Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138206--01700-9074524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 40 Das Jüdische Echo 441 derten Wahlkurien ziu-ammenzufassen. Vielleicht würde bei uns dafür schon das System der Verhältniswahl die gleichen Dienste leisten, wie nationale Wahlkataster. Im Rahmen dieses Artikels lassen sich die schwierigen Einzelheiten des polnischen Problems nicht erörtern, zumal die Papiernot die größte Beschränkung erfordert. Wer tiefer in sie eindringen will, möge zu meiner freilich schon lange vor der russischen Revolution erschienenen Schrift: „Das selbständige Polen allst Nationalstaat“, Stuttgart-Berlin, Deutsche Verlagsanstalt greifen. Nach Schema F des Nationalstaats lassen sie sich nicht lösen. Rußland wird nach der Revolution darauf bedacht sein, die Rechte und Freiheiten seiner „Fremdvölker“ zu schützen, damit aber auf die nationalen Minderheiten in Polen verführerisch wirken. Soll Polen Bestand haben, so muß es diese zu guten Staatsbürgern erziehen; nicht durch Zwang, der bewirkt das Gegenteil, sondern durch Förderung in der Entwicklung ihrer nationalen Eigenart. Wie die amerikanischen Hilfsfonds in Palästina verteilt werden. Herr Felix M. Warburg, Vorsitzender des „Vereinigten Verteilungskomitees, hat kürzlich von dem früheren amerikanischen Konsul in Jerusalem, Otis A. Glazebrook, den ersten ausführlichen Bericht darüber bekommen, wie die Gesamtsumme von 688 838.23 Doll, die das Joint Distribution Committee nach Palästina überwiesen hat, ausgegeben worden ist. 64 000 Personnen mußten vollkommen au® den Hilfsgeldern unterhalten werden. Am 31. Juli 1916 war der Minimal-Betrag, der dazu gehörte, einen Menschen vor dem Hungertode zu bewahren, 1 $ monatlich, d. h. eine Summe von 64 000 $ insgesamt. Heute dagegen, durch die zunehmende Teuerung und Lebensmittelknappheit, können diese Zahlen bedeutend vervielfacht werden. Die Hilfe in Jerusalem wurde in verschiedenen Formen geleistet. Den Gesunden suchte man Arbeit zu verschaffen, indem man Arbeitgebern Darlehen gegen Sicherheit gewährte, die sie in den Stand setzten, ihre Arbeitsmöglichkeiten auiszunutzen. Besondere Hilfeleistungen gewährte man Kranken und Wöchnerinnen; ein anderes Gebiet der Hilfeleistung war die Subventionierung von Volksküchen, Krankenhäusern usw.; zu den Feiertagen, besonders zu Pessach, wurden Lebensmittel verteilt. Der Bericht wird in den amerikanischjüdischen Kreisen mit großer Befriedigung aufgenommen; diejenigen, die bisher ihre Pflichten gegen Palästina treu erfüllt haben, ohne irgend welche Beweise in Händen zu haben, daß ihre Beiträge in der von ihnen gewünschten Weise verwendet wurden, werden nach diesem nachträglich, erstatteten, sehr ausführlichen und von unparteiischer Seite stammenden Rechenschaftsbericht erkennen, daß die amerikanischen Fonds im Sinne der Spender verwaltet werden. Sie werden sich durch den Bericht aber nicht nur davon überzeugen, daß das bisher Geleistete Nutzen gebracht hat, sondern auch die Verpflichtung in sich fühlen, der palästinensischen Judenheit in der schwersten Prüfungszeit weiter treu beizustehen. Die 20. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten. Die 20. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten wurde am 24. Juni in Baltimore eröffnet. Die Verhandlungen, an denen mehr als 600 Delegierte teilnahmen, dauerten bis zum 28. und wurden yon den Juden der Vereinigten Staaten mit größtem Interesse verfolgt. Unter den Anwesenden waren Oberrichter Louis D. Brandeis, Richter Julian Mack, Richter Hugo Pam, Max Shulman, Frau Joseph Fels, beinahe alle Mitglieder des provisorischen Exekutiv- Komitees, sämtliche Mitglieder des Exekutiv-Komitees der Föderation, das Exekutiv-Komitee der „Hadassah“ usw. Im Anschluß an das von Herrn M. Scheinkin erstattete Palästina-Referat wurden folgende Palästina-Resolutionen einstimmig angenommen: „Nachdem die 20. Zionisten-Konferenz in Amerika die Berichte über die vorbereitende Arbeit für eine jüdische Kolonisation in Palästina nach dem Kriege zur Kenntnis genommen hat, erkennt sie die Notwendigkeit der sofortigen Vorbereitung für diese Arbeit an. Diese Vorbeitungen bestehen 1. in dem Sammeln von Material, 2. in der Ausarbeitung von Projekten und Plänen durch Spezialisten und Fachleute, in der Organisation derer, die nach Palästina zu emigrieren beabsichtigen oder in irgend einer anderen Weise bereit sind an der Kolonisationsarbeit in Palästina teilzunehmen. Zu diesem Zwecke empfieht die Konferenz dem P. E.-K. 1. eine besondere Abteilung zu schaffen, unter dem Namen „Das Pionier - Departement“, die eine intensive Tätigkeit entfalten soll; 2. für diesen Zweck ein Budget von nicht weniger als <£ 5.000 aufzustellen. Die Konferenz empfiehlt allen Zionisten, die ernstlich an eine Niederlassung in Palästina denken, und die sich an industriellen oder agrikulturellen Unternehmungen zu beteiligen beabsichtigen, oder die gewillt sind, praktische Versuche dort auszuüben, daß sie sich durch das „Pionier- Departement“ eintragen lassen, und daß sie bereits jetzt sich zusammenschlließen und so gründlich wie nur möglich für die große Arbeit vorbebereiten.“ Ferner wurde beschlossen: 1. Daß jeder Zionist es als seine Pflicht zu betrachten habe, hebräisch zu lernen. 2. Daß lokale Komitees in jeder Stadt zu erwählen seien, die für die Verbreitung der hebräischen Literatur zu sorgen haben. 3. Daß ein Budget von nicht weniger als £ 7.500 der Histadruth zur Verbreitung hebräischer Literatur usw. zur Verfügung gestellt werde. (Diese Resolution ist dem Exekutiv-Komitee zur Entscheidung überlassen worden.) Folgende Resolution wurde von der Konferenz dem Provisional Executive Committee zu wohlwollender Entscheidung überwiesen: „Da die Sorge für die unzähligen jüdischen Waisen nach dem Kriege eines der vitalsten nationalen Probleme des jüdischen Volkes bilden wird, wird beschlossen, daß die Föderation der amerikanischen Zionisten sofort geeignete Mittel finden solle, um sich mit diesem Problem schon jetzt zu befassen.“