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Das jüdische Echo · 1917-09-21 · 38 (21.9.1917) · p. Seite 416

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 416 (sequence 4)
Language
German
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416 Das Jüdische Echo Nr. 38 g) Regelung der Weltproduktion. In dieses Gebiet gehören: 1. Verhinderung von Wirtschaftskriegen und wirtschaftspolitische Annäherung der Staaten durch Abbau von Zoll- und Verkehrsschranken, bei gleichzeitigem Schutz des Produktionsfortschrittes in einzelnen Gebieten und ohne Einschränkung der ökonomischen Freiheit der einzelnen Länder. 2. Wahrung der Freiheit der Einwanderung in allen Ländern und Regelung der Kolonisation in jungfräulichen oder dünnbevölkerten Gebieten im Einvernehmen mit den Ländern der Aus- und Einwanderung. 3. Kontrolle der kolonialen Verwaltung der einzelnen Staaten im Interesse des Aufstiegs der eingeborenen Bevölkerung zur Selbstverwaltung und der Förderung der Produktion. 4. Wirksame Durchführung der Grundsätze der offenen Tür und des Freihandels in den Kolonien, die im Friedensvertrag zu garantieren sind, und nötigenfalls Kontingentierung der unentbehrlichen Rohstoffzufuhren im Einklang mit den Bedürfnissen und der industriellen Entwicklung der verbrauchenden Länder. II. Selbstbestimmungsrecht der Nationen. Dieser Grundsatz bedeutet: 1. Die Verwirklichung des Rechtes jeder Nation bezw. jedes Volksstammes auf Einheit und demokratische Selbstregierung. Dazu gehört: a) Wiederherstellung von Belgien, Serbien und Montenegro, Rumänien. b) Vereinigung und Unabhängigkeit von Polen, und zwar soll das neue Pollen gemäß den Erklärungen der ukrainischen und tschechischen Delegation die Gebiete umfassen, wo die Polen die Mehrheit der Bevölkerung bilden. c) Bezüglich der Armenier, Ukrainer und Tschechen schließen wir uns den Forderungen der armenischen resp. ukrainischen und tschechoslavischen Delegation an. d) Die Verwandlung von Rußland, Österreich- Ungarn und der Türkei in Nationalitäten-Bundesstaaten, d. h. in Förderationen ethnographisch abgegrenzter Selbstverwaltungsgebiete. 2. Die Verbürgung des Rechtes jeder nationalen Minderheit auf Erhaltung und Entwicklung ihrer nationalen Eigenart und Selbstverwaltung in nationalen Angelegenheiten. 3. Die Entscheidung über die staatliche Zugehörigkeit umstrittener Gebiete auf Grund einer Urabstimmung der Bevölkerung unter internationaler Kontrolle (so Elsaß-Lothringen). 4. Die förderative Verbindung von Staaten zwecks Verwirklichung des Strebens nach nationaler Einheit von Nationsteilen, die in diesen Staaten leben, sowie Förderung und Verständigung zwecks Befriedigung wirtschaftlicher Lebensinteressen der beteiligten Völker (wie des freien Zugangs zur See und zu den internationalen Verkehrsstraßen und Märkten). So Balkan- Bund. III. Unsere jüdische Forderungen. In Anwendung obiger Grundsätze auf das jüdische Volk fordern wir: 1. Volle bürgerliche Gleichberechtigung für die Juden aller Länder. Gleiche Behandlung der jüdischen Bevölkerung der vom Krieg heimgesuchten Gebiete bei ihrem Wiederaufbau. 2. Freiheit der Einwanderung und Ansiedlung der Juden in allen Ländern. 3. Nationale Selbstverwaltung (auf Grund des Personal-Prinzips), und nationale Gleichberechtigung in Staat, Provinz und Gemeinde für die Juden in den Ländern jüdischer Massensiedlung. 4. Sicherung der unbehinderten kolonisatorischen Betätigung der Juden, die auf die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina gerichtet ist. Hiefür ist notwendig: a) Die Beseitigung aller die Freiheit zur Einwanderung und Kolonisation der Juden beschränkenden Maßnahmen, weitgehende Erleichterung der Naturalisation und freie Wirksamkeit der Institutionen für die Zwecke der jüdischen Kolonisation. b) Die Schaffung von modernen, demokratischen Rechtsverhältnissen, sozialpolitische Maßnahmen für die Entwicklung der Produktivkräfte des Landes, ferner die Gewährung von wirtschaftlichen Erleichterungen und Bürgschaften zur Förderung der Kolonisation, vor allem die Verwendung von herrenlosen und staatlichen Ländereien, sowie der Latifundien so.wohl zur Ansiedlung von Einwanderern, wie für die bodenlose bez^. landarme ackerbautreibende Bevölkerung des Landes. c) Die Verwandlung Palästinas in ein eigenes Selbstverwaltungsgebiet und administrative Vereinheitlichung des Landes. d) Die nationale Autonomie für die jüdische Bevölkerung in Palästina. Die Durchführung aller obigen Forderungen soll international garantiert werden. Ein zionistisches Resume. Vor einem teils zionistischen, teils nichtzionistischen Publikum sprach am 13. September im „Bayerischen Hof“ Herr Richard L i c h t h e i m, der Vertreter des zionistischen Aktionskomitees in Konstantinopel. Herr Lichtheim gab zunächst einen Rückblick auf die Entwickelung der zionistischen Bewegung und ging dabei auf die Angriffe ein, die von Anfang an auf sie unternommen worden sind. In religiöser Beziehung, in der orthodoxe Kreise eine Stellungnahme von der Organisation forderten, durfte diese sich auf keine bestimmte Richtung festlegen, sondern allen Strömungen im Judentum Gelegenheit zur Mitarbeit geben. Das Verhältnis des einzelnen Juden zu seinem Wohnlande hat der Zionismus keineswegs zu lockern versucht, sondern jederzeit die Werte anerkannt, die das jüdische Individuum der Kultur seiner Umwelt zu verdanken hat; doch mußte er selbstverständlich den Begriff der einheitlichen jüdischen Nationalität betonen, der sich freilich von dem Nationalitätsbegriff anderer Völker wesentlich unterscheidet. Der Vorwurf, mangelnder positiver Leistungen in Palästina ist ganz unberechtigt, denn tatsächlich ist alles was in den letzten Jahrzehnten in Palästina geschaffen wurde, ein direktes oder indirektes Ergebnis der neuen Zionsbewegung gewesen. Herr Lichtheim berichtete dann über seine Tätigkeit in Konstantinopel, wies auf die Schwierigkeiten hin, die in der jetzigen Situation liegen und konnte seiner Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß es trotz dieser Schwierigkeiten, trotz

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