Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 38 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- Seite 420 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Das Jüdische Echo Nr. 38 selbständige jüdische Industrielle suchen durch feste Vereinigungen eine Wirkung auf den Marktpreis auszuüben, ihr Handwerk zu vervollkommnen und auch die ökonomische und kulturelle Lage ihrer Arbeiter tunlichst zu verbessern. Die schwere und unsichere Lage des jüdischen Handwerks, der ungeheuere Druck der inneren und äußeren Konkurrenz raubte den jüdischen Handwerkern vielfach die Begeisterung für höhere Ideale und gesellschaftliche Probleme, verdunkelte ihr politisches Bewußtsein und hinderte ihre parteipolitische Organisierung. Die sozialen Kämpfe werden aber immer schärfer und durch die gewährte Freiheit noch intensiver als bisher sich gestalten. Der jüdische Handwerker und Kleinhändler wird unwillkürlich in das gesellschaftliche und politsiche Leben des Landes hineingezogen, und schon zum eigenen Schutz wird er gezwungen sein, einer ökonomischen, professionellen und entsprechenden politischen Vereinigung sich anzuschließen. Eine nicht geringe Rolle wird bei diesem Prozeß der jüdische Mittelstand spielen, der den freiheitllich demokratischen Grundsätzen zustrebend, sich der jüdischen Arbeitermasse nähern wird. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, daß während die jüdische Großbourgeosie eine starke assimilatorische Tendenz aufweist und das jüdische Proletariat zwischen dem jüdischen Nationalgedanken und dem internationalen Klassenbewußtsein hin und her schwankt, — die kleinbürgerliche jüdische Masse die eigentliche Trägerin des jüdisch nationalen Gefühls ist, wenn auch in einer unklaren Gestalt. Die jüdischen Kleinbürger sind immer noch die Pioniere der historisch-lebendigen Kultur, wenn auch in veralteter Form. „Volksblatt“. Welt-Echo Der finnische Landtag hat am 26. Juli den Wortlaut einer Denkschrift angenommen, durch die der provisorischen Regierung Rußlands der kürzlich gefaßte Beschluß des Landtags über die Verfassungsänderung zur Kenntnis gebracht wird. Die Denkschrift enthält folgende Sätze: „Der Landtag Finnlands wünscht nicht die Rechte russischer Bürger und russischer Institute in Finnland zu beeinträchtigen. Vielmehr beabsichtigt 4er Landtag, beim ersten Anlaß die von ihm früher angenommenen Gesetze zu bestätigen und in Kraft zu setzen, die den russischen Bürgern in Finnland die nämlichen Rechte gewähren, die den finnischen Bürgern zustehen, sowohl in der Gemeindeverwaltung wie im Gewerbe, ebenso die Gesetze, die die bestehenden besonderen Gesetze gegenüber Juden aufheben“. Die Denkschrift ist im Namen des Landtags von K. Männer, vom Talman (Präsidenten) L. Ingmann und vom Vize-Talmann W. Jukinen unterzeichnet. Das russisch-jüdische Proletariat. Die beiden Parteien jüdischer sozialistischer Arbeiter Rußlands, nämlich die zionistischen Sozialisten und die jüdische sozialistische Arbeiterpartei, haben sich zu einer vereinigten jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei verschmolzen. Die neue Gruppe bleibt den Grundsätzen des internationalen Sozialismus treu und organisiert in Rußland den wirtschaftspolitischen Kampf der jüdischen Arbeiterklasse. Sie besitzt ihre Vertreter im Sovjet und im Rate des Generalsyndikats der russischen Arbeiter, ferner im ukrainischen Zentralkomitee und im ukrainischen Generalsekretariate. Diese vereinigte Partei zählt bereits 12 000 Mitglieder; sie gibt in Kiew ein Zentralorgan und außerdem sieben Provinzzeitungen heraus. Bei den gegenwärtigen städtischen Wahlen bildete sie einen Block mit den anderen sozialistischen Gruppen und verzeichnete 75 Gewählte. Diese werden einen Bericht und Vertreter zur Stockholmer Konferenz entsenden. In politischer Beziehung steht sie auf Seiten Kerenskis, der damit seinerseits dem Programm der jüdischen Arbeiterpartei Englands beitritt, die Palästina für die Juden fordert. Tagung der zionistischen Organisation. Anfang August fanden in Kopenhagen eine Reihe von Sitzungen des Engeren Aktions-Komitees statt. Das Engere Aktions-Komitee hat die Lage und die Tätigkeit der zionistischen Organisation in verschiedenen Ländern eingehend besprochen und über die in einzelnen Landesverbänden entstandenen Fragen beraten. Mit großer Freude wurden hierbei die Emanzipation der Juden in Rußland, -die von weittragender Bedeutung für das gesamte jüdische Volk und sein Befreiungswerk in Palästina ist, sowie die großartige Entwicklung der zionistischen Arbeit in den Vereinigten Staaten und der mit ihr eng verknüpften Kongreßbewegung vom Engeren Aktions-Komitee begrüßt. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Lage in Palästina, speziell den durch die Evakuation Jaffas geschaffenen Verhältnissen gewidmet. Das Engere Aktions-Komitee hat ferner die allgemeine politische Situation besprochen und die erforderlichen Schritte erwogen, die der Organisation nach Ende des Krieges die Möglichkeit verschaffen sollen, an großzügige Arbeit zur Realisation des Volksstrebens nach Palästina heranzutreten. Einstimmig sind dabei die Richtlinien für die weitere Arbeit in verschiedenen Ländern festgestellt worden. Das Engere Aktions-Komitee befaßte sich schließlich mit einer Reihe konkreter Fragen, die die laufenden Aufgaben der Organisation, sowie die Tätigkeit einzelner zionistischer Institutionen betreffen. gi£XS><&JCS>GX£)QX£>GX£>$<i>X£>GX£)j$(2X£)<3X2>GX£>GX9$ 1 tKgf. ‘Bayer, m* ‘Porzetfan* § 1 \TKanufaktur ‘Rympßenburg 1 % fäauptniederlage ffllünchen: Qdeonspfafi 1 y lKunstu. Quxusg egenstände, Reifetbessert*, H (Kaffee* u. Teegeschirre, Figuren, Gruppen etc. Bnacä alten Hympfienburger Origin al- IKo de [len. Außerdem neue Formen und Flodetfe nach <Snt* A würfen erster FKünchner tKünstfer. Y. literarisches Echo Historische Miniaturen von August St r i n d - berg. (Georg Müller Verlag München). Wir haben in Erinnerung an das Jahrhundert, das — anfangend mit Walter Scott und übergehend zu Gust. Freytag. Felix Dahn, Ebers, Ernst Eckstein und ungezählten andren — uns mit einer Flut historischer Romane überschüttete, ein geheimes Grauen vor dieser Dichtungsart behalten. Wir schämen uns heute einer Vergangenheit, in der man in seinem Bedürfnis nach Romantik Werke schuf, die ebenso verlogen und stilwidrig waren wie die künstlichen Ruinen, die sich hier und da in un-