Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 33 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 365 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 365 ternehmen in einem Briefe an die Herausgeber falgendermaßen: „Ich habe den diesjährigen Nationalkalender langsam und sorgfältig gelesen. Ich glaube, daß man die Wichtigkeit dieses Buches in einer Beziehung, der innerpolitischen nämlich, gar nicht genug hervorheben kann — wobei ich innerpolitisch auf die innere Politik des Judentums beziehe. Ich fasse alle Artikel, die in dieser Richtung wirken wollen, zu einer einzigen, sehr nachdrücklichen Kundgebung zusammen, und sage; daß ich alle die Autoren beneide, die jetzt darauf hinwirken können, daß die Juden einmütig in Aktion treten und positiv helfen, anstatt sich in zerteilenden Komitees zu schwächen oder gar den Seelen der Einzelnen Hilfe bringen wollen, während der Körper des Volkes verdirbt. . . “ Das auch heuer vornehm ausgestattete, im bekannten Feldpostformat erscheinende Jahrbuch kostet bei Vorausbestellung K 3.80 M. 2.90 einschließlich Porto. Bestellungen sind gegen Nachnahme (oder Vorausbezahlung an das österreichische Postsparkassenkonto 152.492) zu richten an den Verlag der Jüdischen Zeitung in Wien. II/'l., Zirkusgasse 33. Zeitungs-Echo Jüdische Kriegsnot. In einem Aufsatz über das befreite Tarnopol schreibt der Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung“ Dr. Fritz Wertheimer: Von größeren öffentlichen Gebäuden sind ziemlich unversehrt die beiden als russische Lazarette benutzten ruthenischen und polnischen Gymnasien sowie die Realschule und das Stadthaus, das Postgebäude, das Justizhaus, in welchem der Stab des 18. russischen Armeekorps einst lag und später das Lazarett des russischen Städtevereins sowie die Intendantur untergebracht waren. Im Innern sind aber auch alle diese Häuser ausgeraubt. Die großen Fabriken, Mühlen, Brennereien. Brauereien sind samt und sonders gesprengt, soweit sie nicht schon im Jahre 1915 zerschossen wurden, als die österreichisch-ungarische Front bis zu 15 Kilometer vor Tarnopol herankam. Alle Straßen liegen in Trümmern, alle Privathäuser sind zerstört. Die jüdische Geschäftsstraße! (diie Perlstraße), die Hauptstraße (Miechiewiczstraße), die Straße des 3. Mai, alle sind rauchende Trümmerhaufen, aus denen noch die Rauchschwaden emporsteigen. Die freiwillige FeueVwehr arbeitet jetzt mit aller Kraft. Unter mächtigen Staubwolken stürzen fortwährend Mauern ein. In den Straßen wälzt sich der Strom der Menschen, meistens Juden. Tarnopol hatte 40 000 Einwohner, davon zwei Drittel Juden, die über jeden durchkommenden Stab, die Reiter und die singenden Trupps Infanterie in immer erneute Hochrufe ausbrechen. Die Leute sehen entsetzlich aus. Seit fünf Tagen sind sie aus den Kellern nicht herausgekommen, sind sie ungewaschen. Die meisten haben weder Hab noch Gut. Noch am Freitag Morgen hatte man keine Ahnung hier, was passierte. Erst nachts begannen die Russen ihre Depots, so gut es ging, zu räumen und den Rückzug vorzubereiten. Am Samstag ließ der Generalkommissar der russischen Republik, Krasoski, den Bürgermeister rufen und beauftragte ihn mit der sofortigen Gründung einer Zivilmiliz. Am Abend würden die Deutschen kommen. Von diesem Augenblick an setzte das zügellose Rauben, Morden, Plündern und Brennen ein, an dem sich nicht nur Kosaken, sondern auch reguläre Truppen und zwar Mannschaften wie Offiziere beteiligten. Es gibt keinen Laden in Tarnopol, der nicht — von Samstag an hielten alle Läden geschlossen — erbrochen worden wäre. Die Waren wurden weggebracht oder auf die Straße geworfen und angezündet. Die Soldaten stürzten in die Häuser, riefen „Hände hoch!“ und nahmen in Ruhe Geld und Wertsachen. Wer nicht parierte, wurde erbarmungslos niedergeschossen. Ich selbst sah heute früh noch Leichen von Zivilisten in den Straßen liegen. Die Angaben schwanken, wie viele Einwohner getötet wurden; die einen sagen 80, die anderen nennen Zahlen bis 300. Aber auch die noch Lebenden sind einfach Bettler. Ich sprach einen angesehenen Rechtsanwalt, der nur noch besitzt, was er auf dem Leibe trägt, Großkaufleute und einstmals reiche Juden, denen es nicht besser geht. Sicherlich wird ja aus d;en Kellern und Verstecken der Juden noch manches zutage kommen. Aber am Gesamtbild ändert das nichts. Feuilleton Über die ehemalige Judengemeinde in Nürnberg. Von Lor. Fried. Richter, Gymnasialprofessor zu Erlangen. (Fortsetzung.) Ein Teil der Vertriebenen wandte sich nach Frankfurt a. M., wo eine aufgeklärte Regierung und Kaufmannschaft schon längst zu der Überzeugung gekommen war, daß die unermüdliche Erwerbtätigkeit der Juden ein unentbehrlicher Hebel der Handelsblüte jedes Volkes sei, so daß Erstarrung alles Unternehmungsgeistes in Handelsangelegenheiten am schwersten sofche Länder strafe, welche sie, wie die Pyrenäische Halbinsel, völlig verscheuchten. Der andere Teil suchte Unterkunft in den benachbarten freundlichen Ansbachischen, Bayreutischen und Bambergischen Ortschaften, und man kann von den meisten Judengemeinden in diesen Plätzen kein höheres Alter- Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg , grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; »Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Grdbto Fabrik und Verlelhanstalt dieser Art in Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zelten u. allen Ländern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Ableitungen. Reiches Lager In Waffen und Ausrüstungen. Vollständig neuzeitlich eingerichtet und umgebaut. Spezialität; Ganze Ausstattungen für Theaterstücke u. Filmaufnahmen SflT Spezialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos zur Verfügung.