Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 41 (12.10.1917)
- Date
- 1917-10-12
- Page
- Seite 449 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 449 laden, für ihn bleibt sie: „Eine Wirtschaftsorganisation, die mit einer Aneignungs- und Ubersetzungskultur verbrämt und verschönt ist durch zahlreiche Handels-, Verwandtschaft»- und Sympathiebeziehungen.“ Gegen diese Worte einer frevelhaften Kritik stelle ich nicht die Tatsachen selbst (sie sind mir zu ehrwürdig, um solcher Berührung ausgesetzt zu werden), nein — ein einziges Büchlein, das während des Krieges in New-York erschienen ist. Es heißt „Jiskor“ und legt in einfachen Worten von dem Leben der „Schomrim“, der freiwilligen Wächter, die jüdische Siedlungen gegen arabische Nomaden schützen, Zeugnis ab. Daß sich ein junger kaukasischer Bergjude, der schon zu Hause von den gesitteten Stadtkindern als „Wilder“ gefürchtet und gemieden worden ist, durch ganz Rußland durchhungert, um nach Palästina zu kommen, dort Wächter wird und nach abenteuerlichen Kämpfen in der Abwehr eines Raubanfaltes stirbt: nun, das mag als romantisch und im Rahmen jungenhaften Heldentums bleibend passieren. Seltsamer schon, wenn ein Fabrikantensohn aus Lodz dem hebräischen Gymnasium in Jaffa, wo er studiert hat, entläuft und in einer malariaverseuchten Kolonie das gefährliche Wächteramt übernimmt. Er fällt als Opfer der schleichenden Krankheit. Eine lange Reihe solcher Pioniere erleidet ähnliches Schicksal. Einer, Setzerlehrling in Jerusalem, verläßt seine Arbeitsstelle, als er für seine Zeitung sensationelle fette Überschriften „Brandlegung, Überfall in einer jüdischen Farm“ setzen soll. Rarer Effekt einer Zeitungsmeldung: der Drucker legt sein Werkzeug aus der Hand und eilt sofort in die bedrohte Siedlung, um sie von dia an zu verteidigen, bis auch er im neuen Beruf seinen Tod findet. — Die Kameraden betrauern den Tod des jungen Moses Barski, der als Wächter der Arbeitersiedlungsgenossenschaft Dagania von sechs Banditen erschlagen worden ist. Sie senden seinem armen Vater in einer russischen Kleinstadt Worte tiefsten Beileids. Der Vater ruft ihnen im Antwortbrief Trost zu und schickt — seinen jüngeren Sohn als Ersatz nach Dagania. All dies, ohne staatlichen Zwang, aus Herzensnotwendigkeit geschehen, duldet keine andere Erklärung als die religiöse. Auseinandersetzungen, welche Rolle in dieser Religion der Offenbarungsglaube und das sogenannte „positive Dogma“ spielen, gehören nicht hierher. Sie müßten auf die zum Teil heute noch gänzlich verkannten, weil vom landläufigen (christlichen) Schema sehr verschiedenen Grundlagen der jüdischen Religiosität eingehen, die auch mit den Grundlagen der jüdischen „Orthodoxie“ nicht identisch sind, obwohl sie sich in wesentlichen Punkten mit ihnen berühren. — Nur so viel für unsere diesmalige Blickrichtung: Daß in der für das jüdische Volk gütigen Offenbarung Gottes die Verankerung in Grund und Boden, im eigenen Lande mitgefordert erscheint. — Jede Erneuerung des Judentums knüpft mit erfrischten religiösen Instinken hier an. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, die moderne politische Bewegung des Zionismus mit der jüdischen Kolonisation Palästinas zu identifizieren. — Jüdische Ansiedelungen im Heiligen Lande begannen bald nach der Tempelzerstörung, sind für das zwölfte und fünfzehnte Jahrhundert bezeugt, wurden durch Sir Moses Montefiore im neunzehnten lebhaft in Angriff genommen. — Die schon erwähnte Expedition der „Bilu“ gab den entscheidenden Anstoß für neue Versuche, Baron Edmund von Rothschild gründete die Kolonien Ekron, Kastinje und so fort. Baron Hirsch und sein Nachlaß, russische Kolonisationsvereine geben der ersten Phase, der „philanthropischen“ Kolonisation ihr Gepräge. Nicht ohne harte Kämpfe setzten die Kolonisten eine Art von Selbstverwaltung gegenüber dem Bevormundungssystem der „Administrationen“ durch. — Heute gibt es in Palästina mehr als vierzig jüdische Kolonien, die bedeutendste ist Petach-Tikwah mit 2000 Einwohnern und 2400 Hektar Areal. Weizen, Hafer, Gerste wird angebaut. Der jüdische Ansiedler zieht im allgemeinen die Baumkulturen vor, bei denen er seine geschickten Hände und seine Intelligenz bewähren kann, es gibt Plantagen von ölbäumen, Maulbeerbäumen, Orangen, Mandeln, Zitronen, Granatäpfeln usw. Die Industrie steckt noch durchaus in den Anfängen. Freilich gibt es auch schon Sadduzäer dieses Gebietes, die zu rücksichtsloser Industrialisierung nach europäischem Muster raten. — Gerade hier liegt, wie ich glaube, der entscheidenste Punkt. Wird sich Palästina zu einem jüdischen Gemeinwesen nach Art heutiger sozialer Schichtung entwickeln, dann wäre alle Mühe und Hoffnung vergebens gewesen. Glücklicherweise deuten schon heute die genossenschaftlichen Formen, die sich in der Landwirtschaft durchsetzen, auf eine bessere und von allem Gewesenen durchaus und dem innersten Sinne nach verschiedene Zukunft (nur wäre sie eine bessere zu nennen). Alles wird darauf ankommen, ob man auch für die Industrie neue Methoden, neue Herzen finden wird. Welt-Echo Staatszuschüsse für kirchliche Zwecke in Bayern. Bayern sieht für die Jahre 1918/19 für kirchliche Zwecke insgesamt 13 331 130 Mark vor, das sind 425 457 Mark mehr als im letzten Budget. Die Summe verteilt auf die einzelnen Landeskirchen wie folgt: Katholische Kirche 9 515 540 M. bei einem Mehr gegen 1916/17 von 426 160 M., portestantische Kirche 3 795 590 M. bei einem Mehr von 79 797 M. im Jahre 1918, aber einem We- Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnsfraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer.» königl. Württemberg , grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkontos K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München*. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. GrShteFabrlk und Varlelhanstalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zelten u. allen Landern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen. Reichem Lager In Waffen und Ausrüstungen. 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