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Das jüdische Echo · 1917-09-16 · 37 (16.9.1917) · p. Seite 401

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
37 (16.9.1917)
Date
1917-09-16
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 401 Füßen. Wir machen nicht das rumänische Volk für diese Zustände verantwortlich, sondern die herrschenden Klassen, die auch ihr eigenes Volk niederhalten. Wir folgern aber aus diesem Beispiel, daß bei der Vereinbarung der Selbstregierung eines Landes deren demokratische Grundlagen festgesetzt werden müssen, ebenso wie der Schutz der nationalen Minoritäten. Der Friedenskongreß muß wirksame Maßnahmen ergreifen, um in dem wiederhergestellten Rumänien die bürgerliche und nationale Gleichberechtigung der Juden sicherzustellen. Palästina. Die Hauptquelle aller Leiden des jüdischen Volkes ist der Verlust seiner historischen Heimat und seine Zerstreuung in vielen Ländern. Die Landlosigkeit beraubte das jüdische Volk der selbständigen Gestaltung seines Lebens, brachte sein Schicksal in eine unerträgliche Abhängigkeit von dem Auf- und Abstieg der Völker, in deren Machtbereich die Juden siedeln: sie ist die Ursache seiner abnormen Existenz und seiner Ausnahmslage unter den Nationen der Erde; sie ist vor allem die Ursache der ungesunden Berufsgliederung und sozialen Schichtung der Juden, der geringen politischen und sozialen Widerstandsfähigkeit, der Hemmungen im kulturellen Leben der jüdischen Volksmassen, ihrer beständigen Wanderungen und ihrer Ruhelosigkeit. Es braucht keines besonderen Hinweises darauf, wie sehr diese abnormen Umstände auch die Entwicklung der jüdischen Arbeiterklassen beeinträchtigen. Die Erkenntnis dieser Lage, sowie die nie unterbrochene geistige Verbindung des jüdischen Volkes mit der alten Heimatschojje riefen die jüdische Volksbewegung ins Leben, die die territoriale Lösung der Judenfrage erstrebt durch die Schaffung einer geschlossenen jüdischen Siedlung in Palästina. Die revolutionäre Umgestaltung der Grundlagen der jüdischen Volksexistenz durch die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina kann nur ein Werk der Selbsthilfe des jüdischen Volkes sein. Was wir aber von den anderen Völkern und namentlich vom internationalen Proletariat zu verlangen berechtigt sind, ist die Beseitigung jener künstlichen Hemmnisse, die den Werdeprozeß des jüdischen Volkslebens in Palästina erschweren und zu unterbinden drohen. So steht die jüdische Neubesiedlung Palästinas mit den großen kolonisatorischen Interessen der Menschheit im Zusammenhang, die auch darum an der Verwurzelung des einzigen heimatlosem Volkes der Erde in seinem Lande ein eminentes Interesse hat, da die Welt nicht zur Ruhe kommen kann, solange das mit dem Schicksal aller Völker so eng verknüpfte jüdische Volk der normalen Bedingungen entbehrt zur Entfaltung seiner nationalen Persönlichkeit. LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN - SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Majdmiliansplatz 21 SPEZinm R T; Künstlerisch ausgeführte ERSRTZ* FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz Voll u. ganz angepaßt Das jüdische Volk, dessen Söhne auf allen Fronten in tragischem Kampfe gegen einander verbluten und das hinter den Fronten an unvermeidlichen und vermeidlichen Kriegsgreueln Entsetzliches erlitt, hat das Recht zu fordern, daß der kommende Friede auch ihm die Sicherung seines Bestandes und seiner freien Entwicklung bringt. Ein bayerischer Zionisteniag. Der zionistische Gruppenverband Bayern beabsichtigt, im Laufe des Herbstes einen Zionistentag in München einzuberufen. Zionisten und Interessenten in bayerischen Städten, die an dieser Tagung teilzunehmen wünschen, werden ersucht, so bald wie möglich ihre Adressen anzugeben und in ihrem Bekanntenkreise auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. Der Vorstand der zionist. Ortsgruppe München. Jakob F r ä n k e 1, München, Tattenbachstr. 8. Die deutsche Presse und die Judenfrage.*) Von Dr. Sigbert Feuchtwanger. Drei Hauptkategorien der deutschen Presse hinsichtlich der Stellung zur Judenfrage sind zu unterscheiden. Die erste ist die wegen angeblicher Judenfreundlichkeit von der antisemitischen Presse als „die Judenpresse“ bezeichnete. Die zweite Kategorie ist die antisemitische Presse. Die dritte wirkt antisemitisch, ohne direkt Antisemitisches zu sagen. Beurteilungsmaßstab und Einteilungsgrund ist das Verhältnis der Zeitungen zur jüdischen Wirklichkeit. Mangelhaft ist es bei allen dreien entwickelt, bei jeder der drei Arten in verschiedener Weise. Die erste Kategorie — es gehören zu ihr namentlich angesehene liberale und demokratische Zeitungen — bringt von jüdischen Tatsachen so gut wie nichts. Die Judenfrage existiert für sie nicht. Für sie ist diese Frage nichts als die Folge mittelalterlicher Rückständigkeit, eines durch die Dummheit oder Bosheit der Menschen aufrecht erhaltenen Vorurteils, das innerlich unhaltbar ist und im Laufe der Zeiten mit Fortschreiten der Vernunft und Gesittung sicherlich schwinden wird. Juden gibt es, wie es Katholiken und Protestanten gibt; unter gebildeten Leuten sollte kein Streit bestehen, daß derartige konfessionelle Verschiedenheiten reine Privatsache sind, politisch völlig ohne Bedeutung und am besten in der öffentlichen Erörterung möglichst wenig erwähnt. Wenn ein Jude etwas Gutes oder Schlechtes vollführt, so hat dies mit seinem Judesein nichts zu tun. Antisemitische oder jüdisch-nationale Bestrebungen, die mit der Fiktion der Nur-Konfessionalität der Juden und der absoluten Gleichheit der Juden und Nichtjuden in Widerspruch stehen, werden mit einer Art von vornehmer Überlegenheit ignoriert, gelegentlich auch mit Ironie und unwiderleglich scheinenden Verunftgründen abgelehnt. *) Vergl. „Neue Jüdische Monatshefte“ Heft 19.

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