Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-08-17 · 33 (17.8.1917) · p. Seite 361

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138197--01613-9074437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 33 Das Jüdische Echo 361 Ein Privatbrief aus Jerusalem enthält die folgende ergreifende Schilderung der Zustände in Jerusalem: .Sie wissen, daß ich von Hause aus weiß, was Not und Armut ist, aber was ich jetzt hier sehe, habe ich im schlimmsten Winkel Galiziens nicht gesehen. Überhaupt ist Hungersnot und Evakuierung nur ein phantastischer Begriff, solange man nicht darunter leidende Menschen gesehen hat. Zu Kretins verunstaltete Gesichter, Hungerbäuche bei Frauen, als ob sie im neunten Monat wären, geschwollene Beine wie die Tonnen, zu Gerippen abgemagerte früher starke Männer .... Die Not zeitigt schreckliche bisher ungeahnte Erscheinungen. Männer warten vor den Soldatenheimen auf ihre Frauen, die dort Geld verdienen! Die Syphilis verbreitet sich so stark, daß sogar schon kleine Kinder infiziert sind. Unsere Freundin ist diese Woche fast erblindet beim Untersuchen eines achtjährigen Mädchens! Die Flüchtlinge versuchen mit ihrem ausgeprägten Optimismus sich gut zu fühlen aber das Fieber, das infolge der Unterernährung schrecklich verbreitet ist, streckt sie nieder. Wenn der Krieg im Sommer nicht zu Ende geht, was steht diesen Menschen im Winter in ihren elenden Zelten und Baracken bevor?“ Es sei1 nochmals daran erinnert: Lebensmittel1 sind in Palästina reichlich vorhanden, um alle Bewohner zu ernähren; nur an Geld, sie zu kaufen, mangelt es den von der Heeresverwaltung vertriebenen Juden. Die Berufe der Juden in München.1) Von Dr. Paula Weiner-Odenheimer, Regensburg. Die Berufe der Münchener Juden mit Berücksichtigung der Gebürtigkeit. (Fortsetzung.) IV. Die Berufe der ausländischen Juden in München. Im letzten Artikel sahen wir, daß fast ein ganzes Drittel der in München Erwerbstätigen aus dem Auslande stammt. Im Folgenden wollen wir untersuchen, wie dieses Drittel sich beruflich gliedert. Sowohl aus äußeren wie aus inneren Gründen wollen wir im Folgenden unter „Ausländern“ vor allem jene Bevölkerungsmasse verstehen, die in Osteuropa geboren, also von dort eingewandert 0 Vergl. „Zeitschrift f. Demographie und Statistik der Juden“ Heft 4/5/6 und Nr. 3 ds. Blattes. LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL- DAMEN - SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Majdmiliansplatz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgefDhrte ERSATZ- FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u. ganz angepaßt ist; aus äußeren, weil die Juden in Massen nur von da kommen, während sie z. B. aus Italien, Frankreich und der Schweiz sich nur vereinzelt in Deutschland niederlassen, da in ihren Ländern Gründe zur Massenauswanderung nicht vorliegen; aus inneren, weil jene osteuropäische Masse durch ihre spezifisch eigentümliche Kultur eine den anderen Juden nicht unbedingt homogene Wirtschaftsgesinnung zum Ausdruck bringt. Zunächst eine Tabelle über die Herkunft der in München 1907 gezählten ausländischen erwerbstätigen Juden. absolut in °/0 aller erwerbst. Münchener Juden Österreich . 791 16,7 Ungarn . 111 2,4 Rußland . 367 7,8 Rumänien. 34 0,7 Übriges Ausland . . . 92 1,9 Zusammen Ausland 1395 29,5 Den größten Teil stellt Österreich, was zum Teil durch die räumliche Nähe, zum Teil durch die starke jüdische Bevölkerung in Galizien verständlich ist, an zweiter Stelle kommt ^Rußland. Die Einwanderung russischer Juden zielt vor allem nach Amerika und England, Deutschland ist nur Durchgangsland; darum ist, abgesehen davon, daß allein auf die russischen Studenten die Ziffer 138 trifft, ihr Anteil für München nicht allzu groß. Dann kommt Ungarn an dritter Stelle. Gliedern wir nach den Berufsabteilungen, so finden wir unter den beiden Hauptherkunftsgruppen folgende Unterschiede: Es waren erwerbstätig in nebenstehenden Berufsabteilungen: Von 100 Von 100 im Ausland in Deutschland Geborenen Geborenen A. Landwirtschaft . . 0,1 0,1 B. Gewerbe u. Industrie 23,5 11,4 C. Handel u. Verkehr 47,9 43,8 D. Häusliche Dienste . 0,6 0,2 E. Öffentl. Dienst, freie Berufe. 6,7 12.0 F. Beruflose . . . 21,2 32,0 100 100 Von der Landwirtschaft gilt das in dieser Arbeit schon öfters Gesagte: die Erwerbstätigkeit der Juden in diesem Berufszweig ist überhaupt gering. Der Anteil der Industrie beträgt bei den im Ausland geborenen Juden 23,5%, bei den in Deutschland Geborenen nur 11,4%. Es findet sich also bei den Ausländern eine viel größere Beteiligung an dieser Berufsabteilung. Im Folgenden werden wir sehen, daß die Größe dieser Zahl vor allem durch den Anteil des Kleingewerbes bedingt ist, aber auch durch jenen Teil, der als unselbständig in der Industrie seinen Unterhalt sucht. Auch die Beteiligung von Handel und Verkehr ist bei den ausländischen Juden etwas größer als bei den in Deutschland Geborenen. Die Ausgliederung nach Berufsgruppen und Berufsarten wird uns im Folgenden genauer über diese Anteilsziffer orientieren. Auch die Zahl der D-Abteilung ist bei den Ausländern größer, was durch ihre geringe Wohlhabenheit verständlich ist. Dagegen ist weitaus kleiner der Anteil, der freien Berufe bei den Ausländern. Sie kommen eben arm aus ihrem Heimatsland und streben vor allem darnach, möglichst rasch sich eine Existenz zu gründen. Die freien Berufe, die eine kostspielige Vorbildung beanspruchen, sind hierzu nicht geeignet.1) Der Ü Näheres im ersten Artikel (Jahrg. 11, Heft 10—12), S. 90/1.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.