Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 37 (16.9.1917)
- Date
- 1917-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138202--01653-9074477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. ■ Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. 1 M. 4—, Einzelnummer 10 PI. - V e r 1 a g i des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 37 München / 4. Jahrgang 16. September 1917 Sch O L O M wer ist es, zu glauben, es gäbe jüdische Mitbürger, welche die Wichtigkeit einer Zeitschrift von der Art des, Jüdischen Echo“in der heutigen Zeit nicht einsehen. hne Zweifel ist die Vertretung der Interessen des Judentums in der Oeffentlichkeit und die B^chäftigung mit allen Fragen in Staat und Gemeinde für jeden Einzelnen unerläßlich. iegt daher wohl etwas näher als die Pflege einer gediegenen Zeitschrift, die unentbehrlich ist um zu unterrichten über das was ist, um zu klären und aufzuhellen über das, was sein soll? ffenbar ist das „Jüd. Echo“ die Zeitschrift, die wir brauchen. Sie ist inhaltreich, vielseitig und gut geleitet. Sie wagt es, ihre Meinung frei zu sagen, aber sie achtet die Ueberzeugung anderer und sie gibt gerne jeder Meinung das Wort, öge daher niemand zögern, die beigefügte Bestellkarte auszufüllen und an den Unterzeichneten Verlag einzusenden. Der Bezug für ein volles Vierteljahr kostet nur Mk. 1.12 einschl. Bestellgeld. Bitte bestellen Sie ungesäumt. Verlag des „Jüdischen Echo“ München, Herzog Maxstraße 4 Zur Jahreswende. Zum vierten Male feiern wir das Roschhaschanahfest inmitten des Kriegstobens. Noch dauert der furchtbare Kampf um Macht oder Vernichtung der einzelnen Völker Europas, um den Sieg dieser oder jener Volkskultur, ja vielleicht um die Selbstbehauptung der europäischen gegen die asiatischen Völker. Genau so unklar, womöglich noch wirrer und unklarer als vor Jahresfrist erscheint heute das künftige Geschick der kämpfenden Nationen, wenn nicht der gesamten weißen Rasse. Es mutet fast wie ein Wunder an, daß sich inmitten all dieser Unklarheit im Schicksal gerade des jüdischen Volkes Wandlungen vollzogen haben, die mit einem Schlage undurchdringliche Nebel zerstreuten, und des Judentums Wege in die Zukunft klar erkennen lassen. Wir dürfen sagen: Ereignisse innerhalb des Judentums, die seit dem letzten Roschhaschanahfest eingetreten sind, machen das Jahr 5677 zu einem der wichtigsten in der Geschichte der Diaspora. Wir wollen die bedeutsamsten dieser Ereignisse kurz nennen: die jüdische Gemeindeordnung in Polen, die Befreiung der russischen Fremdvölker, die allenthalben einseftzendei jüJdische Kongreßbewegung, die Bereitstellung eines jüdischen Votums für die Stockholmer Konferenz und endlich die internationale Diskussion der Palästinafrage. Noch vor Jahresfrist wußte niemand, wie sich die politische Lage der polnischen Juden entwickeln würde. Man konnte noch nicht ahnen, ob die deutsche Regierung sie als eine Sondergruppe behandeln oder sie einfach als polnische Bürger der Unterdrückung durch die Polen ausliefern würde. Es wäre unrichtig zu behaupten, daß diese Fragen inzwischen eine endgültige Antwort erfahren haben. Vielleicht ist nicht einmal die jetzige Grundlage der polnischen Judenfrage: die Erklärung Polens zu einem selbständigen Königreich das letzte Wort gewesen; zugleich mit einer neuen Entscheidung über Polens Schicksal aber würde auch im Schicksal der polnischen Juden ein neuer Umschwung ein treten. Immerhin ist in der jetzigen Ära zum ersten Male eine Organisation der polnischen Judenheit auf der Grundlage einer Gemeindeordnung für die jüdischen Gemeinden Polens geschaffen worden, und wenn diese Entwicklung auch nicht im entferntesten das letzte Ziel der nach dem Rechte der Selbstbestimmung verlangenden polnischen Juden darstellt, so ist doch der Anstoß zu einer Gruppierung und Zusammenfassung der Massen hiermit gegeben. Das weitaus wichtigste Ereignis des Jahres war die russische Revolution und mit ihr die Aufhebung aller gegen die Juden gerichteten Sondergesetze. Bei dem festen religiösen und nationalen Zusammenhalt der russischen Juden, bei ihrer Kraft zur Bildung einer Sonderkultur dürfen wir hoffen, daß die 5 Millionen russischer Juden sich zu einer Volkseinheit zusammenschließen werden, die sozial' und moralisch gesunden kann,