Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 376 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Das Jüdische Echo Nr. 34 es möglich, daß man sich nicht mit „Andersgläubigen“ in ein Boot setzen will? Die Universität hat ein Interesse an dem körperlichen Wohl ihrer Bürger und läßt sich dies auch etwas kosten. Wie stehts mit der akademischen Gldiehheit, wenn die zur Universitätskasse zahlenden Juden vom Qenuß des akademischen Rudersports ausgeschlossen werden? Ich versuchte der Sache näher zu treten. Zuerste setzte ich mich mit dem damaligen einzigen jüdischen Professor im Lehrkörper in Verbindung. Er erklärte, daß man gegen den Verein oder die Universität gar nichts unternehmen könne. Man könne den Leuten im Verein nicht vorschreiben andere Sportskameraden aufzunehmen als solche, die ihnen sympathisch seien. Ein Kampf hiergegen hieße, mit dem Kopf durch eine Wand wollen! Der einzige vernünftige Ausweg sei die Gegengründung eines jüdischen Rudervereins. Ich ging nun zu denjenigen Kommilitonen zurück, die sich vorher am wildesten gebärdet hatten und mußte erfahren, daß die Erregung zu keiner imponierenden Tat reichte. Nach kurzer Zeit war wieder alle Empörung erloschen. Ich schließe dieses Kapitel mit dem Wort eines sehr aufrichtigen Korpsstudenten, der mir, als ich unter einer auffälligen Zurücksetzung bei einer Anstellung litt, sagte: „Ich habe es einfacher als Sie, da ich bei einem der ältesten Corps Deutschlands bin. Protektion muß man besitzen. Ich mache meinen Weg!“ Solche Sätze sitzen tief beim Hörer. Sie haben mir viele Stunden meines Lebens verbittert, durch manche Stunde Kopf und Arm gelähmt. — Was Bekanntmachung. Zwieback. Auf Grund der bereits bekanntgegebenen Bedingungen können weitere Anträge auf Zuteilung von rituell hergestellten Zwieback eingereicht werden. Der Kleinverkaufspreis beträgt Mk. 1.50 pro Pfd. Kondensierte Milch. Die vorläufige einmalige Zuteilung von unter Rabbinatsaufsicht hergestellter kondensierter Milch (voraussichtlich 2—3 Dosen pro Kopf), kann beantragt werden für: a) Kranke, welche einen von der Ortsbehörde ausgestellten Milchbezugschein nicht verwenden, weil rituelle Milch nicht erhältlich ist, b) Kinder, die zwischen dem 1. September 1905 und dem 31. August 1911, c) Personen, die vor dem 1. September 1857 geboren sind. Von dem unter b und c Aufgeführten ist dem Antrag beizufügen: 1. eine Rabbinatsbescheinigung folgenden Wortlauts: „Der Antrag des (der). auf Lieferung von ritueller kondensierter Milch wird auf Grund der einwandsfrei erscheinenden Versicherung, daß er (sie) nur rituelle Milch genießt, befürwortet“ (Rabbinatsunterschrift). 2. Ein amtlicher (polizeilicher) Altersausweis. Der Preis beträgt Mk. 1.40 pro Dose. Die Anträge werden in der Reihenfolge des Eingangs berücksichtigt. Die Einreichung hat bis längstens 15. September 1917 zu erfolgen. Berlin W. 8., den 15. August 1917. Eriedrichstr. 167/168. Kriegskommission für rituelle Lebensmittel G. m. b. H. Blank. wird die Zukunft den jüdischen Akademikern bringen? Werden die Reformen im Reiche so weit durchgeführt werden, daß. man endlich dazu kommt, bei Besetzung von Ämtern und bei Gründungen von Zweckvereinen nach Anlagen, Leistungen und Charaktereigenschaften zu fragen? Bei rein geselligen Vereinen und ideellen Verbänden, die eine bestimmte Lebensanschauung und Lebensart verlangen, muß der Takt entscheiden, ob man sich überhaupt zum Eintritt oder zur Mitarbeit melden oder es unterlassen soll. Ich glaube, daß das letztere meist das richtigere sein wird. Die jüdischen Studenten aber sollten über ihre besondere Art als Juden nachdenken und sich bestreben, demgemäß Verbände zu gründen, die das feste Bewußtsein von jüdischer Vergangenheit und jüdischer Art schaffen. Durch solches Wissen um jüdische Geschichte, Ethik, Soziologie usw. entsteht gesundes jüdisches Selbstbewußtsein, das sich seine eigenen homologen Studentensitten von selbst bildet. In solchen Zirkeln gibt es Arbeit genug, die befriedigt und den Charakter stärkt, so daß der junge Student gar keine Lust verspüren wird, sich in der gedankenlosen Nachahmung fremder Art zu üben. Dies kann unseren Namen, unsere Ehre und Ansehen niemals erhöht haben, denn es machte uns schon verächtlich vor uns selbst. Daß innerlich starke Vereine in der Abwehr verächtlicher Angriffe und Anpöbeleien mehr erreichen, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Ich weiß, daß meine ernsteren Kommilitonen stets stark darunter gelitten haben, daß ihre Verbindungen eigentlich nie recht wußten, was sie sollten und wollten. Aber gegen den Strom zu schwimmen, war für den einzelnen schwer und nur die Hoffnung, daß sich die Verhältnisse ändern, hat sie bei der Fahne erhalten. In dieser unserer Zeit der Zerstörung und des Wiederaufbaues aber sollten sich alle langsam über den neuen Weg klar werden. Das Studium der Judenfrage, worüber hauptsächlich unsere nationaljüdische Presse Aufschluß gibt, und die scharfe Beobachtung des uns umgebenden Lebens zeigt uns die Richtung. Ich kann zutn Schlüsse den säumigen Kommilitonen nur den Rat geben, sich klar zu werden über ihr Verhältnis zum jüdischen Religions- und Nationalbekenntnis und endlich zur Umwelt in sozialer, wirtschaftlicher und geselliger Beziehung, dann wird das Bild des jüdischen Studenten nach dem Kriege erfreulichere Züge zeigen. Wie gern würde mancher der „Jungen“ von damals mithelfen, den neuen Bau zu errichten. Joseph Wolff. Welt-Echo Jüdische Flüchtlinge aus Palästina. Von Jerusalem trafen in Bern über Österreich etwa 90 jüdische Flüchtlinge ein. Sie waren gezwungen, Jerusalem zu verlassen wegen der im Lande herrschenden Not. Von Bern treten sie in einigen Tagen die Reise nach Amerika an. Man erwartet noch weitere Flüchtlinge in mehreren Gruppen, im ganzen noch etwa 5—600. Die Palästina-Aktion in Polen. Die Sammlung zugunsten der jüdischen Evakuieren aus Jaffa nimmt mit jedem Tag größere Formen an und ist zur Volksbewegung geworden. Mit Ausnahme zweier Zeitungen unterstützt die gesamte jüdische Presse in Polen diese Geldsammlungen. Die Aufrufe, die das zionistische Zentralbureau für Polen verlautbart hat, wurden in hunderttausenden Exemplaren verbreitet. Das Schriftstück, das ge- Freirich.