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Das jüdische Echo · 1917-08-31 · 35 (31.8.1917) · p. Seite 387

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 387 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 387 literarisches Echo Anläßlich der 20. Wiederkehr des I. Basler Kongresses erschien soeben eine ca. 100 Seiten starke Kongreßnummer der Monatsschrift in polnischer Sprache „Moriah“ (Verlag: Wien, I., Ebendorferstraße 3/13) mit Aufsätzen von W. Berkelhammer, Adolf Böhm, Z. F. Finkeistein, N. M. Gelber, M. Goldstein (Lublin), Z. Meller, El. Rosenbaum, Max Rosenfeld, Ignaz Schipper, Adolf Stand, Wilhelm Stein, Osias Thon. Davis Trietsch u. a. Preis des Doppelheftes samt der Jugendbeilage „Haschomer“ K. 1.20. Literatur zur Palästinakunde. In richtiger Erkenntnis des politischen, des weitpolitischen Moments hat das Hauptbureau des Jiid. Nationalfonds angefangen, die zionistische Literatur zur Theorie und Praxis der Palästinakolonisation systematisch auszubauen. Der'Mangel geeigneter Forschungen und Aufklärungsschriften wurde innerhalb unserer Organisation schon seit Jahren empfunden. Demgemäß hat auch der II. Zionistenkongreß beschlossen, daß dieser Literatur besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Die vom Hauptbureau herausgegebenen Schriften bestehen aus zwei Gruppen. Die eine ist die Nationalfondsbibliothek, deren erste Nummer kurz nach dem Wiener Kongreß, also noch vor dem Kriege, erschien. Sie enthält bis jetzt folgende Hefte: 1. Franz Oppenheimer: Gemeineigentum und Privateigentum an Grund und Boden. 2. Adolf Böhm: Der jüdische Nationalfonds. 3. Jakob Oettinger: Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina. Die zweite Reihe Publikationen besteht aus der in zwanglosen Heften erscheinenden Zeitschrift „Erez Israel. Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüd. Nationalfonds.“ Bisher sind davon zwei Hefte erschienen. Beide Sammlungen werden in tunlich rascher Aufeinanderfolgie ergänzt und erweitert. Die Schriften erscheinen in unserm Kommissionsverlag. Näheres findet man in dem reichhaltigen Prospekt, den wir gemeinsam mit dem Jüd. Nationalfonds soeben herausgegeben haben. Er enthält ausführliche bibliographische Angaben, Inhaltsverzeichnisse, Presseurteile usw. Im Anhang finden sich die wichtigsten Werke jüdischer Autoren zur Kunde des jüdischen Palästina, die zusammen mit den Schriften des Jüd. Nationalfonds „eine ausgewählte Palästinabibliothek“ bilden. Der Prospekt wird jedem Interessenten auf Wunsch kostenlos zugestellt. Feuilleton Hus der Welt der Chassidim. Geschichten von Rabbi Israel von Ruzhin. Starb 1850, einer der größten chassidischen Persönlichkeiten, residierte in Ruzhin und Sadagora, Verfasser eines Buches „Urin Kadischin“. — 1. Schechunta begaluta. 1. Die Worte: „Wie sollen wir singen das Lied des Herrn auf des Fremdlings Erde“ erläuterte der Rabbi dahin: Wie können wir jubelnd einen Gesang anstimmen, da wir wissen, daß die göttliche Majestät nicht mehr im heiligen Lande, sondern auf des Fremdlings Erde weilt. Schechunta begaluta .... 2. Gott im Galuth. „Und wandle ich im Tale des Todes, ich fürchte nicht, denn du Gott bist mit mir“. Diesen Satz des Psalmisten deutete er also: Das jüdische Volk spricht zu Gott: Wenn ich auch im Todestale, d. h. im Galuth, verfolgt und gepeinigt herumirre, fürchte ich mich nicht, ich ertrage mit Ergebenheit mein Leid; das einzige aber was mir Kummer macht, ist, daß du Gott mit mir bist in diesem finsteren Galuth; denn es steht . und in ihrem Leid trägt auch er Leid . . .“ Wird Israel! verfolgt, dann leidet auch die Schechisna, Gottes Majestät, die Idee der Gerechtigkeit, der Menschenliebe ist vergewaltigt und die Mächte der Finsternis führen das Szepter. Schechunta begaluta .... 3. Der Zadik über die Zeit. Rabbi Israel Schotek fragte einst den Ruzhiner (so erzählt sein Sohn Rabbi David Mose von Czortkow gesegneten Andenkens in seinem Werke: „Reden Davids“) warum er sein Gebet nicht in der vorgeschriebenen Zeit verrichte. Vor der Schlangensünde war keine bestimmte Zeit für das Gebet, und man durfte es im Laufe des ganzen Tages oder der Nacht verrichten. Nach der Schlangensünde ist die Luft verdichtet worden. Da kamen die Patriarchen, und jeder hat eine andere Zeit für das Gebet gesäubert. Abraham den Morgen, Isak den Nachmittag und Jakob den Abend. Als das jüdische Volk die Thora am Sinai empfing, wurde der Makel der Schlangensünde abgewischt und Israel stand über der Zeit. Nach der Sünde des Kalbes fielen sie wieder unter die Zeit. Es kamen die Männer der großen Synode und bestimmten für das Gebet besondere Zeiten. Die Seele des Zadik jedoch, welche an den Sünden der Schlange und des Kalbes nicht teilnahm, sie ist auch jetzt über der Zeit. 4. Die Gebetsstunde. Der Sawaliwer Raw erzählt: Man fragte einst den heiligen Rabbi Israel von Ruzhin, weshalb viele Zadikim die Zeit des Gebetes nicht nach der Tradition einhielten. Er antwortete mit einem Gleichnis: Der König hatte eine Stunde bestimmt, zu welcher jedermann vor ihm erscheinen durfte um sein Anliegen vorzutragen. Nach dieser Zeit war es nicht gestattet, zur Audienz zu erscheinen. Selbstverständlich galt diese Vorschrift nur für solche Leute, die in eigenen persönlichen Angelegenheiten den König zu sprechen wünschten. Jene aber, die den König in Staatsangelegenheiten sprechen wollten, konnten immer und zu jeder Zeit bei ihm Audienz erhalten. 5. Das Fisolengericht. Einst wandte er sich an einige seiner Anhänger mit folgernder Geschichte: Es war einmal ein Mann, dessen Gattin für ihn als Mittagmahl Fisolen kochte. So fügte es sich viele Jahre. Einmal versäumte die Frau, das Mahl zu bereiten und die Fisolen waren nicht rechtzeitig fertig. Als sie nun die Fisolen zu spät zu Tisch brachte, war ihr Gatte sehr aufgeregt und schalt sie: „Auf dieses Essen hast du mich lange warten lassen! Ich höbe gedacht, wenn ich schon auf das Mittagmahl so lange warten muß, werde ich wenigstens etwas Außerordentliches bekommen, und nun muß ich Fisolen essen.“ Also erzählte der Rabbi, verabschiedete sich von seinen Anhängern und diese fuhren nach Hause. Als sie unterwegs in einem

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