Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 379 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 379 Feuilleton Die fromme Katze. Von J. L. P e r e z. Drei Singvögel waren im Zimmer, und allen dreien nacheinander machte die Katze ein Ende ... Sie war keine gewöhnliche Katze, sondern eine wirklich, wirklich fromme Seele, die nicht umsonst das weiße; gut-jüdische Kleid trug und Augen hatte, in denen sich der Himmel wiederspiegelte ... Sie war eine fromme Katze, eine reine Katze. Zehnmal am Tage wusch sie sich ... — und still fraß sie irgendwo abseits in einem Winkel. Den ganzen Tag verzehrte sie, was an Milchigem aufzutreiben war, erst wenn die Nacht herniederkam, fraß sie Fleisch, koscheres Mäusefleisch .... Und sie eilte nicht zur Mahlzeit, als sei es eine grobe Arbeit, sie packte nicht zu und verschlang nicht wie Fresser zu tun pflegen; das geschah nur mit Anstand, spielend; das Mäuschen darf noch eine Weile leben, eine Weilte; darf ein wenig herumtanzen, langsam erzittern und sein Sündengebet hersagen, damit man sprechen kann, eine fromme Katze packt nicht so zu ... . Als man den ersten Singvogel ins Zimmer brachte, fühlte sie bald Mitleid mit ihm; es faßte sie beim Herzen. „Ein so schönes, ein so kleines, ein so anmutiges Vögelchen“ seufzt sie. „soll „jene Welt“ (Jenseits) nicht sehen!“ „Und es kann „jene Welt“ nicht sehen“ — dessen ist die Katze sicher — weil es sich erstens auf „deutsche Art“1) wäscht, den ganzen Körper in einem Schüsselchen Wasser .... weil es vielleicht zweitens, wie man es in den Bauer brachte, schon ein wildes Tierchen, wohl gar ein junges, süßes und feines Vögelchen war... und bereits mehr von Dynamit als vom „Schulchan Aruch“ verstand. Allein dieses Singen, das ausgelassene Singen, das Pfeifen, das ganz zwecklose in den Himmelblicken! Das Sichhinausdrängen aus dem Bauer zur sündigen Welt, zur freien Luft, zum offenen Fenster .... Wozu saß jemals eine Katze vor einem Bauer? Wozu pfiff jemals ein Vögelchen so wie Simri ben Solu.2) „Ach, wie schade!“ — weint das fromme Herz in der frommen Katze — „es ist doch ein lebendiges Wesen, eine treue Seele, ein Funke vom Höchsten!“ Der Katze kommen Tränen. Und das ganze Unglück, weil der sündige Körper so schön, „diese Welt“ darüber — so lustig, der „böse Trieb“ so stark ist ... . Wie kann sich ein so kleines, süßes Vögelchen dem schrecklichen, großen „bösen Triebe“ entgegenstellen? . Und je länger es lebt, umso mehr sündigt es, umso größer wird seine Strafe sein .... Ha! Und ein heiliges Feuer entflammte in der Katze, das Feuer des Pinchas ben Elieser. des Priesters2) und sie sprang auf den Tisch, wo der Bauer mit dem Vöglein stand — und schon fliegen Federn ins Zimmer. *) moderne Art, deutsch gilt im Osten als „aufgeklärt“, „neumodisch“. 2) Simri ben Solu buhlte mit einer Midjaniterin und wurde nachher von Pinchas ben Flieser mit ihr getötet. Siehe: Numeri Kap. XXV 7 ff. und ■ m j Elektrolyt Enrg Hirth | Eisrgissteigtmd S In jeder Apotheke erhältlich ln: Pulverform § (zu 0.50, 2.25 und 6 Mk.); Tablettenform (zu 0.50,1.50 S und 3.20 Mk.). — Literatur S kostenfrei. — Hauptvertrieb und Fabrikation: { Ludwigs-Apotheke München | Neuhauserstr. 8. ■ SCHREIB $ BÜRO $ Abscbriliea # Diktate SIEGFRIED Indien, Schölzensir. la/ll (Kontorh.Imperial) Tel.l fjüne Herren IKLcAe uS/totimum Sfäunchen, dRaxUfnüüwstr w. Ulbert 3>iebertcf) %gj£** SOtündjen, Sürhenftr. 60 (früher Abalbertftc.) S'ernfpredjer 22261 Ueberttaljme non A3of)nungsetnrtd)tungen, Anfertigung famtlidjer ^olftermöbel unb alter einfdjlägiger Arbeiten Strobel früher über 7 Jahre bei Herrn Hof-Zahnarzt Dr. med. Brubaeher tätig Luitpoldstraße 8 Ecke Prielmayerstr. gegenüber Warenhaus Tietz. Konservierung kranker Zähne und Wurzeln. Spezialität: Plattenloaer Zahnersatz. Ganze Geblase. Erstklassige Ausführung. Zahnoperationen •■■■■■■■■■■■ mit den neuesten sohmerzlosen Mitteln. Telephonische Nr. 53011. Anmeldung erwünscht. Sprechzeit nur Werktags von 9—5 Uhr.