Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 409 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 409 Münchener Juden in vielen Beziehungen von derjenigen der Münchener Bevölkerung abweicht, daß aber auch innerhalb der Münchener Judenschaft die verschiedene Gebürtigkeit Verschiedenheiten in der beruflichen Struktur zum Vorschein bringt. Die Gründe sind ebenfalls aus unserer Darstellung ersichtlich. Hier, wo wir zum Schlüsse eilen, können wir davon absehen, die Gründe der ersteren Erscheinung zu rekapitulieren, besonders da sie schon öfters bei Vergleichen der beruflichen Verhältnisse der jüdischen und der Gesamtbevölkerung in Deutschland behandelt worden sind. Nur auf die vielfachen Zeichen beruflicher Assimilation der Juden an die Gesamtbevölkerung, wie sie namentlich in unserem ersten Artikel hervortreten (Verschiebung des Verhältnisses zwischen Handel und Industrie zu Gunsten der Industrie, des Verhältnisses zwischen Selbständigen und Unselbständigen zu Gunsten der letzteren Ziffer, wachsende Bedeutung der freien Berufe) sei nochmals hingewiesen. Das starke Hervortreten der Rentner Schicht bei den Münchener Juden deutet auf durchschnittliche Wohlhabenheit hin. die große Zahl von Studierenden und Angehörigen der freien Berufe auf dieselbe Ursache, aber auch auf den traditionellen Intellektualismus der Juden, sie hat aber auch eine lokale Ursache in dem Charakter der Stadt als Bildungszentrum. Die spezielle Zusammensetzung der jüdischen Kaufmannschaft, die hier zum ersten Male für eine größere Stadt statistisch erhoben worden ist, deutet auf Momente der Integration, auch aber, und zwar ganz besonders der Differenzierung hin, deren Ursachen einer näheren Erforschung würdig wären. Was die zweite oben hervorgehobene Erscheinung betnifft, so zeigt sie sich besonders darin, daß bei den ausländischen Juden in München die gewerbliche Betätigung stärker hervortritt als bei den in Deutschland Geborenen, die freien Berufe dagegen mehr zurücktreten. Die Ursache ist die Art der Berufstätigkeit der osteuropäischen Juden, die die Hauptmasse der ausländischen Juden ausmachen, in ihren Geburtsländern, ferner ihre geringere Wohlhabenheit. Aber auch durch ihre starke Betonung gewisser Berufszweige, in der Industrie, und auch beim Handel, bringen die ausländischen Juden gewisse Besonderheiten in die berufliche Struktur der Münchener Juden, wie sich nicht nur aus dem zweiten, sondern auch schon aus dem ersten Artikel ergibt. Es erübrigt, hier noch einmal darauf einzugehen. Der vorwiegend proletarische Charakter der jüdischen Einwanderungsbevölkerung zeigt sich auch in ihrer sozialen Stellung. Für die Statistik der Juden als Wissenschaft aber ergibt sich die Schlußfolgerung, wie fruchtbringend es ist, wenn nicht nur die beruflichen Verhältnisse der Juden in einzelnen Ländern untersucht werden, sondern auch auf die nächstniedere geographische Einheit, die Gemeinde, und zwar zunächst auf die großen Städte herabgegangen wird. Was der Forscher dabei an Umfang des Materials einbüßt, das kann er leicht durch liebevollere Erfassung der Details wieder hereiinbringen. Welt-Echo Die Herbstleiertage in den Kriegsgefangenenlagern. Durch Verfügung des Kriegsministeriums an die heimatlichen Dienststellen und die Feldstellen ist für die_Begehung, der jüdischen Herbstfeiertage in den Kriegsgefangenenlagern wie im vorigen Jahre folgendes festgesetzt worden: 1. Am Versöhnungstage: Befreiung von jedem Dienst. 2. Am 1. Neujahrstag, sowie am 1. und 8. Tage des Laubhüttenfestes: Befreiung vom inneren Dienst, soweit die dienstlichen Verhältnisse es irgendwie zulassen, und auf Wunsch von sonstiger Arbeit. 3. An den genannten vier Feiertagen Abhaltung gemeinsamen Gottesdienstes im Lager. Für die auf A u ß e n a r b e i t befindlichen Kriegsgefangenen konnte mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage nur für den V e r s ö hnungst a g das Recht auf Teilnahme an den gottesdienstlichen Veranstaltungen am Arbeitsorte selbst bewilligt werden. Die Herbstfeiertage in der deutschen Marine. Der Staatssekretär des Reichsmarineamtes hat an die in Betracht kommenden Dienststellen der Marine unter Nr. A. I. b 10 032 eine Verfügung erlassen, durch welche in gleichem Sinne wie durch den bereits veröffentlichten kriegsministeriellen Erlaß auch für die jüdischen Marine mannsehaften die Begehung der Herbstfeiertage durch Urlaub, Dienstbefreiung und Gottesdienst geregelt wird. An der philosophischen Fakultät der Universität Berlin promovierte ein junger Mann aus Palästina, Nathan Honig, mit einer Untersuchung über die Stellung Konstantinopels im Welthandel und Weltverkehr. Esrogim und Lulawim. Wie die Einfuhrstelle für Zedern und Palmen mitteilt, hat die italienische Regierung ein Ausfuhrverbot für Palmen, soweit diese für die Zwecke der israelitischen Gemeinden in Deutschland und Österreich-Ungarn gebraucht werden, erlassen, und es ist bisher nicht gelungen, die Aufhebung dieser Verfügung, für die bei dem rein religiösen Charakter des Lulawimgebrauchs keinerlei Grund vorliegt, zu erwirken. Allerdings bleibt zu hoffen, d'aß die nach dieser Richtung von neutraler Seite unternommenen Bemühungen, welche fortgesetzt werden, in letzter Stunde zu einem Erfolge führen werden; jedoch ist darauf keineswegs mit Sicherheit zu rechnen. Man wird daher die Möglichkeit ins Auge zu fassen haben, daß weite Kreise sich mit trockenen Lulawim behelfen müssen. — Bei der Esrogimversorgung wird in diesem Jahre fast ausschließlich die palästinensische Einfuhr in Frage kommen, die griechische dagegen voraussichtlich in nur geringer Zahl. Jüdische Gemeindewahlen in Warschau. Die Wahlen für die jüdische Gemeinde Warschau sollen bald nach Sukkoth stattfinden. In der Provinz sind sie bereits in vollem Gange. Die Gemeinderatswahlen in Odessa. Bei den Gemeinderatswahlen in Odessa eroberte der jüdische Block 14 Sitze. Die Sozialrevolutionären, die als die judenfreundlichste aller russischen Parteien gilt, gewannen 56, die Kadetten 15 Sitze. Der jüdische Kongreß in Holland. Die geplante Kundgebung des holländischen Judentums wird am gleichen Tage wie der Kongreß der amerikanischen Judenheit (18. November) stattfinden. In der Versammlung, die in Amsterdam gehalten werden wird, werden die Prinzipien des amerikanisch-jüdischen Kongresses besprochen werden. Nach eingehender Erörterung der Judenfrage wird