Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 437 nächster Folge komme Palästina als der wichtigste Punkt. Auf diese Weise sei, den Zionisten die Möglichkeit gegeben, bei dem bevorstehenden Kongreß ihren Standpunkt ausführlich auseinanderzusetzep. Nach einer kurzen Beratung erklärten die Zionisten ihre Zustimmung zu der vorgeschlagenen Fassung. In der Plenarsitzung, die 11 Uhr abends begann, verlas der Vorsitzende die einheitlich akzeptierte Fassung des vierten Punktes. Die Versammlung, in der eine sehr gehobene Stimmung herrschte, begrüßte die Mitteilung mit lebhaftem Beifall. Namens der Zionisten erklärte Qrünbaum, daß die Zionisten ungeachtet ihrer Sicherheit, auf dem Kongreß eine große Mehrheit hinter sich zu haben, diese Redaktion akzeptiert haben; die Einigung sei eine historisch bedeutsame Tatsache. Es sei das erstemal, daß sich das gesamte russische Judentum einheitlich ohne Spaltung auf den Boden der nationalen Arbeit stelle. Namens des Bundes erklärt Rates, die Annahme der Fassung betrachte seine Partei als ein Übel, aber als ein notwendiges unter den gegenwärtigen Verhältnissen, wo es darauf ankomme, an den Aufbau des jüdischen Lebens heranzutreten. In den folgenden Sitzungen gelangte das Programm der finanziellen Organisierung des Kongresses zur Verhandlung. Der Referent der Finanzkommission berichtet, daß laut einem Voranschläge des Organisations- Komitees die Abhaltung des Kongresses Ausgaben in Höhe von, zirka einer halben Million Rubel erfordern würde. Dieses Budget solle in folgender Weise^edeckt werden; Die jüdische Bevölkerung in Petersburg und Moskau je 75 000 Rubel; Kiew und Charkow je 40 000 Rubel; Odessa, Jekaterinoslaw und Baku je 20 000 Rubel; Sibirien 15 000; das Wolgagebiet 10 000; Minsk 10 000; die anderen Provinzstädte 100 000 Rubel. Es wurde beschlossen, den Kongreß in einer der zwei russischen Residenzstädte zur Zeit der Tagung der russischen Konstituante abzuhalten. Die Wahlen zum Kongreß müssen zwei Wochen nach Eröffnung der Konstituante stattfinden. Die Wahlen in das große Organisations-Komitee für den Kongreß riefen lebhafte Debatten hervor. Schließlich wurde eine gemeinsame Liste in folgender Zusammenstellung akzeptiert: 9 Zionisten, 3 Poale-Zion, 4 Vertreter der geeinigten sozialistischen Parteien, 3 Volkspartei, 5 Bundisten, 4 ortho- Musik-Inslilul Bruno Möller, Mönchen Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber; Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Gesangs - Unterricht für Hausgebrauch, Chor, Konzert u. Bühne (Oper u. Operette, Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) Unterricht in allen praktischen und theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene. (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos. doxe Gruppe, 2 Volksgruppe, . 2 demokratische Gruppe, 2 Nationalpartei (Dubnowisten). In das Organisations-Komitee wurden außerdem folgende unparteiische Vertreter gewählt: Grusenberg, Braude, Kreinin, Ansky und der Deputierte Friedmann. Nach einer warmen Schlußansprache des präsidierenden Herrn Jakubsohn fand die feierliche Schließung der Konferenz statt. Die deutsche Orthodoxie in Polen. In einer Reihe von Artikeln hat die „Jüdische Rundschau“ das Treiben der von der jüdischen Orthodoxie in Deutschland nach Polen entsandten Rabbiner Dr. P. Kohn und Seminardirektor Dr. Carlebach gegeißelt, die ihre Stellung und ihren Einfluß benutzten, um die mächtig aufstrebende zionistische Bewegung in Polen mit allen Mitteln zu bekämpfen. Ihre ohnmächtige Wut über die Erfolge des Zionismus ging so weit, daß sie, als die zionistische Organisation das jüdische Volk in Polen aufrief, durch ein Plebiszit seine Palästina-Hoffnungen zu bekunden, im Bunde mit drei chassidischen Rabbinern alle Teilnehmer an dieser Volksabstimmung mit dem Bann bedrohten, ohne dadurch freilich eine sonderliche Wirkung zu erzielen. Unglaubliches aber leistet sich((das Organ dieser Herren, das „Jüdische Wort“ in Warschau in seinem Kampfe gegen den Zionismus. Die Geschichte des Antizionismus in allen Erdteilen der Welt hat gewiß schon manche eigenartigen Blüten hervorgebracht, über die die Geschichte einstmals ihr vernichtendes Urteil sprechen wird. Dem „Jüdischen Wort“ aber ist e? gelungen, allen diesen Erzeugnissen eines ohnmächtigen Hasses neuen Stoff hinzuzufügen. In diesem Kampf scheut sich das „Jüdische Wort“ nicht, auf die schlechtesten Instinkte seiner Leser zu pochen. Nicht anders kann es gedeutet werden, wenn das „Jüdische Wort“ in einer Reihe von Artikeln gegen die Zionisten und gegen die zionistische Organisation den Vorwurf der Unterstützung christlich-missionarischer Bestrebungen erhebt. Man traut seinen Augen nicht, wenn man etwa in Nr. 104 des „Jüdischen Wortes“ liest, daß die zionistischen Führer Juden seien, „die auf der einen Seite der Wand das Magen-David, auf der anderen das Christuskreuz, auf der einen Seite die blauweiße Fahne und auf der anderen ein Kruzifix haben.“ Wie anders soll man urteilen, wenn man verfolgt, wie das „Jüdische Wort“ fast tagtäglich, ohne Unterlaß, nun schon seit mehreren Monaten die zionistische Organisation der nutzlosen Verprassung der ihr anvertrauten Gelder zeiht und sie bezichtigt, sie würde durch heimliche Manipulationen die für bestimmte Zwecke gesammelten Summen unkontrollierbar verschwinden lassen? Wir zitieren im folgenden aus beliebig und zufällig herausgegriffenen Nummern des „Jüdischen Wortes“ (die Zahl läßt sich leicht verzehnfachen) einige Stellen: „Jüdisches Wort“ Nr. 104: „Die mit gutem Geld bezahlten (zionistischen) Rädelsführer, die sich auf Kosten der Öffentlichkeit füttern und von den bei den naiven, arglosen Juden zusammengeschnorrten Groschen einen guten Tag leben . . . .“