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Das jüdische Echo · 1917-09-16 · 37 (16.9.1917) · p. Seite 400

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
37 (16.9.1917)
Date
1917-09-16
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 Das Jüdische Echo Nr. 37 Durch die Errichtung neuer unabhängiger Staaten, sowie durch die Einführung der territorialen Nationalautonomie wird die nationale Frage wohl in national einheitlichen Ländern gelöst. In national gemischten Gebieten jedoch wird sie in neuer Gestalt wieder aufgeworfen oder verschärft, falls nicht der Schutz nationaler Minderheiten vorgesehen ist. Wie die Rechte der Nationen überhaupt müssen auch die Rechte der nationalen Minderheiten, und zwar auf der Grundlage der personalen Nationalautonomie, international festgelegt und garantiert werden. Wir schließen uns den Forderungen der ukrainischen und tschechischen Delegation an, daß „bei dem zu errichtenden internationalen Schiedsgerichte ein besonderer Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Völker gebildet werden soll und daß jedem Volk, das sich in seinen Rechten durch ein anderes Volk oder durch den Staat, welchen es angehört, verletzt erachtet, das Recht zustehen soll, seine Beschwerden diesem Auschuß vorzulegen und eine internationale Intervention zu verlangen.“ Die Judenfrage.. Wir fordern die internationale Verbürgung der Rechte des jüdischen Volkes im Friedensvertrag. Trotz des Verlustes der nationalen Selbständigkeit und der Loslösung vom heimatlichen Boden, trotz der Zerstreuung und der unaufhörlichen Wanderungen sind die Massen der Juden ein durch Geschichte, Sprache, Kultur, Sitte und wirtschaftliche Sonderstellung geeinigtes Volk geblieben, das für die Erhaltung seines nationalen Eigenlebens die schwersten Opfer bringt. Die menschliche Entrechtung der großen Judenmassen in Rußland und Rumänien hat jahrzehntelang die Tatsache verdunkelt, daß die Judenfrage in ihrem Wesen eine nationale Frage ist. Die russische Revolution brachte der Judenheit dieses Reiches die bürgerliche Emanzipation, und es ist zu erwarten, daß die anderen Länder, in welchen die Juden der Bürgerrechte entbehren, diesem Beispiele werden folgen müssen. Aber im Gegensätze zur französischen hat die russische Revolution, an der das jüdische Proletariat einen so hervorragenden Anteil hatte, die Proklamierung der bürgerlichen Gleichberechtigung njcht an die Bedingung der nationalen Entäußerung geknüpft und die bestimmte Erwartung ist begrürdet, daß sie auch in Bezug auf die nationale Gleichberechtigung der Juden bahnbrechend sein wird. So tritt die Frage der nationalen Emanzipation der Juden in allen Ländern ihrer Massensiedlung in den Vordergrund. Die Forderung der internationalen Garantien für die Rechtsgleichheit des jüdischen Volkes ist um so mehr gerechtfertigt, als die jüdische Frage einen internationalen Charakter hat. Das Zusammenleben von großen jüdischen Massen in Osteuropa, Amerika und Vorderasien, der Einfluß ihrer Lage in einem Lande auf die in anderen Ländern, ihre nationale Rechtlosigkeit in den meisten Staaten, die Tatsache, daß die jüdischen Minderheiten in mehreren Ländern gegen ihren Willen zum Werkzeug nationaler Unterdrückung anderer Völker erniedrigt werden, der unaufhörliche Strom von Hunderttausenden entwurzelter jüdischer Auswanderer von einem Lande in das andere, der katastrophale Charakter, den die jüdische Emigration in Momenten erhöhten politischen und ökonomischen Druckes annimmt, sie erheben die jüdische Frage zu einem internationalen Problem. Die Judenfrage ist somit eine der nationalen Fragen, deren Regelung im Friedensvertrage unabweisbar geworden ist. In allen Ländern eine Minderheit bildend, ist unser Volk o_hne diese Bürgschaften von den Gefahren der Zwangsassimilation und der nationalen Atomisierung bedroht, die auch die bürgerliche Gleichberechtigung illusorisch zu machen geeignet sind. Das jüdische Volk bedarf andererseits der Organe der nationalen Selbstverwaltung zur Lösung der einzigartigen Probleme seiner Existenz. Im Einklänge mit dem gesamten organisierten jüdischen Proletariat fordern wir die personale Nationalautonomie für unsere Volksgenossen in allen Ländern, wo sie in Massen siedeln. Diese Forderung bezieht sich vornehmlich auf Nationalitätenstaaten, wie Rußland und Österreich, sowie auf die neuzubildenden nationalen Selbstverwaltungsgebiete und Staaten (Ukraina, Lithauen, Polen u. a.). Wir treten für die Errichtung eines vereinigten, unabhängigen Polens ein, müssen aber zugleich Sicherheiten und internationale Bürgschaften für die Rechte der jüdischen Bevölkerung des Landes als Bürger und als Nationalität fordern. Daß ohne solche Bürgschaften das neue Polen zu einem nationalen Grab für einen großen Teil unseres Volkes werden kann, darüber läßt die polnische Gesellschaft keinen Zweifel übrig, die von den Juden den völligen Verzicht auf ihr Volkstum verlangt. Wir beklagen es aufs lebhafteste, daß auch die Mehrheit der polnischen Sozialisten den Herrenstandpunkt der polnischen Bourgeoisie und Schlachta in Bezug auf die Juden einnimmt, und rufen das Urteil der Internationale an in dieser Lebensfrage von drei Millionen Juden. Rumänien ist ein Schulbeispiel dafür, wie wertlos internationale Vereinbarungen zum Schutze schwacher Minderheiten sind, wenn kein internationales Organ besteht, dessen Intervention erforderlichenfalls angerufen werden könnte. In diesem Lande sind die Juden noch mehr rechtlos, als sie es im Rußland des alten Regimes waren. Schamlos traten vor den Augen Europas die wechselnden rumänischen Regierungen und das Bojarenparlament, die im Berliner Vertrage feierlich proklamierten Rechte der Juden mit Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückensftraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Fillalbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München*. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. # Grobte Fabrik und Verleihanstalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zelten u. allen Ländern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen. Reiches Lager In Waffen und Ausrüstungen. Vollständig neuzeitlich eingerichtet und umgebaut. Spezialität; Ganze Ausstattungen für Theaterstücke u. Filmaufnahmen Spezialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos zur Verfügung. “TP®

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