Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 411 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 411 kratzen, und warfen sie, als die Erscheinung des Kindleins nicht weichen wolle, in einen Backofen, Aber auch hier blieben dieselben unversehrt, denn „Qott, der diese Welt behalt, dem schadet weder heiß noch kalt.“ Nach diesem legten die Frevler das Sakrament auf einen Amboß und schlugen mit Hämmern darauf, allein ebenso vergeblich. Hierauf wollten die Juden die Himmelsspeise „in ihrem höllischen Rachen verschlucken“ (Ausdruck des Wallfahrtsbüchleins), aber auf den Hostien erhob sich jetzt wieder dasselbe Knäblein und verhinderte das weitere, „denn dieses Brod,“ sagt die sechste Kirchentafel, „gehört nit vor die Hund.“ In diesem Augenblick nun erschien vor den Missetätern die heilige Jungfrau Maria mit großem Leid und sprach: „Ihr falschen Juden blind, wie martert ihr mir mein Kind!“ Mit ihr kam eine Engelschar, „ein Licht schön, lauter und auch klar.“ Zur selben Zeit ging aber ein Wächter vor das Haus, hörte Mariens große Klage „die lange Nacht bis an den Tag“, und erstattete sofort den Herren im Rate Meldung. „Diese gingen mit ihm dar. der Juden Mord (d. h. der Mord, den die Juden an dem Sakrament verübt) ward offenbar.“ Es scheinen also die Klagen Mariä so vernehmlich, bestimmt und erschöpfend gelautet zu haben, daß eine weitere Beweiserhebung nicht für nötig erachtet wurde. Von einer Untersuchung ist nämlich gar keine Rede, und auch die sonst unvermeidliche Folter scheint den Juden zu Deggendorf geschenkt worden zu sein. Zunächst berichtet nun das Lied, etwas nachzügelnd: die Juden hätten ketzerliches Gift in die Brunnen geworfen, und der Christen viele seien gäben Todes daran gestorben. Diese Stelle ist sehr schlecht gestellt, denn da der Juden Schandtat schon offenbar geworden, so ist nicht anzunehmen, daß man ihnen noch Zeit gelassen, andere Frevel zu begehen. Doch ist diese Angabe eigentlich ein Faden, durch welchen die Begebenheit mit dem schwarzen Tod, der jedoch erst 1348 seinen Umgang hielt, in Verbindung gebracht werden soll. Nun aber sammelten sich die Wissenden, fünfzig Mann stark, in der Kirche zu Schädling, einem Dorf zunächst an der Stadt, und schworen zusammen wie die im Grütli: sich in keiner Not zu trennen und Gefahr. Und wenn man am frühen Morgen zu St. Martin läute, so sollen alle bereit sein, über „die falsche Jüdischeit“ herzufallen. Als „Herr Hartmann, von Natterberg genannt, Pfleger der Stadt und auf dem Land“2) diese Mär vernahm, beeilte er sich, den Bürgern mit seinem „Heere“ zu Hilfe zu kommen. Die Juden setzten sich zur Wehr, unterlagen aber zuletzt,3) und man verbrannte sofort ihr 2) Dieser Hartmann ist insofern historisch, als er eigentlich Hartwig von Degenberg hieß und damals Pfleger zu Deggendorf war. Natternberg ist ein nahe gelegenes altes Schloß und Pflegamt, welches damals Konrad von Puchperg verwaltete. Landrichter zu Deggendorf war um jene Zeit Konrad von Freiberg, welcher auch noch erwähnt werden wird. Im Jahre 1341 bestätigte übrigens Ludwig der Bayer den Hartwig von Degenberg als Erbhofmeister in Niederbayern — ein deutliches Zeichen, daß dieser durch das Deggendorfer Stücklein an öffentlichem Ansehen nicht eingebüßt hatte. 3) Die Zahl der Ermordeten gibt der Volksmund jetzt zu vierhundert an, unbekümmert darum, daß nach der Legende höchstens ein halbes Dutzend sich an dem Frevel beteiligt haben, und die übrigen 394 sohin als unschuldige Opfer gefallen sein müßten. In einer gewissen Harmonie mit jener Hof- Bürsten Fabrikant Schäfflerstr. 5 Nordendstr. 17 Nr. Fernruf: 2 'T 2 Rauchen Sie Zigaretten Gisela Sdiimmel München Werkstätten für feine Damen-Moden Linüwurmslrafißl Ecke Sendlingertorpl. Tel. 52754 ^fervIetfäiHqungs* äSchreib-Anslair o 'BLITZ Ver’viei6Änfgvmgen Diktate in ^ausser Haus Stenoqpamme /^toscni-tfien flotQi Königshof Graphologie aus der Handschrift Einzusendendes Material: zwanglos geschriebenes Schriftstück, a. I. Brieffragment ca. 20 Zeilen. Charakterskizze: 1 Mark Charakterbild: 2 Mark Rückporto beil. L. Reimer, Graphologe München, Kanlbachstraße 22a Dissertationen Werke Zeitschriften in Hand-u. Maschine«, satz liefert rasch ».billig Buchdruckerei B. Heller, MÜNcheN Herzog«Maxstr.4 29010101310200