Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- Seite 398 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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398 Das Jüdische Echo Nr. 37 aus deren Schoße ungeahnt starke jüdische Kräfte hervorgehen und auf das Judentum der ganzen Welt einwirken werden. Wir dürfen auch hoffen, daß das russische Ereignis ein ähnliches in Rumänien nach sich ziehen und damit das letzte Ghetto vernichten wird. Wir erlebten es ferner in diesem Jahre, daß nicht nur in Amerika und Rußland, sondern auch in Holland, der Schweiz, Österreich, England und einer Reihe anderer Länder der Gedanke eines jüdischen Kongresses Boden gewann. Da diese Kongresse die Judenheit als ein über verschiedene Länder verteiltes 'Volksganze -bietifachten, da sie einem künftigen Friedenskongreß die Juden aller Zonen als Kinder eines einzigen Volkes darstellen werden, ist diese Vorbereitung zu einer gemeinsamen nationalen Tat des gesamten Judentums von höchster Bedeutung. Ebenso bedeutsam ist der Entschluß, eine besondere jüdische Sozialistengruppe auf die Stockholmer Konferenz zu entsenden und damit der Welt zu beweisen, daß das jüdische Proletariat seine kulturelle Sonderstellung nicht in dem allgemeinen Klassenkampfe aufzugeben, sondern mit Nachdruck zu verteidigen gedenkt. Als ein Ereignis, dessen Bedeutung für das Judentum gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ist endlich die internationale Diskussion des zionistischen Palästinagedankens zu betrachten, als deren Ergebnis man eine für das Sein oder Nichtsein des Judentums bedeutsame Entscheidung erwarten darf. Die gewaltige Spannung und Hoffnung, die diese Zeichen einer neuen Zeit in uns auslösen, lassen den Schmerz über die Leiden der Judenheit im verflossenen Jahre in den Hintergrund treten. Nicht die Not in den vom Kriege berührten Gebieten, nicht das tägliche Wachsen des Antisemitismus, nicht einmal die Katatstrophe in Palästina können unsren Glauben an eine nahe bessere Zukunft rauben. Hoffnungsvoll wie nie zuvor treten wir in das Jahr 5678 ein. Es bleibt noch übrig zu fragen, wie diese Ereignisse speziell auf das deutsche Judentum eingewirkt haben. Wir müssen gestehen, daß das Gros der deutschen Juden den Geschehnissen der Gesamtjudenheit mit erstaunlicher Kälte gegenübersteht. Die Judenzählung im Heere, die alldeutschen Hetzereien, auch die Furcht vor einer starken Einwanderung östlicher Juden, hat die Gemüter unserer führenden jüdischen Persönlichkeiten bewegt, aber nicht ein einziges Wort, das auf die Bedeutung der obigen Tatsachen hinweist, ist auf ihren Tagungen gefallen. Das jüdische Herz, wir erkennen es gern an, hat zwar bei den Leiden der jüdischen Volksgenossen rascher geklopft und viele zu reichlicheren Spenden für die Juden in Polen, Galizien und Palästina bewogen, aber der jüdische Kopf scheint die Tragweite der Ereignisse vielfach noch nicht begriffen, scheint nicht erkannt zu haben, daß diese und zu erwartende Geschehnisse Umwälzungen im Leben aller Juden herbeiführen müssen. In der jüdischen Jugend freilich haben die Zeitereignisse einen Widerhall geweckt: Denen, die im Schützengraben und in der Heimarbeit die Stimme ihres Blutes und ihres Gottes hörten, die sich in neuer Inbrunst an das Judentum angeschlossen haben, ist es klar geworden, daß eine Zeit gekommen ist, in der die Juden sich nicht mehr in verschiedene feindliche Gruppen spalten und über ihrem Hader vergessen dürfen, in die Gestaltung des jüdischen Schicksals tätig einzugreifen. Das bedeutsamste Ereignis im Jahre 5677 innerhalb der deutschen Judenheit ist der in weiten Kreisen der organisierlen jüdischen Jugend erwachte Wille, Hand in Hand mit allen, denen die Stärkung und Veredlung des jüdischen Volkes am Herzen liegt, an diesem Werke mitzui schaffen. Und so dürfen wir hoffen, daß das Jahr 5678, das vielleicht die entzweite Menschheit endlich . wieder versöhnen wird, auch in Bezug auf das jü- < dische Kulturwerk im Zeichen des Friedens stehen wird. Jeremia. 31, 2—20. 2. Also spricht der Ewige: Es hat Gnade gefunden in der Wüste ein Volk dem Schwerte Entronnener, da es zur Ruhe hingeht, Israel. — 3. Aus der Ferne ist mir erschienen der Ewige — ja mit ewiger Liebe liebt’ ich dich, darum zog ich dir nach mit Huld. 4. Wiederum werde ich dich bauen, daß du gebaut bleibest, Jungfrau Jisrael, wiederum sollst du auflegen deine Pauken und ausziehen im Reigen der Fröhlichen. 5. Wiederum sollst du Weinberge pflanzen auf dem Gebirge von Schomron, was die Pflanzer gepflanzet, das sollen sie losen. 6. Denn da ist der Tag, rufen die Wächter auf dem Gebirge Efrajim auf, und lasset uns ziehen nach Zijon, zu dem Ewigen, unserm Gott. 7. Denn also spricht der Ewige: Jauchzet Jaakob zu mit Freude, und jubelt an der Spitze der Völker, verkündet, preiset und §t>rechet: Hilf, o Ewiger, deinem Volke, dem Überreste Israel’s! 8. Siehe, ich bringe sie aus dem Lande des Nordens und sammle sie von den Enden der Erde, darunter Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärerin zumal, eine große Schaar sollen sie hierher zurückkehren. 9. Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen bringe ich sie herbei, führe sie zu Wasserbächen auf geradem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israel zum Vater geworden, und Efrajim ist mein Erstgeborner. 10. Höret das Wort des Ewigen, Völker, und meldet in den fernen Eilanden, und sprechet: Er der Jisrael zerstreut, sammelt es und hütet es wie ein Hirt seine Heerde. 11. Denn erlöset hat der Ewige Jaakob und es befreit aus der Hand des Mächtigem. 12. Und sie kommen und jauchzen auf der Höhe Zijon’s, und strömen herbei zum Segen des Ewigen an Korn, und an Most, und an Oliven, und an jungen Schafen und Rindern; und es wird ihre Seele gleich einem getränkten Garten, und nicht sollen sie mehr schmachten. 13. Dann freuet sich die Jungfrau im Reigentanz, und Jünglinge und Alte zumal, und ich wandle ihre Trauer in Wonne, und tröste sie und erfreue sie nach ihrem Kummer. 14. Und ich sättige die Priester mit Mark, und mein Volk — an meinem Segen soll es sich sättigen, ist der Spruch des Ewigen.