Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 33 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 363 Die 2. Resolution, die durch eine Verquickung der reaktioären Umtriebe mit den antisemitischen Hetzen veranlaßt wurde, lautet: „Die andauernde Rechtlosigkeit der Juden in Rußland und die antisemitische Hetze, welche die alte Regierung beständig, besonders aber in der Kriegszeit geführt und unterstützt hat, führte dazu, daß der Menschenhaß und das Mißtrauen tiefe Wurzeln in den Volksmassen geschlagen hat. Die Gegenrevolution, diie nicht im Stande ist, den offenen Kampf zur Herstellung des alten Regimes zu führen, bemüht sich, den Aberglauben der Massen auszunutzen, um die Aufmerksamkeit des Volkes von den wahrhaften Ursachen des Krieges abzulenken und den Zorn der Massen auf die Juden zu richten. Diese antisemitische Agitation unter der Maske radikaler Forderungen bildet eine große Gefahr für das jüdische Volk und die heilige revolutionäre Sache. Es droht die Gefahr, die Volksbefreiung in Bruderblut zu ertränken und einen schwarzen Schatten auf die ganze Volksbewegung zu werfen. Im Interesse der Volksmassen und der Ehre der Revolution fordert deshalb die revolutionäre Demokratie energische Bekämpfung jeglicher judenfeindlichen Aufreizungen. Der russische Kongreß Her Arbeiter und Soldaten fordert die lokalen Räte auf, ein wachsames Auge auf die Tätigkeit der antisemitischen Gruppen und Agitatoren zu richten und eine unermüdliche Aufklärungsarbeit in Wort und Schrift zu leisten. Der Kongreß empfiehlt dem Zentralkomitee die Herausgabe entsprechender Literatur betreffs der Judenfrage.“ Im Namen der iüd. Soldaten der Nord- und Westfront überbrachte ein jüdischer Delegierter dem Rat der Arbeiter- und Soldatcndeputierten den Ausdruck des stärksten Vertrauens. Der Redner schilderte dann die Hoffnungen, die die Juden, wie die anderen Minoritäten, auf ein künftiges demokratisches Rußland setzen, und schloß seine Begrüßung mit den Worten: „Während alle Nationalitäten Rußlands ihre Rechte auf bestmmtem territorialem Gebiete fordern, sind wir in unzähligen Teilen unter aller Herren Länder zerstreut. Ich glaube fest, daß die russische Demokratie die Judenfrage in ihrer ganzen Tiefe erfassen und während des Friedenskongresses die Forderung aufstellen wird, dem jüdischen Volk das Recht auf Palästina, mit dem es seit 4000 Jahren unlösbar verknüpft ist, zuzuerkennen. Der Kongreß antwortete auf diese Begrüßung mit lebhaftem Beifall. Regiments Einspruch erheben, erklären die jüdischen Junker, daß sie in die Offiziersschule eingetreten sind, nicht um die Privilegien des Offiziersstandes zu genießen, sondern um die Rechte zu verwirklichen, welche die Juden erhalten haben. Die Behauptung, daß die Juden nicht kampffähig sind, bestreiten die Junker aufs Entschiedenste und erklären zugleich, daß die jüdischen Offiziere tun werden was ihr Gewissen von ihnen erheischt.“ Jüdische Akademiker in Rußland. Die provisorische Regierung in Rußland hat angeordnet, die ausländischen akademischen Diplome, die von tausenden russischer Juden während des alten Regimes erworben wurden, anzuerkennen und den jüdischen Akademikern so zu ermöglichen, in das russische Erwerbsleben einzutreten. Judenausweisungen in Posen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Scheidemann und Bauer haben an den Reichskanzler folgende Anfrage gerichtet: Seit längerer Zeit werden aus der Provinz Posen und aus dem Regierungsbezirk Oppeln, in der letzten Zeit auch aus dem Regierungsbezirk Breslau österreichische Staatsangehörige jüdischen Glaubens ungeachtet ihrer jahrzehntelangen Ansässigkeit ausgewiesen. Sind dem Reichskanzler diese Zustände bekannt? Denkt er dagegen einzuschreiten? Die neue Ordnung. Die fremdenfeindliche Stimmung, die in Frankreich und England vor allem gegen die eingewanderten Juden herrscht, hat die Komitees zum Schutze des Asylrechtes in London und Paris zur Entsendung einer speziellen Deputation an die russische Regierung veranlaßt, um ihr Einschreiten bei den Verbündeten zu erwirken. Die Wahlen zum jüdischen Kongreß in Amerika. Nach vorläufigen Nachrichten über die Wahlen zum jüdischen Kongreß in Amerika haben mehr als 400 000 Wähler ihre Stimme abgegeben. Die zionistischen Kandidaten wurden in vielen Orten mit überwiegender Majorität gewählt. Der 10 Millionen Dollar Kriegs - Hilfs - Fonds. Der „American Jewish Chronicle“ regt zur schnelleren Erreichung des 10 Millionen Dollar Kriegs- Ililfs-Fonds an, daß jeder amerikanische Jude oder jede amerikanische Jüdin den Verdienst eines Tages dem Fond zur Verfügung stellt. Der russisch-iüdische Kongreß stößt vorläufig noch auf große Schwierigkeiten, da der „Bund“ sich auf den Standpunkt stellt, daß der Kongreß sich nur mit den nationalen Rechten der Juden in Rußland beschäftigen dürfe, während die zionistischen Kreise die Erörterung der Palästinafrage verlangen. Protest jüdischer Junker. Jüdische Schüler der Offizierschule in Nischni-Nowgorod (Junker) haben gegen den Beschluß eines Moskauer Regiments, das die Juden als Offiziere ausschließt, folgende Protestresolution gefaßt: „Wir protestieren gegen diesen Beschluß, der unser bürgerliches und nationales Selbtbewußtsein beleidigt. Mit aller Entschiedenheit werden wir denjenigen entgegentreten, die unseren von der provisorischen Regierung gewährten Rechten keine Rechnung tragen wollen. In der Hoffnung, daß die demokratisch-revolutionären Organe gegen den Beschluß des Moskauer Nathan Straus und der 10 Millionen-Fond, Nathan Straus, der bekannte Philanthrop, der für die notleidende jüdische Bevölkerung in der Kriegszone sehr große Spenden gegeben hat, zeigt jetzt „ES KR" KLEINKÜNST- VERSRND MÜNCHEN p™"a"d5e- Busstellung aller Zweige des Kleinkunst-Qewerbes