Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138202--01655-9074479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 37 Das Jüdische Echo 399 15. Also spricht der Ewige: Eine Stimme der Klage wird zu Ratnah gehört, bitterlich Weinen, Rachel weint um ihre Kinder; sie verweigert es, sich trösten zu lassen um ihre Kinder; denn sie sind dahin. 16. Also spricht der Ewige: Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Tränen; denn ein Lohn ist für dein Tun, ist der Spruch des Ewigen, und sie werden zurückkehren aus dem Lande des Feindes. 17. Und die Hoffnung ist für deine Zukunft, ist der Spruch des Ewigen, und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Qebiet. 18. Gehöret habe ich Efrajim klagen: Du hast mich gezüchtigt und ich bin gezüchtigt worden, wie ein ungebändigtes Kalb. Führe mich zurück und ich will zurückkehren; denn du bist der Ewige, mein Gott. 19. Denn nachdem ich zurückgekehrt, bereue ich, und nachdem ich gewitzigt worden, schlag ich auf die Hüfte. Beschämt bin ich und erröte; denn ich trage die Schande meiner Jugend, 20. Ist mir nicht ein teurer Sohn Efrajim, oder ein Kind der Liebkosung, daß, so oft ich von ihm rede, ich seiner fürder gedenke? Darum ist mein Inneres für ihn rege; erbarmen will ich mich seiner, ist der Spruch des Ewigen. Keine jüdischen Professoren? Wenn Geheimrat Schmoller den Kampf um die Nachfolge auf Lujo Brentanos Lehrstuhl noch erlebt hätte, so hätte er sich von der Grundlosigkeit seiner Befürchtung überzeugen können, daß die Ernennung einiger jüdischer Professoren die Überschwemmung der deutschen Universitäten mit Juden nach sich ziehe. In Wirklichkeit besteht trotz des „neuen Kurses“ im Reiche noch immer der Grundsatz: keine Juden als Professoren! Im Sommer vorigen Jahres bereits hatte die nationalökonomische Fakultät ihre Vorschläge für die Neubesetzung von Lujo Brentanos Lehrstuhl gemacht. Auf ihrer Liste standen: Dr. Bonn, München; Dr. Herkner, Berlin und von Schulze-Gaevernitz, Freiburg. Nachdem | tDof)IfeiIe i Künftler-pojtkarten f finb bie „3ugenb"*poftharten. 2)ie 6ammlung j*«- umfaßt 152 t>erfd)iebene harten unö 28 Kriege* t Pokftarten, alles farbige ‘JtMebergaben nad) in ber L 90tünrf)ner „3ugenb" oeröffentlidjten 3eid)nungen. 2roß großer eisftetgerungen in ber £erftellung Ijaben mir ben alten ‘preis non L 10 Pfennige für feöe Karte f beibetjalten, [o baji bie „3ugenb"=poftkarten tjeute öie billigften Hiinftlerfarteu | finb. 3Uuftr. 5J3ergeid)niffe oerfenbet koftertfrei ber f* | Der lag öer „3ugettö"! H SWünd)enfßeffingfirafeel jjj Dr. Herkner abgelehnt und an seiner Stelle Prof. Max Weber, Heidelberg vorgeschlagen worden war, strich der akademische Senat Prof. Bonn von der Liste und präsentierte an seiner Stelle Prof. Schanz, Würzburg. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, erfolgte diese Umänderung der Liste, weil man an den maßgebenden Stellen den Entschluß gefaßt hatte, weder einem mit der politischen Richtung des Prof. Brentano übereinstimmenden Gelehrten noch einem Juden die Bestätigung zu erteilen. Die meisten Aussichten auf den erledigten Lehrstuhl scheint Exzellenz v. Schanz zu haben. Also keine Furcht, Herren Antisemiten. Der alte Kurs im Reiche lebt noch! Den Anhängern der deutschen Sache wird es freilich leid tun zu sehen, wie die Auslandsblätter diesen neuen Beweis einer deutlichen Zurücksetzung der Juden bei der Bekleidung öffentlicher Ämter gern aufgreifen und für ihre antideutschen Zwecke verwenden werden. Die jüdisch-sozialistische Delegation des Sozialistentages. DBe Delegation des Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion hat an das Holländisch-Skandinavische Sozialistische Komitee eine Erklärung gerichtet, in der sowohl allgemeine wie besondere jüdische Forderungen enthalten sind. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß zum ersten Male eine jüdische Gruppe der internationalen Arbeiterschaft sich anschickt, an der Neugestaltung der modernen politischen Weltprobleme mitzuarbeiten. Die von den jüdischen Arbeitern gestellten Forderungen lauten: Wir schließen uns voll und ganz den Forderungen der allgemeinen Abrüstung, der Demokratisierung der auswärtigen Politik, der Neutralisierung der internationalen Verkehrsstraßen und Wasserwege, des freien Handels und Verkehrs, der Freiheit der Einwanderung, Niederlassung und Ansiedlung und des uneingeschränkten Selbstbestimmungsrechtes für alle Völker an. Zhi- Verwirklichung dieser die Schaffung eines neuen Völkerrechtes bezweckenden Vorschläge müssen überstaatliche Organe ins Leben gerufen werden, die mit der nötigen Machtvollkommenheit auszustatten sind, um über die gewissenhafte Beobachtung der internationalen Vereinbarungen zu wachen. Der zur geschichtlichen Notwendigkeit gewordene Friedensbund der Völker hätte aber keine Aussicht auf Bestand, wenn er in sich alle Widersprüche und Antagonismen vereinigen würde, die den Weltbrand entfachten. Daß die nationalen Konflikte eine wesentliche Rolle in der gegenwärtigen Wel'tkatastrophe spielen, ist eine unleugbare Tatsache. Der Krieg hat rrüt aller Deutlichkeit dargetan, wie sehr jede nationale Unterdrückung zur Störung der internationalen Beziehungen führen und zu einer Gefahr für die ganze Kulturmenschheit werden kann. Der Friedensbund der Völker kann nur ein Bund freier Völker sein. Die Losung „Friede ohne Annexionen“ erhält ihren eigentlichen Sinn erst durch den mit ihr zugleich proklamierten Grundatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Soll aber dieser Grundsatz Wirklichkeit werden, so muß die Feststellung der Rechte nationaler Autonomie in Nationalitäten-Staaten nicht diesen überlassen, sondern im Friedensvertrag international garantiert werden, wobei der Inhalt der verschiedenen Formen nationaler Autonomie im Friedensvertrag zu vereinbaren ist.