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Das jüdische Echo · 1917-08-31 · 35 (31.8.1917) · p. Seite 385

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 385 (sequence 5)
Language
German
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Bekanntlich hat das rumänische Parlament, angeregt durch die russische Revolution, den Beschluß gefaßt, den Grundbesitz des rumänischen Adels zugunsten der Bauern einzuziehen und. eine Agrar-Reform im Lande durchzuführen. Dieser Parlamentsbeschluß ist aber von dem rumänischen Senat zurückgewiesen worden. Die Lage der rumänischen Bauern ist in vieler Hinsicht ebenso trostlos, ja zum Teil noch trostloser als die der Juden: In Rumänien biesteht noch das Dreiklassen-W’ahlsystem. Die erste Klasse besteht aus Grundbesitzern, Fabrikanten und Geldmagnaten, die zweite aus Rumänen, die lesen und schreiben können und etwas Vermögen besitzen. Diese zwei Klassen können direkt wählen und sind im Parlament mit s/e der Abgeordneten vertreten. Die dritte Klasse bildet die große Masse der rumänischen Bauern, etwa 80 Prozent der Bevölkerung, die nur indirekt wählen kann und mit einem Sechstel der Gesamtabgeordneten im Parlament vertreten ist. Diese Rechtlosigkeit der rumänischen Bauern führte zu ihrer vollständigen Verarmung. Sie besitzen kein eigenes Land und sind Sklaven der Grundbesitzer, die ihnen für ihre unermüdliche Arbeit kaum mit trockenem Brot lohnen. Eine Gewährung größerer Rechte an die Juden würde bei den rumänischen Bauern, die eigentlich gar keine Judenhasser sind, und vor der Verbannung der Juden aus den Dörfern im besten Einvernehmen mit ihnen lebten, ein Gefühl der Zurücksetzung erwecken. Alle Pläne zur Besserung der Lage der rumänischen Juden sollten daher im Rahmen einer allgemeinen demokratischen Landespolitik liegen. Hilfstätigkeil der russischen Juden für ihre galizischen Brüder. Über die Hilfsaktion der russischen Juden für ihre galizischen Brüder berichtet Herr Ingenieur Joachim Stolzenberg, der während der russischen Invasion drei Jahre in Tarnopol zubrachte und gegenwärtig zum Besuch seiner Familie in Wien weilt, der „Jüdischen Zeitung“: Schon im Frühjahre 1915 bereiste Herr Rappaport im Aufträge eines Petersburger Komitees Galizien, um die Lage der Juden kennen zu lernen und darüber zu berichten. Bei seiner Rückkehr hielt er in Petersburg in einer Versammlung einen Vortrag, in welchem er das Elend der galizischen Juden von Tarnow bis Sniatyn in lebhaften Farben schilderte; es wurden sofort 30 000 Rubel als erste Unterstützung gezeichnet und1 beschlossen, daß jeder wohlhabende Jude einen permanenten Beitrag zur Hilfe der galizischen Brüder zeichnen solle. Von diesem Gelde wurde vorerst Mehl angeschafft, und solches sowie fertige Mazzos in ganz Galizien verteilt. Unsere Offensive bei Gorlice unterbrach die Aktion; dafür aber setzte sie im Herbste 1915 umso intensiver ein, als die Russen bei. ihrem Rückzuge Zehntausende von Juden, darunter viele Greise, Frauen und Kinder mit sich nach Rußland verschleppten. Da wurde das Kijower Komitee ein wahrer Retter in der Not, indem es alle Verschleppten beim Überschreiten der Grenze mit Kleidern, Nahrungsmitteln und Geld versorgte, jede Gruppe durch seine Delegierten bis an deren Verbannungsort begleiten ließ und überall Komitees zu deren Versorgung bestellte. Im Dezember 1915 wurde für die Juden in den noch unter russischer Herrschaft verbliebenen Teilen von Ostgalizien und der Bukowina eine permanente Hilfsaktion eingeleitet, und zu diesem Zwecke in allen Städten Lokalkomitees gebildet, die vom Kijower Komitee allmonatlich mit Geld und Naturalien versorgt wurden. Die Aufsicht hierüber hatten Dr. Lander aus Petersburg und das Mitglied des Kijower Komitees Dr. G o m e 1 s k i, die persönlich zu diesem Zwecke oft Galizien bereisten. Im Jahre 1916 wurde der größte Teil der Verschleppten in Folge der Intervention der Petersburger Juden nach Galizien zurückgeschickt; da die meisten aber aus westgalizischen Orten waren, die sich bereits in österreichischer Herrschaft befanden, so wurden sie in Tarnopol und den umliegenden Ortschaften untergebracht und das Kijower Komitee sorgte für deren Erhaltung. In Tarnopol wurde auch ein Spital und ein Kinderheim für elternlose Kinder eingerichtet. Das Ausgabenbudget für Ostgalizien und die Bukowina betrug monatlich für die rückgekehrten Verschleppten und für die Einheimischen 150 000 bis 200 000 Rubel, außer großen Mengen von Naturalien und Kleidungsstücken. Die ganze Aktion kostete die russischen Juden mehrere Millionen Rubel (nach Tarnopol allein kamen in 2 Jahren über 500 000 Rubel) und diese wurden mit einem Wohlwollen gegeben, welches als Beweis jüdischer Solidarität herzerfreuend wirkte; sie betonten immer, es sind ja unsere Brüder und wir haben die Pflicht für sie zu sorgen. Hiebei ist zu bemerken, wie Herr Leo Grünberg, Vorstand des Kijower Komitees, in einer in Tarnopol am 30. Mai 1917 abgehaltenen Versammlung ausdrücklich hervorhob. daß dies keine von Amerika gesandten, sondern von den russischen Juden durch Selbstbesteuerung aufgebrachten Gelder waren. Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 kttnigl. bayer., königl. Württemberg., grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. 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