Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 410 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Das Jüdische Echo Nr. 37 der Tagung eine Resolution zur Annahme vorgelegt werden. Die Beschlüsse der Versammlung werden der holländischen Regierung mit dem Ersuchen zur Kenntnis gebracht werden, sie auf der Friedenskonferenz zur Sprache zu bringen. (JAK) Das jüdische Regiment. Die englische Regierung hat den Plan eines jüdischen Regiments aufgegeben. Die Juden werden zu Bataillonen zusammengefaßt, die verschiedenen Divisionen zugeteilt und die Abzeichen ihrer Divisionen tragen werden. Gelegentlich der Anwesenheit Rosstanows und Smirnows, der Vertreter des russischen Arbeiter- und Soldatenrates, in London, wurde eine jüdische Arbeiterversammlung einberufen, auf der gegen die Gründung besonderer jüdischer Einheiten protestiert und eine Resolution angenommen wurde, die besagt, daß die russischen Juden in England nicht gezwungen werden dürfen, gegen die nationalen Interessen des jüdischen Volkes und die von Rußland proklamierten Freiheiten in eigene jüdische Regimenter eingereiht zu werden. Die Palästinakoinmission der amerikanischen Regierung. Die amerikanische Palästinakommission ist unter Leitung des ehemaligen Botschafters in Konstantinopel, Henry Morgenthau, in Paris eingetroffen. Angesichts der Schwierigkeiten, jetzt eine Reise nach Ägypten zu unternehmen, wird sich die Kommission auf ihre politische Mission beschränken. Die Kommission wird sich nach Beendigung ihrer vertraulichen politischen Besprechungen in Paris zur Fortsetzung ihrer Unterhandlungen nach London begeben. (JAK.) Feuilleton Das Dcggcndorfcr Wunder. Alljährlich wallfahrten christliche Pilger zu der Kirche zum heiligen Grab in Deggendorf, wo auf zwölf Tafeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts die Geschichte vom „Deggendorfer Wunder“ dargestellt ist. Es ist lohnend, sich klarzumachen, was es mit diesen Wallfahrten zum Deggendorfer Wunder im 20. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung auf sich hat. In seinen „Altbayerischen Kulturbildern“ erzählt Ludwig Steub über die Legende folgendes: Die Chronisten erwähnen die Begebenheit nur kurz. Ihr Ausdruck ist ungefähr: In diesem Jahr (1338) wurde Christi Leib, welchen die Juden gemartert, zu Deggendorf gefunden, und sind diese deshalb im nächsten Jahr verbrannt worden.1) Eine andere sehr gedrängte Erwähnung der Ge- Q Siehe Oefele, Rerum boicarum scriptores, Bd. II. S. 341. Hoc anno (1337) inventum est Corpus dominicum in Teggendorf, quod maryriza, verunt ibidem Judaei, qui propter eandem causam fuerunt cremat 1338 — und dann im folgenschichte gibt eine Inschrift auf einem Pfeiler der Grabkirche, welche lautet: „Anno D. 1337 des nächsten Tages nach St. Michels Tag, do wurden die Jiiden erschlagen, die Stat sie anzunden, do wart Gottes Leichnam funden, daz sahend Frauen und Man, do hueb man daz Gotshaus zu bauen an.“ Diese Inschrift ist, wie man sieht, sehr lapidar. Sie läßt nicht einmal mit Sicherheit annehmen, ob der Auffindung der Hostien ein Frevel der Juden vorausging, oder ob sie nur zufällig mit der Erschlagung derselben zusammentraf. Von einem authentischen und umfassenden Bericht aus gleicher Zeit ist leider nicht die Rede. Die erste ausführliche Quelle ist ein altes Gedicht oder Lied, das etwa am Anfang des sechzehnten Jahrhunderts gedruckt, aber doch schon etliche Jahrzehnte früher niedergeschrieben sein mag. Es scheint nur noch ein einziges Exemplar vorhanden zu sein, welches sich auf der Universitätsbibliothek zu München findet. Nach diesem ist mit wenigen Abweichungen und einigen Auslassungen ein etwas späterer Text gebildet, welchen R. v. Liliencron in den historischen Volksliedern der Deutschen — Leipzig 1865 — mitteilt. Wenn wir nun diesem Liede glauben wollen, so verlief die Geschichte wie folgt: Ein Jude versprach einem Christenweib viele Pfennige, wenn sie ihm zum Ostertag das Sakrament bringen würde. Die Frau stahl deswegen das Sakrament und brachte es den falschen Juden. Diese durchstachen es mit einer Ahle, worauf das rosenfarbene Blut hervordrang, und auf dem Brod ein Kind erstand — „der sakramentalische Gott in Gestalt eines holdseligen Knäbleins“ nach der blühenden Diktion des Kollmannschen Wallfahrtsbüchleins, welches übrigens auch wissen will, „daß das helle Blut von den heiligen Hostien in der Juden verwegene Angesichter spritzte und auf dem Tisch herumrann.“ Es ist auffallend, daß die sonst so abergläubischen Juden über dieses Phänomen, das selbst einen hartgesottnen Freigeist stutzig machen müßte, gar nicht bedenklich wurden, denn bei andern Fabulisten, wie z. B. Valentinus Leuchtius in Speculo miraculorum, befällt die Juden in Breslau, was sehr begreiflich, schon bei dem Bluterguß der Hostien »großes Zittern, hefftige Forcht und unmenschlicher Schrecken“. Auch die Juden zu Brüssel „sein darüber so sehr forchtsam und hefftig erschrocken, daß sie hinder sich zur Erden gefallen.“ Indessen die gesunde Luft des bayerischen Waldes scheint damals auch die Nerven der „grimmigen“ Juden von Deggendorf gestärkt zu haben, denn sie gingen unerschrocken vorwärts, suchten nun, als wenn noch gar nichts passiert, die Hostien mit einem Hagedorn zu zerden Jahr wiederholend: Cremati sunt Judaei in Straubing et in Teggendorf. (In Straubing war nämlich damals auch eine Judenmetzelei.) Dies scheint unter den vorhandenen Aufzeichnungen die älteste, sie ist aber auch nicht gleichzeitig. Die übrigen, I. 372, 518, II. 507 geben fast dieselben Worte, und ist wohl nur eine von der andern abgeschrieben. Bankgeschäft München, Residenzsfraße 3 ___(Eingang Hofgraben) Tel. 27946 Erledigung aller ins Bankfach einschlägigen Geschäfte FREY&