Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 34 (24.8.1917)
- Date
- 1917-08-24
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138198--01628-9074452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 34 Das Jüdische Echo 375 den russischen Zionisten gefaßten Beschlüsse, die sich gleichmäßig auf die Arbeit in Palästina und die Erlangung und Beseitigung der Autonomie in Rußland beziehen, dürfen als der deutliche Ausdruck dieser Tendenz angesehen werden.) Zu betonen, daß trotz der Golusarbeit weiter die intensivste Palästina-Arbeit geleistet werden muß, ist überflüssig. Denn die treibende Kraft des Zionismus ist nach wie vor die Überzeugung, daß nur in Palästina die jüdische Entwicklung ihren Gipfelpunkt erreichen, uns die Wiedergeburt in Zion das Ziel und die Krone des Judentums bedeuten kann. Daher: selbst wenn der Zionismus sich zeitweilig von der Palästina-Arbeit abwenden müßte und seine Kräfte lediglich der nationalen Golus- und Gegenwartsarbeit zuführen könnte, so wäre doch diese Arbeit jederzeit inspiriert von dem Streben nach der öffentlich-rechtlich gesicherten Eleimstätte in Palästina. Nur daß diese heute weniger als das Ziel, denn als der Ausgangspunkt der neuen Entwicklung erscheint. H. H. C. Äus der Studentenzeit [eines jungen Juden. Das „Jüdische Echo“ hat mit seiner Notiz über den antisemitischen Vorfall an der Würzburger Universität ein trauriges Echo in mir geweckt. Das was ich erzähle, datiert vom Jahre 1905 und wurde von mir selbst in Laufe der Jahre erlebt. Doch sage ich es im voraus, was ich an Erfahrungen im jüdischen Lager zu sagen habe, ist für midi beklemmender, denn es ist für meine jüdischen Kommilitonen in ihrer weitaus größten Zahl beschämend. Würzburg hatte damals drei Studentenverbindungen, die in der bekannten Weise entstanden sind. Das enschuldigte sie in ihren Gründungsjahren. Sie sind nach dem Ausschluß der jüdischen Studenten aus nichtjüdischen Verbindungen oder aus gemischten Verbindungen durch den Austritt nichtjüdischer Elemente entstanden. Daher erklärt es sich, daß säekeine Eigensitten hatten, sondern nur entliehene Bräuche, Lieder und Unsitten. Zu meiner Zeit war der Bestand an Aktiven der drei Korporationen in Wiirzburg nur jüdisch — und doch nicht jüdisch. Denn keinederVerbindungen nannte sich jüdisch, sie waren, wie man sagte, immer noch paritätisch. In jenen Tagen begann es nun in Deutcshland schon ordentlich unter den Akademikern zu gären. Sie wurden von einer in Österreich entstandenen Richtung des offenen Bekenntnisses zum jüdischen Stamm in innere Bewegung versetzt. Die Zentren dieser Bewegung waren aber andere Hochschulen — Würzburg schlief weiter. ln Würzburg war es so bestellt: Man wollte in eigenen Verbindungen, mit eigenen Farben, eigenen Schärpen, und eigenen Maßkrügen zeigen, daß man die anderen, judenreinen Verbindungen gar nicht nötig habe. Das war die einzige Tendenz und Berechtigung ihres Bestehens. Eine Ausnahme machte höchstens eine Verbindung, die auf ihren wissenschaftlichen Abenden bei den verschiedensten Gelegenheiten auch auf die Judenfrage und Ähnliches zu sprechen kam. Im übrigen ging auch sie in den Fußtapfen der anderen. — Ein einziges Mal kam es zu einem gemeinsamen jüdischen Abend. Es war nach dem Pogrom von Kischineff, als einige zionistische Studenten — einzelne Leute aus den drei Verbindungen — sich zu einem Komitee vereinigten zur Veranstaltung eines Wohltätigkeitskonzertes. Bei aller Geschmacklosigkeit, die darin lag, für Kischineffs Opfer singen und spielen zu lassen — jüdische Volkslieder und dgl. waren natürlich nicht auf dem Programm — war dies doch der einzige Fall wirklicher jüdischer Solidarität, wenn auch in jüdischer Form. (Auch heute noch danke ich Samson Raphael Hirsch s. A. für ein offens Wort gegen Wohltätigkeitsvergnügungen, das schon damals auf mich wirkte und leider viel zu wenig bekannt geworden ist. Sie entweihen das Mitgefühl für jene Unglücklichen, denen geholfen werden soll, oder lassen es überhaupt nicht aufkommen. Die Erhaltung des wirklich jüdischen Zedokohgefühls ist aber eine Existenfrage des jüdischen Volkes und eine Grundsäule des geistigen Judentums überhaupt.) Einige wenige Zionisten gab es damals schon. In einer Propagandaversammliung für die Alliance Israelite Universelle, die von einem Justizrat geleitet wurde und in der Herr Klausner aus Berlin sprach, traten sie einmal hervor in einer Weise, die ihnen heute noch Ehre macht. Sie besaßen nämlich den Mut, gegen einen Saal voll Andersgesinnter, als junge Leute gegen ergraute Männer, mit Feuer eine Wahrheit zu vertreten und zu verteidigen, die heute beinahe jedem geläufig ist. Sie traten dafür ein, daß internationale jüdische Organisationen nicht deutsch, französisch oder russisch geleitet werden dürften und könnten, sondern nur jüdisch, heute würden wir' sagen — hebräisch. Sie warnten vor der Alliance. Von gegnerischer Seite wurde ihnen hauptsächlich ihre Jugend, der Utopismus ihrer ganzen zionistischen Lebensanschauung und ihre ziellose Schwärmerei vorgeworfen. Zuletzt leistete man sich den damals noch gegen Zionisten erlaubten Trick, zu behaupten, man sei nicht hierhergekommen, um sich mit jungen Zionisten herumzubeißen. Da aber hatten die Veranstalter des Abends doch zu schlecht mit dem Temperament der wenigen Jungen gerechnet. Die Jungen brachten es zu einem Tumult. Man schrie: .Herr Justizrat, nehmen sie die Redefreiheit in Schutz!“ „Das will ein Justizrat sein!“ und die ganze Veranstaltung zerfiel. Diese Kämpfer waren nur eine Handvoll Leute, die große Masse der Studenten stand allen jüdischen Dingen indifferent gegenüber und zeigte nicht die geringste Initiative. Der folgende Fall mag das erläutern: Eines Tages erfuhr ich von einem mir bekannten Beamten der Universität, daß der akademische Ruderklub einen jährlichen Zuschuß aus der Universitätskasse erhielt. Er selbst könne nicht begreifen, wieso dies möglich wäre, da der Verein durchaus exklusiv war. Juden waren nicht dabei. Eine Anmeldung eines mir bekannten Juden wurde abgewiesen. Darüber regten sich meine Bekannten auf. Sie sagten sich, ein Ruderklub ist ein einfacher Zweckverein für sportliche Ziele. Wie ist jcs«xs><2x9<axs<2x9exs>3K<2x«>Qx£>ä55exs><axs)<2xs»eac£>a 1 Xgf. föayer. cPorzeffan* 1 yjlanufafciur c7lympßenburg (Kauptniederlage <7Ilünchen: ödeonspfatj 1 ® (Kunst* u. ßuxusgegenstände, Tafe(*, bessert-, jg ’A (Kaffee* u. Teegeschirre, Tiguren, Gruppen eic. K Q nacfi affen Hympdenburger Original- TKodeffen. ® (Außerdem neue Tormen und Tlodeffe nach Gnt* X würfen erster TIünebner (Künstler.