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Das jüdische Echo · 1917-10-19 · 42 (19.10.1917) · p. Seite 456

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 456 (sequence 4)
Language
German
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, ‘-s nicht ganz unzureichende Ernährung einiger Städte beugen dem Allerärgsten vor. Die Plantagen Judäas konnten, auf Export angewiesen, vor Schaden nicht bewahrt werden. Den für die Zukunft bedeutsamsten Teil des „neuen Jischuw“ („Neue Siedlung“ — so nennen sich stolz die Träger der modernen Palästinaidee zum Unterschied von den Almosenempfängern, die heute noch die Mehrzahl einiger Stadtbevölkerungen Palästinas ausmachen, deren Kinder aber teilweise zu der neuen Bewegung übergehen) sieht man ziemlich übereinstimmend im jüdischen Landarbeiter, von dessen Seele die Briefe Gordons (veröffentlicht im ersten Jahrgang des „Juden“) mit rührender Einfachheit sprechen. Haußmann (zitiert bei Nawratzki) schildert diesen in der Geschichte des jüdischen Menschen neuen Typus folgendermaßen: „Das Arbeitermaterial stellt in vielen Beziehungen die Elite unseres Volkes dar: Idealisten reinsten Wassers, reine Charaktere, selbstbewußt, intelligent, mutig, kräftig, im höchsten Grade kameradschaftlich und genügsam, andrerseits aber leider etwas übertheoretisiert in marxistischen und anderen sozialen und nationalen Schablonen, stark revolutionär, freigeistig aber unreif, die Neuheit der Verhältnisse verkennend. Ihr Losungswort, vielleicht das ethischste, welches die jüdische Renaissance gezeitigt hat, ist: Chibusch Haawodah (die Eroberung der jüdischen Arbeit durch jüdische Arbeiter). Sie kämpfen für dieses Ziel noch jetzt unter sehr widrigen Bedingungen.“ So klein die landwirtschaftliche Siedlung in Palästina ist, so reich ist sie bereits an sozialen Versuchen, die religiös geforderte Gerechtigkeit zu verwirklichen. Leider hat der Kriegsausbruch jede Möglichkeit eines normalen Experimentierens abgegraben und man muß sich glücklich preisen, wenn man die Keime eines neuen Lebens in den Frieden hinüberretten wird. Dann erst wird man das Gedeihen der Arbeiterproduktivgenossenschaft in Merchawja, die nach dem Opperheimerschen Prinzip ungleicher Gewinnanteile arbeitet, und der kommunistischen Siedlung Dagania beurteilen können. Dann erst werden auch die vielen andern Pacht-, Okkupations-, Pflanzungsgenossenschaften zur Geltung kommen. Ein reich entwickeltes Schulwerk schließt sich an die ländlichen und städtischen Kolonien: Kindergärten, Religionsschulen, Volksschulen für Knaben und Mädchen, zwei hebräische Gymnasien, eine Ackerbauschule, Lehrfarmen, die Mädchenfarm Kinereth, ein Kindergärtnerinnenkurs, ein Lehrerseminar, die Kunstgewerbeschule Be- Musik-lDslllul Bruno Maller, Manchen Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Or. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Or. Heinrich Beilermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Gesangs - Unterricht für Hausgebrauch, Chor, Konzert u. Bühne (Oper u. Operette, ' Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) Unterricht in allen praktischen und theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene. Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) >üfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos. R zalel usw. Die wiedererwachte hebräische Sprache klingt im Arbeiterlied wie im wissenschaftlichen Vortrag. In Jerusalem arbeitet ein jüdisches hygienisches Institut. Das hebräische Verlagswesen entwickelt sich und hat gerade im Kriege einige literarische Sammelwerke unter dem Titel „Beschaa su“ (In dieser Stunde) ediert, die durch die gemessene Haltung der Beiträge und durch schöne Ausstattung Aufsehen erregt haben. Ein wesentlicher Kulturfaktor ist der „Jüdische Nationalfonds“, durchaus auf freiwillige Spenden aufgebaut, die in den letzten Jahren bereits zweimal die Jahressumme von einer Million Franken erreicht haben (1913 und 1916). Der Nationalfonds steht außerhalb jeder kapitalistischen Spekulation, er erwirbt Grund und Boden „als unveräußerliches Volkseigentum“ und nimmt damit, wie auch der deutsche Bodenreformer A. Damaschke neuerdings anerkannt hat, die heiligen Gebote unseres Lehrer Mosis auf. Sein Arbeitsgebiet ist unübersehbar groß. Gerade jetzt tritt der Agronom öttinger mit einem großzügigen Kolonisationsprojekt hervor („Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“), das innerhalb der nächsten zwölf Jahre nach Friedensschluß im ersten Triennium je eine, im zweiten je zwei, im dritten je drei, im vierten je vier, zusammen also dreißig neue Kolonien, mit je hundert Familien (12—18000 Seelen) begründen will. Das Programm hat durchaus erreichbare Ziffern vorgesehen, — doch damit verlassen wir schon das Gebiet der Tatsachen und spielen mit einer Hoffnung. Sagt man von einem Starken, er sei nach wie vor auf seine eigene Kraft angewiesen, so klingt das stolz. Sagt man es von einer problematischen Gestalt, wie es heute noch das jüdische Volk ist, so könnte es leicht nach Kleinmütigkeit schmecken. — Doch ist dem nicht so. Neben vielem die Volkskraft in der Wurzel Treffenden hat die Kriegszeit dem Judentum zwei günstige Momente gebracht: die Befreiung von vier Millionen russischer Juden aus dem letzten und ungeheuerlichsten Ghetto und den Kongreß der amenikanischen Juden. In Rußland hat die Revolution, so weit man es heute nach den vorliegenden Meldungen beurteilen kann, ein geradezu elementares Aufwachen des Zionsimus (der bis dahin infolge irgendwelcher seltsamer Polizeilaune verboten und streng verfolgt war) ausgelöst, das den Bestrebungen der andern kleinen Völker an Intensität nicht nachsteht. Die Juden Amerikas haben nach langen hartnäckigen Kämpfen gegen die wie allüberall assimilierten Notablen einen Kongreß auf demokratischer Grundlage und die Aufrollung der Palästinafrage auf diesem Kongreß (nebst vielen anderen Fragen jüdischer Migration) durchgesetzt. — Auch in Rußland wird ein allgemeiner jüdischer Kongreß vorbereitet. Es sind Anzeichen vorhanden, daß die österreichischen Juden sich gleichfalls besinnen und die Friedensverhandlungen nicht in demselben unvorbereiteten Zustand abwarten werden, in dem sie der Krieg überrascht hat. — Die jüdische Kolonisation Palästinas bildet ein loyales Element der heutigen Türkei. Nahezu alle jüdischen Einwanderer sind ottomanische Staatsbürger geworden. Palästina gehört zu den dünn bevölkerten Gebieten des Orients (Nawratzki) und ist, wenn es sich wirtschaftlich schneller entwickeln will, auf eine Einwanderung angewiesen. Die Neueinwanderung ist nicht auf Zurückdrängung der arabischen Einwohner angelegt, sondern

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