Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 33 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 362 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Das Jüdische Echo Nr. 33 Anteil der Abteilung der Beruflosen ist an sich ziemlich groß, aber im Verhältnis zu den deutschen Juden doch klein. Dies erklärt sich daraus, daß im Allgemeinen die größte Zahl der Beruflosen der Rentnerschicht angehört. Die meisten beruflosen ausländischen Juden werden, wie oben bereits erwähnt. Studierende sein. V. Die jüdischen Ausländer in Münchens Gewerbe und Industrie. Besonders interessant ist die Frage, der Beschäftigung der ausländischen Juden in der Industrie. Es fragt sich nämlich, ob die ausländischen Juden überhaupt am industriellen Leben beteiligt sind. Diese Frage ist schon oben mit einer Gesamtziffer beantwortet worden. Weiter aber fragt es sich, ob sich die ausländischen Juden, soweit sie in der Industrie erwerbstätig sind, gleichmäßig auf die verschiedenen Industriegruppen und Industriearten verteilen (Möglichkeit 1), oder ob sie hinsichtlich dieser Verteilung dem Zuge der Gesamtentwicklung folgen (Assimilation. Möglichkeit 2) oder endlich ob sie jene Berufseigentümlichkeiten, die sich in ihrem Herkunftslande (den osteuropäischst Ländern) zeigen, auch nach der Einwanderung beibehalten und festhalten (Separation, Möglichkeit 3). Natürlich kann bei der Beantwortung dieser Fragen am allerwenigsten rein statistisch vorgegangen werden, denn die Detailzifiern sind viel zu klein. Vielmehr handelt es sich darum, die Detailziffern liebevoll anzuschauen und diejenigen in denen sich eine Massenerscheinung kundtut, aufzufangen und näher zu zergliedern. Dabei dürfen wir mit dem Begriffe Masse ziemlich weit heruntergehen. Im Ganzen haben wir fünf gefunden, in denen Ausländer in größerer Zahl, namentlich im Vergleich mit den deutschen Juden, tätig sind. B21 Gold- und Silberschm. 10 Ausl.. darunter sa Pers. 7 cs Pers. B*7 Uhrmacherei 9 Ausl., darunter «a Pers. 5 C2 Pers. Bl-r Tischlerei 18 Ausl., dar. »a Pers. 2b Pers. Bt22 Tabakfabrikation 25 a. 2 b, 5 ci, 11 cs, 10 cs Pers. 53, darunt. 49 in Rußland geboren. Bm Schneiderei und Kleiderkonfektion, (s. die nachstehende Tabelle). a Selbständig m 6 W 8 % 14 afr. Heimgiewerbe 5 2 7 b Angestellte 6 2 8 Cs Mith. Familienangehörige — 4 4 C2 Gelernte Gehilfen 15 9 24 Cs Ungelernte Arbeiter 32 25 57 Unter diesen 57 sind 25 aus Österreich (einschl. Galizien), 9 aus Ungarn, 15 aus Rußland und 6 aus Rumänien. Welt-Echo 95 000 Bekenntnisse zum zionistischen Gedanken. Wie wir bereits berichtet haben, ist jedem erwachsenen Juden Warschaus ein Fragebogen vorgelegt worden, in dem er befragt wurde, ob er sich zu dem Gedanken eines jüdischen Palästina bekenne. Einer vorläufigen Schätzung zufolge beträgt die Zahl derer, die durch Unterschrift der Erklärung das zionistische Ideal für sich anerkennen in Warschau 95 000. .. Jüdisches Dezernat beim Oberbefehlshaber Ost. Ähnlich wie im Generalgouvernement Warschau soll nunmehr auch im Verwaltungsbereiche des Oberbefehlshabers Ost ein besonderes Dezernat zur Bearbeitung der jüdischen Angelegenheiten errichtet werden. Wie verlautet, beabsichtigt man dem bekannten jüdischen Maler u. Zionisten Herrn. Struck, der sich bisher im militärischen Dienste an der Ostfront befand, die Leitung des Dezernates zu übertragen. Das Manifest des Conioint-Committee, der repräsentativen Körperschaft englischer Juden, das sich gegen die zionistischen Bestrebungen richtete, hat das Verbleiben seiner Verfasser im „Board of Deputies“ unmöglich gemacht. Infolge der Abstimmung im „Board of Deputies“. der mit 56 gegen 51 Stimmen sich gegen das Manifest des Conjoint-Committee aussprach, resignierten Dav. Alexander, Präsident des Board of Deputies, und alle die anderen Herren, die Ämter als Vertreter des Board im „Conjoint Committee“ einnahmen. Im Board of Deputies fanden infolgedessen Neuwahlen statt. Über das Ergebnis dieser Wahlen erhielt das Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation folgendes Kabel: „Der „Board of Deputies“ wählte Sir Stewart Samuel als Präsidenten, Lord Rothschild, Sir Philipp Magnus als Vizepräsidenten, Nathan Laski zum Schatzmeister. Der Board beschloß, die Tätigkeit des „Conjoint Committee“ einzustellen. Vollständiger Sieg der Majorität gegen das Manifest.“ 50 000 englische Juden treten der zionistischen Bewegung bei. Die „Union of Friendly Societies in England“ mit einer Mitgliederzahl von 50 000 Juden, hat eine Resolution angenommen, die sich iiir die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für die Juden in Palästina ausspricht. Nach und nach nehmen auch viele Synagogen-Gemeinden das zionistische Programm an, so kürzlich die Liverpool „Central-Synagoge of the Islington Borough“, die einflußreichste Gemeinde der Stadt. Diese Gemeinde verpflichtete sich zur Schekel-Zahlung für alle ihre Mitglieder. Beschlüsse des Arbeiter- und Soldatenrates. Im Zusammenhang mit den auf dem Kongresse der Arbeiter und Soldaten in Petersburg abgehaltenen Beratungen über die Forderungen nationaler Autonomie wurde folgende Resoluion gefaßt: „Nur die Konstituante, welche die Grundlage für die demokratische Gestaltung Rußlands schaffen wird, kann die unerschütterlichen Rechte aller Nationen in Rußland gewährleisten. Um jedoch die Errungenschaften der Revolution zu bekräftigen und die Arbeiter-Demokratie aller Nationalitäten zusammenzuschließen, muß das revolutionäre Rußland die Dezentralisierung der Verwaltung in Angriff nehmen, um damit eine freie Bahn für die selbständige Entwicklung aller Nationalitäten zu schaffen. Der Kongreß schlägt daher der provisorischen Regierung vor, folgende Verordnungen noch vor der endgültigen Lösung der nationalen Frage durch die Konstituante zu treffen: 1. Ein Dekret wegen der freien Rechte aller Nationalitäten Rußlands auf Selbstbestimmung zu erlassen, auf der Grundlage der späteren Vereinigung mit der Konstituante. 2. Ein weiteres Dekret wegen Gleichberechtigung aller Sprachen mit der Anerkennung des Russischen als Staatssprache. 3. Bei der provisorischen Regierung einen Rat für nationale Angelegenheiten zu bilden, der aus den Vertretern aller Nationalitäten Rußlands bestehen soll.“