Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 33 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 364 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Das Jüdische Echo Nr. 33 wiederum der Welt ein bemerkenswertes Beispiel von großherziger Wohltätigkeit. Er hat sein eigenes Haus zum Verkauf gestellt, dessen Wert von 350 000 Dollars dem 10 Millionen Dollar-Fond zufließen soll. Die S. S. und Palästina. Nach einem zwölfjährigen erbitterten Kampf gegen das Palästina-Ideal, haben die amerikanischen Territorialsten folgenden Beschluß gefaßt: „Die 7. außerordentliche Konferenz der Sözialisten-Territorialisten bleibt ihrem alten Standpunkt treu, der sie auf keine prinzipielle Forderung oder Gegnerschaft einem bestimmten Territorium gegenüber festlegt. Sie erkennt aber an, daß die Forderung einer jüdischen Republik in Palästina, wie sie gegenwärtig von der öffentlichen Meinung der ganzen Welt gestellt wird, jetzt die einzige Möglichkeit ist, den nationalen Willen des jüdischen Volkes nach einem selbständigen Leben auf einem eigenen Boden zum Ausdruck zu bringen. Die Konferenz beschließt daher, im Verein mit den anderen Elementen des jüdischen Volkes, die ebenfalls an der territorialen Lösung der jüdischen Frage Interesse haben, die Palästinaforderung auf die Tagesordnung des Kongresses zu setzen und für die Aufrollung dieser Forderung auf dem internationalen Friedenskongreß zu sorgen.“ Derselbe Beschluß wurde von den S. S. Englands gefaßt. Ein italienischer Rabbinerverband. Einen Fortschritt in der Nationalisierung der Juden Italiens bedeutet die Gründung eines italienischen Rabbinerverbandes, dessen erste Sitzung am 26. und 27. Juni in Bologna stattfand. Die Referate enthüllten ein trauriges Bild von den Zuständen in den jüdischen Gemeinden Italiens. Es wurde betont, daß hier nur auf eine Weise Besserung erzielt werden könne, nämlich durch systematische, jüdische Erziehung der lieranwachsenden Generation. Zum Schluß der Verhandlungen gab man der Hoffnung Ausdruck, daß man durch den Zionismus die dem Judentum entfremdete Ju^’M zurückgewinnen werde. Jüdischer Kongreß in Saloniki. Am 10. Juni fanden in Saloniki die Wahlen zum jüdischen Kongreß statt, die in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung lebhaftes Interesse hervorgerufen haben, was aus der regen Beteiligung — 15 000 Stimmen wurden abgegeben — ersichtlich ist. Dieser Erfolg, der die kühnsten Erwartungen übertrifft, ist den Bemühungen der „Organisationsgruppe des jüdischen Kongresses in Saloniki“ zu verdanken, die durch ihre Konferenzen, öffentlichen Vorträge in der jüdischen Bevölkerung die Liebe zum jüdischen Nationalismus erweckt und die Massen aus ihrem Indifferentismus geweckt hat. Die Wahlen können als Bekenntnis der jüdischen Bevölkerung zum national-jüdischen Programm betrachtet werden. Ein Geschenk für die Jerusalemer Bibliothek. Der Konferenz der russischen Zionisten teilte W. R. Jakubsohn mit, daß die berühmte Bibliothek des verstorbenen Baron David Günzburg in Petersburg für eine Million Mark gekauft und der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem geschenkt worden ist. Diese außerordentlich wertvolle Sammlung, die von drei Generationen von Mäcenaten und Gelehrten mit viel Wissen, Liebe, Fleiß und Weitherzigkeit angelegt worden ist, ist auf den Gebieten Hebraika und Judaika eine der reichsten und kostbarsten Bücher-, Handschriften- und Antikensammlungen in Europa. Das Geld für die hochherzige Schenkung wurde von Baronin Günzburg (100 000 Rubel), Familie Slätopolsky- Persitz (100 000) und einigen anderen zionistischen Mäcenaten gespendet. Äus einem Brief aus Polen. K„ 18. VII. 17. Lieber Herr X.! Mein Aufenthalt ist noch immer in K.. die medizinische Arbeit bietet das gleiche, eintönige Einerlei. Die Juden leiden unter den von Tag zu Tag knapper und teurer werdenden Nahrungsmitteln furchtbar, setzen auf ihre Waren geradezu erschreckende, durch die Nöte der Zeit aber zum größten Teile bedingte Preise und tragen dadurch wenig dazu bei, sich bei den Militärpersonen beliebt zu machen, so daß ich oft Gelegenheit habe, die Dinge richtig zu stellen. Zu Herzl’s Jahrzeittag hielt man eine kleine Haskoroh in der Synagoge ab, wo El mole rachamim gesungen und einige Ansprachen gehalten wurden. Die Hatikwah beschloß die Feier. Wie entzückt war ich, als ich dieser Tage eine Bekanntschaft machte, von der ich Ihnen im Folgenden kurz berichten will. Der Zufall brachte mich in das Haus eines alten Raw, der seit etwa fünf Jahren aus der Grodnoer Gegend hierher verzogen ist, also ein Litvake. Ein hoher, weißbärtiger, patriarchalischer Mann mit Peies und Käppchen sitzt inmitten seiner Seforim und studiert Tag und Nacht, er zeigt mir einige selbstverfaßte Werke, Kommentare zum Chauschen Mischpod und unter anderem eine Reihe noch nicht gedruckter Manuskripte, mit einer wundervoll sauberen, älteren Schriftart, die mich an mittelalterliche Psalterhandschriften gemahnt. Sohn und Tochter vollständig modern erzogen, sprechen perfekt hebräisch und bringen eine solche hervorragende Allgemeinbildung mit, daß ich mich vergeblich nach etwas Ähnlichen im lieben Deutschland umschaue. Überhaupt dieser Gegensatz, der Alte, Vertreter des verknöcherten, unwandelbaren Schrifttums und die Jungen, Vertreter eines neuen jüdischen Typus mit Kenntnis des ganzen klassischen Judentums, daher ein herzliches, ungestörtes Familienleben, eine gegenseitige Hochschätzung und Verehrung. Wäre das bei uns möglich? Nun habe ich viel erzählt. Ich hoffe Sie nicht ermüdet zu haben. Lassen Sie mich bald wissen, wie es Ihnen geht. Weiterhin gute Zeit. Den politischen Ereignissen in Deutschland sehe ich mit größter Spannung entgegen. Mit treujüdischem Gruße bin ich Ihr K. R. literarisches Echo Jüdischer National-Kalender 5678. Am 1. September erscheint zum dritten Male im Verlag der Jüdischen Zeitung in Wien unter der bewährten Redaktion von Otto Abeies und Ludwig Batö der Jüdische Nationalkalender. Die beiden früheren Jahrgänge haben allgemein eine so gute Aufnahme gefunden, um mit Fug erwarten zu lassen, daß auch die neue Folge allseitiges Interesse erwecken wird. Arnold Zweig, der im deutschen Schrifttum wie in unseren Kreisen geschätzte Dichter, äußerte sich voriges Jahr über das Un-