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Das jüdische Echo · 1917-08-24 · 34 (24.8.1917) · p. Seite 374

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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374 Das Jüdische Echo Nr. 34 hatten sich die damals Zusammengeströmten zu verständigen, und es mußten Worte der Aufklärung gesagt werden, die heute jedem Kinde geläufig sind. Hat doch in den letzten zwanzig Jahren die Wiedererweckung und Pflege der jüdischen Kultur eine gewaltige Förderung erfahren. Man spricht heute nicht nur in Palästina, sondern in weiten jüdischen Kreisen des Qolus Hebräisch, eine neue Art der Geschichtsbetrachtung ist aufgeblüht, die jüdische Literatur hat nicht allein Werke von Weltbedeutung geschaffen, sondern ist auch in Kreise eingedrungen, die früher nicht einmal wußten, daß es etwas derartiges gab, und auch das jüdische Lied beginnt über seinen früher eng begrenzten Rahmen hinauszustreben. Das alles sind nur Begleiterscheinungen einer Bewegung von ungeheuerer Tragweite: der beginnenden nationalen Organisierung der jüdischen Massen in der Diaspora. Am deutlichsten erkennbar ist dieser nationale Zusammenschluß im Osten. Hier hat sich die Arbeiterschaft nach nationalen Gesichtspunkten zu organisieren begonnen, hier wurde das Schulwesen auf eine nationale Basis gestellt, hier erheben heute Zionisten und Nichtzionisten gemeinsam die Forderung nach nationaler Autonomie. Auch in dem ungeheuren Abflußbecken für die Ostjudenheit, in Amerika macht sich eine immer stärker werdende Gruppierung nach nationalen Gesichtspunkten bemerkbar. Aber auch in Westeuropa beginnen nationale Tendenzen im Leben der Judenheit hervorzutreten. Organisationen, die früher durchaus im Zeichen der Assimilation standen und kaum mehr als eine Antwort auf den Antisemitismus bedeuteten, beginnen, sich mehr und mehr mit jüdischem Geist und Inhalt zu erfüllen. Und was das wichtigste ist: man beginnt in Berlin, in Wien, in Prag, im Haag und in zahlreichen andren Orten die jüdische Fürsorgearbeit aus der Sphäre der Philanthropie herauszuheben und sie als nationale Pflicht, als Mittel nicht nur zur Abhilfe von Bettlernot, sondern zur Heilung des gesamten Volksorganismus aufzufassen. Besonders stark macht sich das Streben nach nationaler Organisation im Schulwesen bemerkbar, und wenn die Entwicklung in den bisherigen Bahnen fortschreitet, dürften wir in den nächsten Jahrzehnten jüdische Schulen, jüdische Berufsorganisationen, jüdische Finanzinstitute, jüdische Interessenverbände erstehen sehen, die sich zu einem ganzen System jüdischer Kultur vereinigen werden. Das alles ist in den letzten zwanzig Jahren entstanden, und es wäre unbillig, wenn man etwa behaupten wollte, daß diese Bewegung sich unabhängig von der zionistischen Idee vollzogen hat. Man muß vielmehr anerkennen, daß der Zionismus hier eine entscheidende Rolle gespielt hat. Wohl hat man sich in den Jahren, da man der baldigen Erlangung des Charters entgegensah, von der Gegenwartsarbeit zurückgehalten und erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit mit ihr begonnen. Aber die Weckrufe, die der Zionismus in die jüdischen Massen gerufen hat, haben ihre Wirkung gehabt, und selbst die. welche den Zionismus wegen seiner Konzentration auf das palästinensische Ideal bekämpften, sind an ihm erstarkt und haben das Wort erfüllt, das Herzl beim ersten Kongreß in die Menge hineinwarf: „Rückkehr zum Judentum, vor der Rückkehr in das Judenland!“ Es könnte nun so scheinen, als ob dieser Sieg der Bewegung dadurch erkauft wurde, daß der Zionismus sein eigentliches Wesen verwandelt, sein ursprüngliches Ziel der Wiedergeburt in Zion dem Ziel einer Wiedergeburt im Golus zum Opfer gebracht hat. Diese Annahme wäre grundfalsch. Noch immer heißt das letzte Ziel des Zionismus: Zion. Allerdings hat der Zionsgedanke sich in den letzten zwanzig Jahren gewaltig vertieft, so sehr vertieft, daß die Frage der Unterbringung aller Juden in Palästina, die Lösung der materiellen und seelischen Judenprobleme, die Sehnsucht, die nationale Einheit des jüdischen Volkes auch durch seine Begrenzung auf ein bestimmtes Territorium zu befestigen, zurückgetreten sind hinter dem Streben, in Palästina der Judenheit ein Zentrum zu geben, an dem sich seine höchsten geistigen und moralischen Potenzen sammeln und zu höchster Blüte entfalten können. Immer mehr hat in den Geistern der Gedanke eines nationalen Zentrums in Palästina Wurzeln geschlagen, das die Strahlen seiner Kultur über den ganzen Erdball aussenden, nicht nur um seiner selbst willen, sondern auch für das Golus dasein und nicht nur auf das Judentum, sondern letzten Endes auf die Menschheit einwirken soll. Dieser vertiefte Zionsgedanke rechnet mit der Fortdauer beträchtlicher jüdischer Massen außerhalb Palästinas und beruht auf der wachsenden Einsicht, daß das palästinensische Zentrum auf lange hinaus nicht die Aufgabe haben kann, das Golus zu beenden. Mit der Zunahme dieser Erkenntnis mußte der Zionismus sich immer stärker der Gegenwartsarbeit zuwenden, denn er mußte immer mehr darauf bedacht werden, an den in Zion erstrebten Reformen sozialen und kulturellen Lebens auch die Juden des Golus teilnehmen zu lassen. Nach einer zwanzigjährigen Entwicklung dürfte der Zionismus heute in eine Phase eingetreten sein, in der er nicht mehr nur auf das Zeichen zur Verpflanzung gewaltiger Judenmassen nach Palästina wartet und an den jüdischen Problemen des Golus vorbeigeht, sondern in der er sich den Bestrebungen zur Nationalisierung und Organisierung der Massen im Golus anschließen und am Zusammenschluß der Juden auf nationaler Grundlage intensiv mitarbeiten muß. (Die kürzlich von Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. •Die „WIRKLICHKEIT” W 7«U»<,U.:U fn. DaaL( Herausgeber: t t s Die „Wirklichkeit" ist die einzige politische Wochenschrift) welche von sich s«gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit" ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probehefte beim Verlag, München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216 a), der Buchhandel nehmen wie sie sind, den Sinn für das geschichtlich Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt beute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. und der Verlag-

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