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Das jüdische Echo · 1917-08-24 · 34 (24.8.1917) · p. Seite 378

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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378 Das Jüdische Echo Nr. 34 bei ihnen nicht mehr als 48 Stunden währen. Der Handel mit Tuchen und Edelmetallgestenständen, Geld- und Silberwechseln war ihnen untersagt. Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts hob sich die Gemeinde allmählich wieder. Zuwachs erhielt sie namentlich 1614 von Frankfurt a. M. her infolge des Fettmilch-Aufstandes gegen den Rat der Mainstadt und 1615 infolge der Wormser Zunftwirren von der Nibelungenstadt her. 1623 wird zu Mainz wieder eine Synagoge erwähnt, 1630 ein Rabbiner, Juda Löwe aus Frankfurt. Kaum war der neue Rabbiner eingeführt, da hatte die Gemeinde die harte Schwedenzeit durchzumachen, in der die Gemeinde schwer drangsaliert wurde. Ähnliche Leiden wie durch die Schweden erlitten die Mainzer Juden 1644—1648 durch die Franzosen. 1662 wurden die dortigen Israeliten in ein Ghetto verwiesen. Schon zweihundert Jahre zuvor hatte man die Frankfurter Juden eingeengt. 1672 bauten sich die Mainzer Israeliten — zwischen den Synagogenstraßen — eine neue Synagoge. Doch waren sie nach dem Dreißigjährigen Kriege weiterhin durch kurfürstliche Anordnungen stark gehemmt. Namentlich war ihnen Wein- und Kornhandel verboten. Bis zum Ende des Kurstaates durfte die Zahl der „Schützlinge“ nicht über 101 hinausgehen. Erst die französische Revolution brachte Wandel. Während der Franzosenzeit erwirkte der Stadtrat Bamberger am 12. September 1798 die Erlaubnis der Munizipal-Verwaltung, die Judentore niederzulegen. Moses Cahn besorgte mit Hilfe eines Sappeurs die Ausführung. Das Fest, das sich anschloß, wurde mit Illumination begangen. Doch blieben die Israeliten noch lange zum guten Teil — wie die Frankfurter Juden nach ihrer Befreiung (1811) — in dem ihnen lieb gewordenen „Judenviertel“ wohnen. Als Nachbarn brachten auch die Juden in Mainz den armen Klarissinnen zu essen, weil diese durch Glockenzeichen kund gaben, daß sie keine Lebensmittel mehr hätten. Als das Kloster 1802 aufgehoben wurde, baten die Israeliten, man möge ihnen die Nachbarinnen lassen. Am 17. Mai 1808 erhielten die Mainzer Juden durch Dekret Napoleons I. die Konsistorialverfassung. Handel durften nur noch israeliten mit Moralpatent treiben. Das Patent enthielt eine Bescheinigung seitens des städtischen Ortsvorstandes, derzufolge der Handelsmann für frei von Wucher und sonstigen unerlaubten Umtrieben erklärt wurde. Außerdem wurde darin dem Besitzer vom jüdischen Gemeindevorstande gute Aufführung und Redlichkeit bestätigt. 1808 wurde den Israeliten die Annahme von Vor- und Familiennamen geboten. Ein frischer Zug ging in der Franzosenzeit durch das ganze Mainzer Judentum, dessen damaliger Rabbiner, Rabbi Herz Scheuer, geb. 1754 zu Frankfurt, ab 1768 zu Mainz, sich als Lehrer, geistliches Oberhaupt der Gemeinde, sowie als fruchtbarer Schriftführer, besonders durch seine Hohelied-Erklärung, einen Namen gemacht hat. Er starb 1822. Auch unter hessischer Herrschaft brauchten sich die Mainzer Israeliten über Mangel an Toleranz nicht zu beschweren. Es mußten aber bis 1848 die Moralpatente jährlich erneuert werden. Scheuers Nachfolger war R. Ellinger (1822—1846). Unter ihm wurde das jüdische Gemeindewesen in Hessen neu geordnet (1841). Unter Rr. Dr. Jos. Aub (1852 bis 1866), der auch als Pädagoge von Bedeutung war, wurde 1853 die große Synagoge in der Altstadt eingeweiht. Der israelitische Friedhof bei Zahl- Jbach wurde 1881 bezogen. Kurz vor dem Weltkriege, in in dem die Mainzer Juden mit ihren übrigen Glaubensgenossen in Deutschland an reger Opferwilligkeit hinter den anderen Konfessionen nicht zurückblieben, wurde in der Mainzer Neustadt der gewaltige Kuppelbau der modernen Synagoge fertiggestellt, der eine der Zierden des goldenen Mainz bildet und' auf den die Gemeinde mit Recht stolz ist. Aus kleinen Anfängen hat sich das Mainzer Judentum in dem Jahrtausende seines Bestehens trotz all der Schwierigkeiten, die sich ihm immer entgegenstellten, mächtig entwickelt und, namentlich seit der Befreiung der Israeliten, eine geachtete Stellung errungen. Zumal seine rühmliche Mitarbeit an den geistigen und wirtschaftlichen Fortschritten des letzten Jahrhunderts verdient Anerkennung. Einen bedeutenden Ruf erlangten im 19. Jahrhundert von den Mainzer Juden (außer den schon genannten Rabbinern Scheuer und Aub) der Pädagoge Michael Creizenach (1789—1842), der Vater des Dichters und Literarhistorikers Theodor Creizenach, der Großvater des Literarhistorikers Wilhelm Creizenach, und vor allem der Nationalökonom und Politiker Ludwig Bamberger (1823—1899). Zu ihrem Teile haben auch die Mainzer Juden durch ihre rührige Betätigung auf den verschiedensten Gebieten den Beweis liefern helfen, daß das Judentum der politischen Freiheit wert ist. (Frankf. Nachr.) Ohne Seifenmarken! BV Stück-Waschmittel IMS SCHNEEWEISS Kriegsamtlich genehmigt. Gleicht in Größe, Form und Farbe weißer Kernseife und wird * auch so angewendet. Vorzüglich für farbige und besonders für weiße Wäsche geeignet. In weißen Stücken von ca. 250 g 50 Stück 11.- Mk. 100 Stück 20.- Mk. mit Verpackung. Mustersendung nicht unter 30 Stück. Versand nach auswärts nur gegen Nachnahme. Ständige Nachbestellungen und Anerkennungen. 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