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Das jüdische Echo · 1917-08-24 · 34 (24.8.1917) · p. Seite 373

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
34 (24.8.1917)
Date
1917-08-24
Page
Seite 373 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 373 gesamte jüdische Kultur als unnötigen Ballast von sich zu werfen. Denen, die überhaupt noch Zeit zu religiöser Vertiefung fanden, öffneten sich drüben Tempel von ultramodernem, reformiertem Gepräge, in denen ihnen der letzte Rest von Jiidischkeit geraubt und statt dessen eine flache amerikanische Utilitätsformel vorgesetzt wurde. In Palästina beteten sich Greise und Bettler an der Klagemauer zu Tode und entwickelten ein immer komplizierter werdendes System internationaler Bettelei. Hier bestanden wohl schon einige Ackerbaukolonien, die von Choveve-Zionisten und Freunden jüdischer Landarbeit gegründet worden waren, aber diese Siedelungen waren unzusammenhängend, wenig lebenskräftig und durch keine gemeinsame Idee zusammengehalten. Das Judentum befand sich in einer Periode beängstigend raschen materiellen und geistigen Niederganges. Da ertönte das schmetternde Signal zur Sammlung der verstreuten Kräfte, das Theodor Herzl mit seinem „Judenstaat“ und später mit seiner Agitation für den Kongreß in die Welt hinausrief. „Wir sind ein Volk, ein Volk!“ klang es dem in Auflösung und Verwirrung begriffenen Judentum in die Ohren; „wir sind krank geworden im Golus, und müssen zurückkehren in unsere Heimat um zu gesunden!“ Das Wort brachte weite jüdische Kreise zur Besinnung und und entzündete in ihnen den feurigen Willen zur Tat. In Basel, in den letzten Augusttagen 1897 versammelten sich — zum ersten Male in der jüdischen Geschichte — Juden aus aller Herren Ländern, aus allen gesellschaftlichen und geistigen Schichten, um dlie Lehre von der neuen, der nationalen Zusammengehörigkeit der Juden von einer weithin sichtbaren Tribüne in die Menschheit hinauszurufen und die ersten Schritte zur Verwirklichung des als messianischer Gedanke uralten und als „Zionismus“ ganz neuen jüdischen Volksideals zu tun. Beides gelang. Man einigte sich auf diesem Kongreß auf das Arbeitsprogramm, das der Welt als Basler Programm bekannt ist, und man schuf in dem ersten Aktionskomitee (in das Herzl, Schnirer, Kokesch, Johann Meyer und, da Birnbaum ablehnte, Dr. Mintz gewählt wurden) dem jüdischen Volk, das im Kongreß seine erste Legislative erhalten hatte, seine erste Exekutivbehörde. Zwanzig Jahre also ist es her, daß der Zionismus sein Programm und seine erste Organisation erhalten hat, und wir Heutigen müssen uns Rechenschaft darüber geben, ob das was damals von der Baiser Tribüne aufstieg, nur eine glänzende Rakete war, die einen Augenblick lang die Golusnacht des jüdischen Volkes erhellte, um dann wieder ins Nichts zurückzusinken, oder ob hier dem Volke eine neue Sonne aufgegangen ist, an deren Strahlen seine Kräfte zur Reife gelangen. Freilich, die „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte“ ist bisher nicht erreicht worden. Wohl entstanden nach den Jahren der ersten tiefen Enttäuschung über die Nichtcrlangung des Charters in verschiedenen Teilen Palästinas Kolonien, die zu erfreulicher Blüte gelangten und heute — hätte nicht auch hier der Krieg verheerend gewirkt — einigen Tausend Menschen Arbeit, ausreichenden Erwerb und ein natürliches, friedliches Leben auf dem Boden der alten Volksheimat gewähren, dabei der Welt zeigen würden, was der Jude unter normalen Bedingungen zu leisten vermag. Aber niemand ist darüber im Zweifel, daß diese Arbeit, im bisherigen Tempo und Maßstab fortgesetzt, nicht die geringste Aussicht dafür bietet, daß Palästina in berechenbarer Zeit Millionen von Juden eine Heimstätte werden kann. Allerdings sind gerade in der allerjüngsten Zeit Ereignisse eingetreten, die uns mit der Hoffnung erfüllen, daß nach dem Kriege das ganze palästinensische Werk auf eine neue Stufe der Entwicklung gehoben, daß es von der einen oder der andren der jetzt miteinander kämpfenden Mächtegruppen eine gewaltige Förderung erfahren und nicht mehr, wie bisher, mit Dutzenden, sondern mit Hunderten oder Tausenden von Einwanderern wird rechnen dürfen. Aber — unsere in 20 Jahren gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen bezüglich Palästinas haben es uns gelehrt — selbst wenn dieser Umschwung eintritt, wird Palästina nicht das werden was man in den Tagen des ersten Kongresses erträumte: die Lösung der gesamten Judenfrage innerhalb weniger Jahre. Also wäre der Zionismus ein trügerisches Ideal gewesen, das nun endgültig Bankerott gemacht hat? Nur in den Augen jener, die sowohl von dem Lande Palästina wie von der Kraft der jüdischen Arbeiter Unmögliches verlangten. Wer aber den Zionismus versteht als eine Revolutionierung der Geister, den Anstoß zur Organisierung der jüdischen Massen, als die Wiedergeburt der jüdischen Seele, die aus der Zionsliebe entstand, der darf sagen: der Zionismus hat gesiegt! Eine deutliche Vorstellung von diesem Siege erhält man, wenn man die auf dem ersten Kongreß gehaltenen Reden durchliest und den damaligen Stand jüdischer Kultur mit dem heute erstrebten und erreichten vergleicht. Man mußte viele Reden damals halten, denn man mußte sich einander gewissermaßen erst vorstellen. Noch wußte man nicht Bescheid über die äußere Lage und innere Konstruktion der Juden in den einzelnen Ländern, über gewisse Anomalien der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage der Juden aller Län- "3er, man sprach noch keine gemeinsame Sprache, hatte keine gemeinsame Literatur und Kunst, ja, inan mußte noch nicht einmal über die Möglichkeiten Palästinas Bescheid.. Über all diese Fragen °<S' eilt ’rr JA Vertag: ,/Öie 29efü£tfera(ur CQJattfjer <£. ». £irtf)) Elün^en : TA m

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