Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 40 (5.10.1917)
- Date
- 1917-10-05
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Das Jüdische Echo Nr. 40 ' der Revolution zu festigen. Die gesamten Ener-; gien der jüdischen Volksmassen müssen nach die- -• ser Richtung hin verwendet werden. Alle die Uto- * pisten, die in diesem verantwortlichen Moment , durch allerlei Träumereien die Köpfe verdunkeln r wollen — seien Kontre-Revolutionäre. i Der Vertreter der Zionisten, Redakteur des Petersburger „Tagblatt“, Grünbaum, betonte dem- * gegenüber, daß die Konferenz hier das Programm * des bevorstehenden Kongresses im ganzen ja doch ■ ’ nicht absoluj festsetzen könne..Der Kongreß werde ja ein freier sein und keine beschränkenden Be- ') Schlüsse werden vermögen, seine Beschlußfrei- > heit zu begrenzen. Die Aufgabe der gegenwärtigen . Konferenz sei, gewissermaßen nur Überschriften * zu geben, und da sei es erforderlich, daß diese > Überschriften möglichst breit und umfassend seien, damit sie sämtlichen jüdischen politischen Parteien die Möglichkeit geben, ihre Wünsche und : Forderungen vorzubringen. Die Zumutung des „Bundes“, ein gesundes Volk solle darauf verzichten, ein bedeutsames Problem, das seine Zukunft angeht, zu behandeln, sei absurd. Das gesamte russische Judentum’ sei mit seiner ganzen Seele * für den endgültigen Sieg der Revolution. Die Er- ' schütterung der Eroberungen der Revolution * würde die Zerstörung der nationalen Freiheiten * für die Völker Rußlands/ bedeuten. Die Versuche mancher Demagogen, den Zionisten kontrarevolu- . tionäre Absichten zuzuschieben, machen einen jämmerlichen Eindruck, und der Redner verzichte , darauf, auf diese Beschuldigungen einzugehen. Inbezug auf das jüdische Leben treibe der „Bund“ eine Verzichtpolitik und strebe nach Beschrän- - kung der nationalen Betätigung. Diese Bemühun-; gen des Bundes seien aber völlig vergebens. Das [ russische Judentum werde sich gegen eine ausschließlich kulturelle Autonomie aussprechen. Dem Kongreß-der russischen Juden falle die Aufgabe . zu,- die das seinerzeit von Napoleon ins Leben gerulene Synhedrion erfüllen sollte und leidler nicht erfüllt hat. In einer Zeit, in der alle Nationen ihre Forderungen aufstellen, wäre es eine historische Schande, wenn das jüdische Volk eine Verzicht- und Schweigepolitik proklamierte. Das, was der Vorredner Träumereien nannte, waren messianische Träumereien, die die Seele unseres .; ganzen Volkes Jahrtausende hindurch erfüllt ha- : ben, das sind jene Träumereien, die gegenwärtig v in dem politischen Zionismus ihren Ausdruck fin-; den, das sind jene Träumereien, auf denen kleine * und große Nationen ihre Existenz aufbauen und ■ für die sie einen Kampf auf Leben und Tod . ■- führen. ' - - - 1 Der Vertreter der „Volksgruppe“, Herr Slios- * berg, erklärt, daß der Punkt 4 jetzt die Grundlage V bilde, auf der die ganze Judenheit sich einigen * müsse. Nach der Befreiung der russischen Juden -4 --- ■ ■ ■ -- 1 — - sei es heiligste Pflicht, den Kampf für die Befreiung der noch rechtlos gebliebenen Juden fortzusetzen. Die Ausschaltung Palästinas vom Programm des Kongresses wäre ein unberechtigter Eingriff in dessen Rechte. Rabbiner Hellmann aus Jekaterinoslaw tritt in einer längeren Rede für ein weitgehendes Programm der jüdischen Autonomie ein. Irrtümlicherweise* bestehe in weiten Kreisen die Ansicht, die; Frage der jüdischen Autonomie sei erst'in den letzten Jahren aufgetaucht. Der Anspruch auf jüdischnationale* Autonomie bestehe bereits seit Jahrhunderten und stets habe das Judentum dafür gekämpft. Die Forderung der Ausschaltung Palästinas vom Programm eines jüdischen Kongresses' sei eine unaufrichtige, erkünstelte, die den breiten- Massen des jüdischen Volkes ganz unverständlich, ist. Der Zionist Goldstern weist das Ansinnen der Vertreter des Bundes mit Entschiedenheit zu-. rück. Er erklärt, daß die Zionisten kein Ultimatum stellen, wie es die Bundisten tun. Selbst wenn . die Konferenz beschließen würde, Palästina _ganz auszuschalten, werden die Zionisten sich an dem Kongreß beteiligen. Die Zionisten seien überzeugt; davon, daß der Kongreß in seiner überwiegenden Mehrheit die Palästina - Forderung annehmen werde. Die Rede des Herrn Goldstein machte auf die Konferenz einen tiefen Eindruck. Es kamen noch eine ganze Anzahl von Rednern aus allen politischen Parteien zu Wort, die sämtlich verlangten, daß ein modus vivendi gefunden werde, damit der . bevorstehende Kongreß die gesamte russische Judenheit vertrete. Nach zweitägigen Verhandlungen kam abends um zehn Uhr eine Delegation, bestehend aus den Herren Kreinin, Sliosberg, Lazki-Bartholdy und Rabbiner Hellmann in das Fraktionszimmer der Zionisten. Die Delegation erklärte, daß eine Beratung sämtlicher nichtzionistischer Vertreter sich auf folgendes Programm geeinigt habe: In das Programm des Kongresses wird die Frage der Garantie der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden aufgenommen: a) im nunmehr als unabhängig erklärten Polen, b) in Palästina, c) in Rumänien. Die Delegation wies auf die große Bedeutung, der Konzession hin, die in diesem Punkte von Seiten der Bundisten gemacht werde, die ihre gestrigen Ultimaten zurückgenommen hätten, und richtete an die Zionisten die dringende Bitte, diese Redaktion zu akkzeptieren., Die Herren Sliosberg und Kreinin fügten hinzu, daß Polen deswegen an erster Steile genannt sei, weil die russische Judenheit die polnischen Juden noch als einen untrennbaren Teil der russischen Judenheit betrachte. In; Die „WIRKLICHKEIT” Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. k„i GrafHv?Ä":»änoien. Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich s»gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu nehmen wie sie sind, den Sinn für das geschichtlich (gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. 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