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Das jüdische Echo · 1917-08-17 · 33 (17.8.1917) · p. Seite 366

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 366 (sequence 10)
Language
German
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366 Das Jüdische Echo Nr. 33 tum ihrer Ansiedlung: nachweisen. Während diese zerstreuten Kinder Israels den Handelsvorteilen Nürnbergs wenig Gefahr drohten, mußten Rat und Stadt kaum drei Jahrzehnte später den Schrecken erleben, daß einige der unternehmendsten und wohlhabendsten Glieder ihrer verjagten Judengemeinde sich unter fürstlich Ansbachischem Schutz in dem so nahen Fürth niederließen. Keine Bitten und Vorstellungen vermochten die menschenfreundliche Regierung Georgs des Frommen, sowie das Bamberger Domkapitel, das dessen Beispiel befolgte, von dem einmal verheißenen Schutz wieder abwendig zu machen. Das war von jeher ein Vorzug und Segen aller Brandenburg'ischen Herrscher, daß sie stets bei zwistigen Religionsangelegenheiten der Völker das Urteil, wie Kaiser Maximilian II. empfahl, Gott überließen und den Verfolgten beider Parteien in ihren Ländern Zuflucht, vollsten Schutz und menschliche Duldung gewährten. Daher liefert auch kein Land einen deutlicheren Beweis, daß man bei jeder Verschiedenheit der Ansichten von göttlichen Dingen doch ein vollkommen guter Mensch und Bürger sein könne, keines ein schöneres Beispiel des friedlichsten und freundlichsten Zusammenlebens aller christlichen Religionsparteien unter sich und mit den Bekennern des Mosaismus. Aber auch in keinem andern rennt jeder ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses freudiger mit Gut und Blut zur Hilfe herbei, wenn das Vaterland in Gefahr ist. Was half es, daß Maximilian I. in dem nämlichen Freiburger Verweisungsmandat den christlichen Nürnbergern gebot, zum Ersatz der Juden Wechselbänke in der Stadt Nürnberg an gelegenen Enden aufzurichten und mit Schreibern, Amtleuten und anderen Personen nach ihren Notdürften, Willen und Gefallen zu besetzen, daß sie ihren Mitbürgern und Inwohnern, die ihr Handwerk, Hantierung und Gewerb außerhalb Entlehens und Versetzens stattlich nicht wohl getreiben könnten, wann und so oft sie wollen, auf ihr Ansuchen und Begehren nach Gelegenheit ihrer Handlung und Notdurft Geld leihen und darum Pfand, Bürgschaft und Versicherung nehmen, auf Zeit und Ziel zu bezahlen, und dann ein ziemliches an Zins zu erfordern und einzunehmen und von denselben Zinsen die obenberührten Amtleute und Ausrichter solcher Wechselbank ihres Solds und Arbeit zu entrichten, und ob alsdann derselben Zinsen Übermaß wäre, dieselben Zinsen zu gemeinem Nutzen und Gut der Stadt Nürnberg wenden und kehren mögen?“ Gestand doch der Kaiser durch die vorgeschlagenen Schreiber, Amtleute, Ausrichter usw. und durch die für die Staatseinkünfte eröffnete noch gefährlichere Aussicht auf Überschuß aus den Zinsen selbst unverhohlen die maßlose Umständlichkeit und Kostspieligkeit aller Einrichtungen dieser Art. Dazu kommt noch die allbekannte Scham der meisten Hilfsbedürftigen vor solchen bei Leihhäusern angestellten Beamten, weswegen sie, um vor jenen unerkannt zu bleiben, zu dem Anlehengeschäft die unzuverlässigsten und doch kostspieligsten Unterhändlerinnen beauftragten. Und doch müssen sie nach wenigen Tagen Zahlungsverzug ihre ihnen oft sehr lieben Pfänder öffentlich an den Meistbietenden weit unter dem Wert, wenn nur die Leihanstalt ihre Forderung gedeckt sieht, losschlagen sehen. Daher fuhren auch nach der Ausschaffung der Juden die hilfsbedürftigen Nürnberger allen obrigkeitlichen Verboten und Strafandrohungen (bis zu 50 fl. noch 1621) zum Trotz fort, dieselben mit großem Zeitverlust in den benachbarten Ortschaften aufzusuchen. Ja, die Vornehmem luden sie sogar in ihre Gärten vor der Stadt, um mit ihnen, wenn gleich kostspieliger, doch bequemer zu verkehren, und als die Fürther Judengemeinde zahlreich genug geworden war, bildeten sich in den Vorstädten Wörth und Gostenhof förmliche Pfandniederlagen für die Fürther Hebräer, wie die Verbote des Rats von 1566 besagen. Diese Verbote mußten sich sogar auf den Einkauf des von den Juden nach ihren Speisegesetzen verschlagenen Fleisches erstrecken, welches als wohlfeiler und doch besser von den ärmeren Einwohnern Nürnbergs begierig gesucht wurde. Am Ende wußte der Rat selbst, um seinen Fleischmarkt mit gutem Rindfleisch zu versehen, kein zweckmäßigeres und nachhaltigeres Mittel, als den Besuch seiner Viehmärkte auch den Nachkömmlingen seiner verbannten Juden zu erlauben, von welcher Zeit, das heißt, seit Jahrhunderten sie den Rat und die Stadt reichlich mit gutem Schlachtvieh versorgen. Überhaupt läßt sich beurkunden, daß der Handel Nürnbergs genau zu der Zeit der Judenausweisung seinen Wendepunkt erreichte, da ihm auch von jener Zeit an zum wenigsten die Hälfte der benötigten Kapitalien fehlte, und der von nun an sichtbare Verfall desselben, den man gewöhnlich der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch die Portugiesen zuschreibt, muß weit richtiger auf Rechnung des von nun an mangelnden Spekulationsgeistes der Juden gesetzt werden. Wie sollten auch einige zwanzig portugiesische Schiffe, die in den ersten Jahrzehnten ihre liebe Not hatten, in Ostindien Niederlassungen und Handelsverbindungen zu gründen, den mehr als dreihundertjährigen Handelsweg über Alexandrien und die oberitalienischen Häfen so schnell verödet haben? Jene vermochten anfangs kaum, den Markt Portugals und der benachbarten Länder Spanien und Frankreich zu versorgen. Auch weiß Venedigs Handelsgeschichte nichts von einer so plötzlichen Veränderung, sondern lieferte Nürnberg noch viele Jahrzehnte dieselben Erzeugnisse, jedoch wegen der beginnenden portugiesischen Konkurrenz zu immer niedrigeren Preisen. Von jener Zeit an beginnt dahef auch das grenzenlose Schuldenmachen des Nürnberger Rates, wodurch er den Schein dauernder Blüte auf Kosten der Nachwelt zu behaupten suchte und in dieser Kunst es endlich so weit brachte, daß die Schulden dieses in seiner volksreichsten Zeit kaum siebzigtausend Menschen fassenden Ländchens zu der schwindelnden Höhe von neunzigmal hunderttausend Gulden stiegen, für welchen Preis die damalige preußische Regierung die Annahme der von dem verzweifelnden Nürnberg 1796 selbst angetragenen Unterwerfung weislich verweigerte. Folglich handelte der Rat von Nürnberg durch die Ausschaffung der Juden von 1499 dem Handelsvorteil seiner Gemeinde aus Befangenheit schnurstracks entgegen. Äber dawncn (beten) muß män doch. Von J. L. Perez. Berl, der Schneider, kann es kaum erwarten, bis sein Sohn, der Doktor, nach Hause kommt. Daheim wird er eine Praxis haben, man muß schon krank werden. Der Sohn kommt am Freitag, und am Schabbes will ihn der Vater mit zum Dawnen nehmen. „Ich will nicht gehen, Tate!“ sagt der Doktor. „Was, schämst dich mit mir zu gehen?“

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