Kriegsbeschädigten zugute kommen soll, sondern vornehmlich aus dem Grunde, weil eine Weiterentwicklung der Volkswirtschaft vollständig von der Lösung des obigen Problemes abhängig ist. Es dürfte wohl bekannt sein, daß Galizien in wirtschaftlicher Hinsicht schon vor Ausbruch des Krieges sehr rückständig war und daß man in allen Schichten der Bevölkerung nach einer Verbesserung dieser mißlichen Lage nach dem Vorbild der westlichen Kulturmächte strebte. Zwei Grundgedanken beherrschten im allgemeinen die öffentliche Meinung — die Hebung der Industrie und der Ausbau der Wasserwege. Die Durchführung dieser Reformen mußte jedoch infolge des Krieges aufgeschoben werden, und sie wird es auch bleiben, bis das Land in seinen früheren, normalen Zustand zurückgekehrt ist. Es kann uns daher nicht verwundern, daß der Gedanke an die Wiederherstellung Galiziens die öffentliche Meinung fast vollkommen beherrscht und daß sogar eine umfangreiche Literatur entstanden ist, die diese Fragen von allen Seiten beleuchtet. Man ist bestrebt, die besten und einfachsten Wege zur Aufrichtung der vernichteten Existenzen ausfindig zu machen. Diese eifrigen Erörterungen, die jetzt bei den Polen und Ruthenen gepflegt werden, bilden einen mächtigen Untergrund, auf dem die praktische Ausführung leicht von statten gehen kann. Die Juden aber haben auf diesem Gebiet noch gar nichts geleistet und wollen die Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten anderen überlassen. Trotz der Erfahrungen des Krieges sind sie noch nicht dahin belehrt worden, daß ein tDie „WIRKLICHKEIT” f \ A L& A "T A Üa Jk Lk mSÜIi XMu m BA ■ m BA AB b ■ BA A A I_ J. TT pro II crrokon Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich s*gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu Herausgeber: Karl Graf v. Bothmer, München, nehmen wie sie sind, den Sinn für das ge«chichtlich Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrilch geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probehefte beim Verlag, München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216 a), der Buchhandel und der Verlag.

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