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Das jüdische Echo · 1917-09-21 · 38 (21.9.1917) · p. Seite 417

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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Die Leiter der Bewegung selbst haben seit Jahren stets mit Palästina als mit einer der Türkei gehörigen Provinz gerechnet, über deren ferneres Schicksal allein die türkische Regierung zu entscheiden habe. Durch den Krieg hat die ganze Sachlage sich verschoben, die englische Regierung scheint entschlossen, Palästina zu erobern und ein selbständiges jüdisches Gemeinwesen daraus zu machen. Die übrigen Ententestaaten wollen sie bei diesem Unternehmen offenbar unterstützen, wobei selbstverständlich nicht nur unfeig/ennützige, sondern auch politische Beweggründe mitspielen. Der Zionismus begrüßt es, wenn die Öffentlichkeit und die Regierungen ihm Wohlwollen bekunden. Aber er kann nicht herbeiwünschen oder fördern wollen, was gegen das Interesse der Türkei geht. Im Gegenteil ist er nach wie vor darauf bedacht, seine Wünsche im Rahmen des türkischen Staatswesens zu verwirklichen, das von der jüdischen Besiedelung Palästinas große wirtschaftliche Vorteile haben würde, aus denen auch der Bundesgenosse Deutschland Nutzen ziehen könnte. Der Redner betonte, daß die deutsche Judenheit von jeher eine führende Stellung im Judentum eingenommen hat und diese nur dann auch in Zukunft behaupten kann» wenn sie in der wichtigen Entscheidung über den Fortbestand des Judentums, den die Besiedlung Palästinas verbürgt, in Deutschland ebenso deutlich und kräftig ihre Forderungen vor trägt, wie es die Juden der Ententeländer tun, die sich nach dem Vorbild der amerikanischen Kongreßbewegung überall zusammenschließen, um ihren Wünschen Ausdruck zu verschaffen. Tut die deutsche Judenheit das nicht, so hat sie ihre Bedeutung für die jüdische Geschichte verloren. Zum Schluß sprach Herr Lichtheim seine Hoffnung aus, daß sich bei der kommenden Entscheidung das Judentum in seinen Forderungen einig erweisen werde. Die russischen Juden in England. Die Frage der Dienstpflicht der Russen in England ist entschieden. Ein Abkommen, das die Unterschriften des russischen Ministers für auswärtige Angelegenheiten Tereschtschenkos und des englischen Botschafters Buchanan in Petersburg trägt, verpflichtet die Russen in England (vice versa die Englischen Bürger in Rußland) zur Erfüllung der Dienstpflicht in der englischen Armee oder zur Rückkehr nach Rußland. Am 9. August lief der Termin ab, bis zu dem man sich zur Rückkehr nach Rußland melden konnte. Die Russen in England slind' mit der getroffenen Vereinbarung nicht sonderlich zufrieden, da sie nur den Dienstpflichtigen, aber nicht auch ihren Familien die Rückkehr nach Rußland zugesteht. In mehreren Massenversammlungen haben die Russen gegen die Konvention aus diesem Grunde entschiedenen Protest erhoben. Die Foreign Jews Protection Society erklärte in einer Resolution, daß sie gegen die Dienstpflicht der Russen in England so feindlich gesinnt sei, daß man auf einen langen und entschiedenen Widerstand gegen jeden Versuch seitens der englischen Regierung, die Konvention (mit der russischen Regierung) durchzuführen, rechnen müsse. Auch eine parlamentarische Aktion zeitigte kein Ergebnis. Auf eine Interpellation des Abgeordneten Joseph King erwiderte Macpherson, namens des Kriegsministeriums, daß das Interesse des Landes ihm verbiete, Einzelheiten über die Tranportmöglichkeiten nach Rußland mitzuteilen. Die Heftigkeit des Widerstandes der Russen nahm inzwischen ab. Die Überzeugung, daß die Durchführung der englisch-russischen Konvention nicht zu verhindern sei, brach sich immer mehr Bahn. In einer Konferenz der Organisationen, welche russische Bürger vertreten, wurde beschlossen, alle Verhandlungen über die mit der Dienstpflicht der Russen in England zusammenhängenden Fragen mit der russischen Regierung zu führen, sich an diese behufs Versorgung der in England zurückbleibenden Angehörigen zu wenden und um Verlängerung des Termins einzukommen, der dem russisch-englischen Vertrage Gesetzeskraft gebe. Auch beschloß die Konferenz von der Veranstaltung von Demonstrationen und Protestversammlungen abzusehen, da sie die Interessen der Russen in England nur gefährdeten. Man verwies in der Konferenz auf die kritische Lage in Rußland, auf den Streit, den Rußland gegen die Anarchie und die drohende Gegenrevolution führe und auf die Notwendigkeit, die russische Regierung mit aller Macht in ihrem Bestreben zu unterstützen, Rußland und seine Freiheit zu retten. Eine Deputation sprach bei den vier Vertretern des Sovjet vor, die in London weilen und erwirkte ihre Zusage, die russische Regierung telegraphisch zu ersuchen, die Heimreise auch der Familien der nach Rußland einrückenden Dienstpflichtigen zu erlauben. Es ist wenig wahrscheinlich, daß dieser Bitte entsprochen werden wird. Die Frage der Dienstpflicht der russischen Juden hat in den letzten beiden Jahren in steigendem Maße die^englische Öffentlichkeit beschäftigt. Die große Anzahl dienstfreier russischer Juden löste in der engl. Volksmasse und der Northdiffe-Presse starke antisemitische Stimmungen aus, während die Versuche, sie ohne gesetzliche Grundlagen zum Eintritt in die englische Armee zu veranlassen, an dem entschiedenen Widerstand der Russen und englischer Freiheitsfreunde wie Lord Mnslk-Inslilnl Bruno Müller, München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke, Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Gesangs - Unterricht für Hausgebrauch, Chor, Konzert u. Bühne (Oper u. Operette, Klavier, Violine, Orgel Cello usw.) Unterricht in allen praktischen und theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene. (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos. m t J

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