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Das jüdische Echo · 1917-09-16 · 37 (16.9.1917) · p. Seite 407

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
37 (16.9.1917)
Date
1917-09-16
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 407 sentanten ihrer Nationen. Die Macht selbst gehört nicht ihnen persönlich, sondern den 45 Millionen Engländern und den 40 Millionen Franzosen. Auf diese Weise ist die Gerechtigkeit gerettet. Das ist ganz richtig — und vor allem in unserem Falle richtig. Niemand fordert auch, daß die Garantie jenen 100 000 Juden gegeben werde, denen es gelang, trotz der Drahtzäune der türkischen Ordnung in das Land zu gelangen. Das jüdische Volk zählt 12 Millionen Seelen, d. i. 20 mal so viel als die 600 000 Araber in Palästina. In einem Zeitraum von 4 Jahren wirft das jüdische Volk mehr als 600 000 Emigranten über den Ozean. Seine Migrationsreserve, d. h._ jene Massen, welche man zweifellos als potentielle Emigranten betrachten kann, ist 8—9 Millionen stark. Wir fordern Palästina im Namen dieser Massen und nicht des gegenwärtigen „Jischuw“. Das jüdische Volk als ganzes wird die Kolonisation des heiligen Landes betreiben, ihm Kultur und Kapitalien bringen. Das Häuflein Einwohner des heutigen Palästina, ■— die Juden sowohl wie die Araber — sind im Verhältnis zu diesem Volk eine unbedeutende Minderheit . Natürlich haben jene Araber, welche in Palästina leben, das volle Recht, zu fordern, daß man sie nicht verdränge. Niemand denkt auch daran. Palästina hat genug Raum. Die gegenwärtige Bevölkerungsdichte von Palästina ist ca. 20 Menschen auf einen Quadratkilometer. In der benachbarten Libanonprovinz leben 70—150 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Deutschland 120, in Italien 124, in Belgien 257 und in den dichtbevölkerten Teilen von Ägypten 362. Ich kann mich hier nicht mit Berechnungen beschäftigen, welche feststellen wollen, wieviel Menschen unter guten Bedingungen in Palästina auf 1 Quadratkilometer leben können. Aber selbst wenn man den Libanon, dessen natürliche Bedingungen weit schlechter als die Palästinas sind, als Maßstab nimmt, dann hat Palästina heute schon zweifellos auf jedem Quadratkilometer für 50 Meuchen Platz. Wir beanspruchen nicht die 20 besiedelten Ortschaften, aber jene 50 oder so und so viele verödeten, wenn es uns gelingen sollte, durch unsere Arbeit und unsere Fähigkeiten die ökonomische Kapazität und Bevölkerungsdichte Palästinas zu vergrößern und den Verhältnissen europäischer Kulturländer zu nähern. Damit erledigt sich die Frage der berechtigten Interessen der heutigen Einwohner Palästinas. Wir werden keinerlei Einwände erheben, wenn man es für nötig erachten sollte, Glauben, Eigentum, Sprache der Araber vor einer etwaigen Gefährdung durch uns zu sichern. Der Schutz ihrer Rechte kann durch eine spezielle internationale Kommission oder durch die Konsuln der Großmächte wahrgenommen werden. Aber keinerlei Moral kann anerkennen, daß die Araber das Recht eines Vetos gegen dje jüdische Kolonisation besitzen. Rasend kann es machen, daß diejenigen, welche die Frage der sittlichen Berechtigung des Baseler Programms aufwerfen, beinahe ausschließlich Juden sind. Vor dem Krieg sprach ich mit Politikern in England, Frankreich, Italien, Griechenland über den Zionismus —■ und niemals hörte ich dieses Argument. Wenn es für England, Frankreich, Deutschland usw., trotz ihres eigenen Bodens sittlich ist, Kolonien zu besitzen, dann ist es weit sittlicher für ein Volk, das überhaupt keinen Boden besitzt. Nur von jüdischer Seite hat man diesen Einwand erhoben —■ der beste Beweis, daß es sich gar nicht um Ethik, sondern um Feigheit des Denkens handelt. Die Berufe der Juden in München.*) Von Dr. Paula Weiner-Odenheimer, Regensburg. Die Berufe der Münchener Juden mit Berücksichtigung der Gebürtigkeit. (Schluß.) VI. Der Anteil der jüdischen Ausländer an der Handelstätigkeit Münchens. Die Ausscheidung der ausländischen Juden nach Berufsabteilungen ergab bereits, daß sie stark an Handel und Verkehr beteiligt sind. In Folgendem soll ein Blick auf die Berufgruppen XX Handelsgewerbe näheren Aufschluß über die Art dieser Beteiligung geben. Es waren erwerbstätig in Handel und Davon Verkehr Handelsgew. in Deutschland Geborene 1452 1387 im Ausland Geborene 668 640 Das Handelsgewerbe nimmt also weitaus den größten Teil der im Handel und Verkehr erwerbstätigen Ausländer ein. Eine Betrachtung der einzelnen Berufs arten ergibt folgendes. Es waren erwerbstätig in: 11 *5? . 0/ &i < äS s 1 Io Handelsvermittlung 172 32 18 Warenu. Produktenhandel 1657 544 33 Geldu. Kredithandel 91 8 9 Buch-, Kunst-, Musikalienhdl. 84 40 48 Hausierhandel 11 9 82 2015 633 Die übrigen 19 und 6 Personen verteilen sich auf die anderen 4 Berufsarten des Handelsgewerbes. Etwas über dem Durchschnitt (29,5%) befindet sich der Anteil der Ausländer am Waren- und Produktenhandel, sehr niedrig dagegen ist der Anteil am Geld- und Kredithandel. Dies letztere ist erklärlich. wenn wir in Betracht ziehen, daß der Jude, der auswandert, meistens arm ist und so als Kleinbankier sich nicht betätigen kann. In die Großbanken hat er kaum Zutritt. Der Hausierhandel wird von den Ausländern betrieben, ist aber im allgemeinen als Erwerbstätigkeit auch bei den Juden — gegen die gewöhnliche Annahme — jetzt nicht mehr von Bedeutung. Die im ersten Artikel, Jahrgang 11, Heft 10—12, S. 94/5 abgedruckte Tabelle ermöglicht uns, die Anzahl der Ausländer auch nach Berufsbenennungen kennen zu lernen. Aus dieser Tabelle ergibt sich eine recht starke Verschiedenheit in der Besetzung der einzelnen Geschäftszweige durch Juden überhaupt und durch ausländische Juden. Es gibt Geschäftszweige, in denen die jüdischen Geschäfte ausschließlich oder überlegend von Ausländern geführt werden, wo also der jüdische Einschlag mit dem ostjüdischen Einschlag gleichbedeutend ist, andere Geschäftszweige, in denen nur oder fast nur westeuropäische Juden tätig sind. Zu den ersteren gehören die Nummern 9 Partiewarengeschäft, 40 Tändler und Trödler. 45 Kurzwarenhändler, 54 Wäscheversand, 75 *) Vergl. Nr. 31 und 33 ds. Bl. sowie Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, Heft 4/5/6.

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