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Das jüdische Echo · 1917-08-31 · 35 (31.8.1917) · p. Seite 383

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 383 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 383 Der erste Jude, der sich nach der Krieserklärung Wilsons gewandelt hat. war der erwähnte Rabbiner St. Wise. Schon an dem Sonntag, der auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland folgte, hielt er eine aufreizende Kriegspredigt, während am Freitag zuvor an den Litfaßsäulen sein Name auf einer Liste von Rednern gegen den Krieg neben denen berühmter amerikanischer Staatsmänner verzeichnet gewesen war. Eine begeisterte Menge von etwa 5000 Personen versammelte sich zu einem Protest gegen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland, und dem ersten Redner der Friedenspartei wurden gewaltige Ovationen bereitet. Der auf der Liste verzeichnete zweite Redner, Steph. Wise, erschien aber nicht, und an jenem Abend bereits ging das Gerücht, der demokratische Zar, wie die Friedensanhänger Wilson nannten, hätte die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen. Die jüdische Presse gab dennoch den Kampf gegen die Kriegshetzer nicht auf. Die „Wahrheit“, der „Vorwärts“, „Das jüdische Tagblatt“ und das „Morning Journal“ führten wieder eine ausgedehnte und energische Agitation gegen den Krieg. Die Kriegshetzer setzten aber alle Hebel in Bewegung, um die Köpfe zu verwirren und auf den Krieg hinzuarbeiten, von dem das Volk ursprünglich nichts wissen wollte. Zuerst hieß es, die Sache gehe nicht über den diplomatischen Bruch hinaus; dann forderte Wilson bewaffnete Schiffe, und als der Kongreß seine Zustimmung hierzu versagte, fing man an, im Volk Unterschriften unter eine Erklärung zu sammeln, daß die Agitation nicht für den Krieg, sondern im Interesse der Schaffung einer Armee geschehe. Inzwischen kam die Nachricht von der russischen Revolution und die Freude im jüdischen Viertel war unbeschreiblich. Die Kriegshetzer nutzten aber auch dieses Ereignis für ihre Zwecke aus, indem sie die Lügennachricht verbreiteten, daß Deutschland geheime Verbindungen mit zarischen Offizieren unterhielt und daß jetzt erst der Krieg Rußlands mit den Zentralmächten richtig angehe. Die Agitatoren für den Krieg bekamen Wasser auf ihre Mühle. Die Kriegshetzer wußten, daß die russische Revolution ein großes Unglück für England bedeutet, und dies war wiederum die stärkste Triebfeder für den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg. Ungeachtet der guten Stimmung für England, welche die russische Revolution bei den jüdischen Massen hervorgerufem hat. wollte man doch keinen Krieg mit Deutschland. Die jüdischrussischen Revolutionäre traten für den Frieden ein, und der sozialistische „Vorwärts“ hörte nicht auf, gegen den Krieg zu wettern; auch Dr. Magnes hat sich durch eine mutige Friedensrede in einer großen Versammlung ausgezeichnet. Die Kriegshetze gewann aber dennoch die Oberhand. Auf einer großen Versammlung der jüdischen Gemeinde am 1. Mai d. J., der ich als Abgeordneter beiwohnte, wurde eine patriotische Kundgebung veranstaltet. Schiff, Marshall, Mack u. a. hielten patriotische Reden, nur einer der stets vorzüglich und zur rechten Zeit redet, saß wortlos da, nämlich Dr. L. Magnes. Nach Schluß der Versammlung wandte er sich an mich mit folgenden herzhaften Abschiedsworten: „Saget unseren Brüdern, daß der Bruch der diplomatischen Beziehungen mit eurem Lande das Band unserer brüderlichen Liebe keineswegs zerrissen hat. Wir hoffen auf einen baldigen Frieden, der den schrecklichen Leiden ein Ende bereiten und uns die Möglichkeit einer friedlichen Zusammenarbeit verschaffen wird.“ Die jüdische Gasse hegt noch immer einen erbitterten Groll im Herzen gegen die Überpatrioten und läßt keine Gelegenheit unbenutzt, um ihren Abscheu vor dem Kriege mit all seinen schrecklichen Folgen zum Ausdruck zu bringen. Im Februar entstand im jüdischen Viertel eine Bewegung, die in Washington große Befürchtungen hervorrief. 30 000 organisierte jüdische Frauen veranstalteten eine gewaltige Demonstration, sie protestierten gegen die Teuerung der Lebensmittel und erzielten einen überraschenden Erfolg, indem die Preise vieler Lebensmittel auf ca. 50 Prozent sanken. Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Bankiers und Munitionsfabrikanten, denen der Krieg Milliarden eingetragen hat, einen bitteren Kampf durchmachen werden, sobald amerikanische Kinder als Opfer ihrer blutigen Kriegsgeschäfte fallen. Alte Amerikaner sagten mir: „Die nächste Revolution wird nicht, wie man hier behauptete, in Deutschland, sondern in Amerika ausbrechen.“ Italien und der Zionismus. Die in Amerika weilende italienische Kommission, die aus einigen der einflußreichsten italienischen Politikern besteht, gewährte einem Vertreter des „American Jewish Chronicle“ eine Unterredung, bei der wichtige Dinge zur Sprache kamen. Franzisco Saverio Nitti, der bekannte Nationalökonom und Politiker, sagte: „Vor allem möchte ich es Ihnen klar zu machen suchen, daß es bei uns keine „jüdische Frage“ gibt . . . Lassen Sie mich als Beweis einige Angaben machen: Von einer Totalbevölkerung von höchstens 60 000 Juden sind 60 Juden Mitglieder der Deputiertenkammer. Luzatti ist einer der artgesehensten und mächtigsten Staatsmänner. Malvano, als Präsident des Staatsrates, ist praktisch gesprochen, ein Diktator. Mortara ist Präsident des Höchsten Gerichtshofes!. JSonninos Machtstellung brauche ich nicht zu erläutern, da er Sekretär des Äußern im jetzigen Kabinett ist. Nehmen Sie dann Nathan, den Mayor von Rom, und General Ottolenghi, früheren Kriegsminister. Da es nun kein jüdisches Problem bei uns gibt, konnte der Zio- $erittö ber„3ugenb", SDtüncfjen, ßeffingftr. 1 %-.." | kennen 6te bie „Sugettb" bieroeitoerbreitete BUindjcner illuftriertc B5od)enfd)rift? 3Benn nidjt, bann »erlangen Sie boftenfrei eine ^robenummer ober für 80 Pfennig einen ^robebanb, bamit Sie fid) augenfdjeinlicf) oon bem reidjen 3nf)alt biefer $8od)enfcf)nft für ^unft u. #umor überzeugen, irjeeresangeijörigen können Sie keine größere tjreube bereiten, als ifjnen für 3K&. 6.— etn breimottatl. 3elbpoft=3Ibonttement eimoeifen zu laffen, benn bie „Sugenb" ift anerkanntermaßen bas beliebtere unb ocrbreitetfte buntilluftrierte 'Blatt im Selbe. Bei ginfenbung biefes Betrages nebft genauer Selbabreffe beforgt aud) ber Berlag bie ßinroeifung beim Selbpoftamt. Bezugspreis burd) Budjljanbl. ober ^oftanftalt SDtfc. 5.50.

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