Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138202--01664-9074488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
408 Das Jüdische Echo Nr. 37 Bilderhandel; zu letzteren die Ziffern 5 Kaufhaus, 17 Viehhandel, 19 Häutehandel', 25 Güterhandel, 68 Lederhandel, 86 Antiquitätenhandel. Besonders zahlreich sind diejenigen Ausländer, die sich als Tändler, Partiewarenhändler, Kurzwarenhändler usw. bezeichnen. Der ausländische Jude liebt als Kaufmann also keine Spezialisierung. Er ist Gelegenheits- und Nothändler und greift überall da zu, wo es ohne Kapital oder Vorbildung etwas „zum Verdienen“ gibt. Dabei neigt er dazu, neu auftauchende Methoden der Handelstechnik (Partiewarenhandel, Wäscheversand) zu ergreifen, weil hier die Konkurrenz nicht so groß ist. Natürlich soll hier über diese neuen Methoden vom wirtschafts- oder sozialpolitischen Standpunkt nichts gesagt werden. Aber wie anderwärts in größerem Maßstabe,1) so sucht auch in München in kleinerem Maßstabe der jüdische Ausländer Lücken auszufüllen und in weniger verbreiteten Erwerbsmethoden sich fortzubringen. VII. Die soziale Stellung der jüdischen Ausländer in München. Nach ihrer sozialen Schichtung gliedern sich die Ausländer folgendermaßen. Es waren: von den ausländischen Juden absolut in °/0 833 59,7 233 16,7 329 23,6 a) Selbständige b) Angestellte c) Arbeiter von aen deutschen Juden absolut in °/0 2402 72,5 510 15,4 404_12,1 3316 100 1395 100 Wir sehen, daß die Relativzahl der Selbständigen bei den im Ausland Geborenen bedeutend geringer ist als die zum Vergleich ebenfalls berechnete Korrespondenzziffer der in Deutschland Geborenen. In der Angestelltenkategorie ist die Zahl ziemlch gleich. Außerordentlich überwiegt bei den Ausländern die Zahl der c-Personen. Es tritt eben hier zum erstenmal der Jude als ein Wirtschaftsfaktor in die Erscheinung, als der er vorher (bei den einheimischen Juden) nicht hervorgetreten ist, nämlich als Arbeiter. In ihrem Heimatland sind diese Juden vor allem Handwerker, doch zwingen sie ihre geringen Mittel und der großgewerbliche Charakter der deutschen Industrie zur Existenz als Arbeiter. Betrachten wir die soziale Stellung der ausländischen Juden, geschieden nach den Ländern ihrer Geburt! Von den in.... Geborenen treffen auf nebenstehende soziale Kategorien: Österr. Ungarn Rußld. Rum. a) 51,2 66,7 70,5 50,0 b) 23,4 13,5 5,0 35,3 c) 25,4 19,8 24,5 14,7 übrig. Ausld. Dtsch Ausld. imgzn. land 82,6 59,7 72,5 4,4 16,7 15,4 13,0 23,6 12,1 100 100 100 100 100 100 100 Bemerkenswert an dieser Tabelle ist, daß in keinem Land (mit Ausnahme der Sammelrubrik .übriges Ausland“) die Prozentzahl der in Deutschland geborenen Selbständigen erreicht wird, daß also alle eine relativ kleinere Selbständiigenschicht haben als die deutschen Juden. Dementsprechend ist in sämtlichen Ausländern die J) So in London die russischen Juden durch Einführung der Herrenkleiderkonfektion im Sweatingsystem (sog. „jüdisches System“). Vergl. Halpern Georg, Die jüdischen Arbeiter in London. Stuttgart 1903. Kategorie der c-Personen relativ stärker vertreten als in Deutschland. Was die einzelnen Länder betrifft, so ist bemerkenswert, daß die österreichischen Juden zur Angestellten- und Arbeiterkategorie eine fast gleich große Zahl stellen. Die Angestellten sind also ziemlich stark vertreten. Bei den russischen Juden ist die Selbständigenkategorie verhältnismäßig recht groß, nur um 2% kleiner als die der in Deutschland Geborenen. Dagegen ist ihre Angestelltenschicht nur sehr gering, sie beträgt nur 5%. Ihre c-Kategorie (Arbeiterschicht) ist mit die größte von allen. Bei den russischen Juden sind es vor allem selbständige kleine Gewerbetreibende und kleine Händler, die die Selbständigenschicht so groß machen, anderseits ist es die Zahl der gewerblichen Arbeiter, die die Zahl der Unselbständigen beeinflußt. Betrachten wir nun die soziale Schichtung der Ausländer, getrennt nach den einzelnen Berufsabteilungen: absol. a relativ absol. b relativ absol. c relativ Summ. A. 2 0,1 — —. — — 0,1 B. 144 10,3 48 3,4 137 9,8 23,5 C. 307 22,0 181 13,4 180 12,9 47,9 D. — —. — — 8 0,6 0,6 E. 85 6,1 4 0,3 4 0,3 6,7 F. 85 21,2 — — — —. 21,2 833 59,7 233 16,7 329 23,6 100 Das Schwergewicht liegt immer noch mit beinahe 1U bei den selbständigen Kaufleuten, aber auch die Industriearbeiterschaft ist mit beinahe 10% nicht bedeutungslos. Die Gliederung nach der beruflichen Stellung innerhalb der wichtigsten Berufsabteilungen geht auch aus nachstehender Tabelle hervor. Ausländ Juden in München Münchener Juden überh. Indust, Hand, u. Vrk. Indust. Hand, u. Vrk. Selbständige 43,99 45,94 50,77 51,20 Angestellte 14,41 27,13 19,36 25,67 Arbeiter 41,70 26,93 29,87 23.13 100 100 100 100 Die Arbeiterschicht tritt in beiden Berufsabteilungen bei den Ausländern stärker hervor als bei den Juden im-allgemeinen; besonders ist dies der Fall bei B (Industrie). Umgekehrt ist die Schicht der Selbständigen in beiden Berufsabteilungen bei den Ausländern schwächer vertreten. In der für die Juden wichtigsten Berufsart „Waren- und Produktenhandel“ stellt sich folgende Berufsschichtung heraus. Es waren erwerbstätig: A'ünchen. C 1 Juden im °/0 ii »/, Ganzen 797 412 448 (94) (344) (10) Ausl. Juden in München 248 137 159 (6) (20) (1) (47) (105) (7) (9) (19) (1) a) Selbständige b) Angestellte c) Arbeiter davon ci) Mithelf. Fam.-Angeh. C2) Gelernte Gehilfen cs) Ungelernte Arbeiter___ 1657 100 544 100 Die Arbeiterschicht (und innerhalb derselben hauptsächlich die Schicht cl) ist bei den Ausländern über Durchschnitt vertreten, die Schicht der Selbständigen unter Durchschnitt. VIII. Ergebnisse. Aus unserer Darstellung (in beiden Artikeln) ergibt sich, daß die berufliche Zusammensetzung der r. x- ..- :