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Das jüdische Echo · 1917-08-17 · 33 (17.8.1917) · p. Seite 359

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 359 und zuletzt alle übrigen Beschränkungen der jüdischen Rechte anzuführen, die abgeschafft würden. Die Frage der jüdischen Gemeinde und des Übertritts von einer Religion in die andere wurde beschlossen nicht zu berühren. Dafür wurden alle administrativen Verordnungen betreffs der Juden wie auch die einschränkenden Bestimmungen der Militärverwaltung in das Verzeichnis aufgenommen. Auch die Wahrung der Interessen der ausländischen Juden wurde nicht übersehen. So ist das Gesetz wegen der jüdischen Gleichberechtigung entstanden. Vom Justizministerium wurde das Gesetz zur Beratung an die provisorische Regierung übergeben, die keine wesentlichen Änderungen daran vornahm. Das Gesetz mit den Änderungen ging in das Justizministerium zurück und die vorgenommenen Änderungen wurden vom Rat der jüdischen Abgeordneten bestätigt. Jetzt mußte nur noch die provisorische Regierung das Gesetz bestätigen. Man kann sich vorstellen, welche Aufregung wir alle in den Tagen erlebt haben, als das Gesetz der provisorischen Regierung zur Prüfung vorlag. Die Minute, in welcher der Sekretär mir die telephonische Mitteilung machte, daß das Gesetz genehmigt sei, zähle ich zu den glücklichsten meines Lebens. Einige jüdische Freunde Kerenskis sandten ihm damals einen großen Blumenkorb, und das war der einzige sichtbare Dankesbeweis, den Kerenski für den Gesetzerlaß erhalten hat. Der Kampf um Palästina.*) Von C. A. B r a 11 e r. Eine vom Präsidenten Wilson eingesetzte dreiköpfige „Palästina-Kommission“ ist, wie wir dieser Tage meldeten, auf dem Wege nach Ägypten begriffen. Auf der Rückreise will sie in den Entente- Ländern für ihre Ziele Propaganda machen; und *) Der folgende bemerkenswerte Aufsatz erschien am 1. August in der „Vossischen Zeitung“. Keberseugen 0(e fid? durch eine kostenfreie Probenummer oder besser noch durch einen Probeband für 80 Pfennige von der Vielseitigkeit der humoristisch - satirischen Kunstzeitschrift »JUGEND“. Jede Nummer bringt neben ausgezeichneten Beiträgen in Poesie und Prosa der namhaftesten Schriftsteller auch eine große Anzahl künstlerische Vierfarbendrucke nach Werken erster Meister. Auch die politischen Vorgänge werden in einer eigenen Beilage eingehend behandelt. Die große Anhängerschaft der Münchner »JUGEND* drückt sich am deutlichsten in der wöchentlichen Auflage von über 100000 Exemplaren aus. Vierteljahrespreis.M. 5.50 durch die Feldpost.M. 6.— pro Monat.M. 2.— Bestellungen nimmt die nächstgelegene Buchhandlung, Zeitungsexpedition, jedes Postamt oder der Unterzeichnete an. Verlag der „JUGEND“, München Lessingstraße 1 Präsident Wilson will — so hieß es in der aus Amerika stammenden Meldung weiter —, „daß die jüdischen Wünsche inbetreff der Zukunft Palästinas berücksichtigt werden.“ Es handelt sich um die zionistischen Wünsche bezüglich der Überlassung Palästinas als geschlossenes jüdisches Siedlungsland. Daß hier eine kolonisatorische Massenbewegung von ernster Bedeutung in Frage kommt, haben die Engländer sowohl wie die Amerikaner eingesehen, und beide sind offenbar entschlossen, die Bewegung für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen und zu mißbrauchen. Was nun zunächst das Interesse der V e r einig t en Staaten an der zionistischen Frage betrifft, so spielt dabei die innere Parteipolitik eine Rolle, zumal neben den jüdischen Massen auch die einflußreichen und wohlwollenden jüdischen Kreise Amerikas weit mehr als die Europas dem zionistischen Gedanken ehrlich anhängen. Die große Mehrzahl der einflußreichen amerikanischen Juden und auch ein beträchtlicher Teil der mittleren und ärmeren jüdischen Klassen gehört zur republikanischen Partei. Die letzte Präsidentenwahl hat die Stärke des „Jewish vote“ aufs neue gezeigt. Es hätte sich quantitativ noch entschiedener gegen Wilson ausgesprochen, wenn dieser geriebene „Idealist“ nicht durch die Ernennung des Herrn Morgenthau und Elkus zu Botschaftern und des Herrn Brandeis zum Mitglied des Obersten Bundesgerichts — alle drei Herren sind sehr werktätige Zionisten —■ einen Teil; des „Jewish vote“ auf sich gezogen hätte. Sein jetziges Eintreten fiir die von ihm proklamierten „jüdischen Wünsche“ hat den durchsichtigen Zweck, dieses Votum in möglichst großem Umfange der demokratischen Partei zuzuwenden. Der knappe demokratische Wahlsieg im November 1916 hat die demokratischen Parteileiter über die Wichtigkeit eines solchen Stimmenzuwachses belehrt. Die englischen Anschläge auf Palästina liefern dem Präsidenten die erwünschte Möglichkeit, die imperialistischen Pläne Englands zu unterstützen. Was England in Palästina erreichen will, ist klar: es will sich den Landweg nach Indien sicherstellen. Nicht erst seit heute ist die — zum mindesten politische — Kontrolle über Palästina eines der großen Ziele der britischen Politik. Die dahin zielenden englischen Intrigen reichen weit in die Jahre vor dem jetzigen Kriege zurück. Die Beherrschung Palästinas zur Sicherung Indiens soll das letzte Glied in der Kette jener militärischen und diplomatischen Aktionen sein, die mit der Erwerbung Adens und Prims begannen, mit der Besetzung Ägyptens sich fortsetzten und über den englisch-russischen Persien-Vertrag von 1907 zu dem jetzigen englischen Feldzuge in Mesopotamien führten. Eine beachtenswerte Zwischenstation war der 1906 von England vom Zaun gebrochene Akaba-Streit, der damit endete, daß die Grenze der Sinai-Halbinsel um ein beträchtliches Stück näher an Ägypten verlegt wurde. In dasselbe Kapitel gehörte das mesopotamische Bewässerungsprojekt des Engländer Sir William Willcox, das u. a. den Bau einer unter englischer Kontrolle stehenden Bahn Bagdad—Akka und Akka—Ägypten in sich schloß. Der durchsichtige Plan scheiterte an dem Widerspruch der türkischen Regierung. Was aber die Stambuler Regierung nicht verhindern konnte, war, daß Willcox unter dem Vorwände, englische Ingenieure zu den Bewässerungsarbeiten nach Mesopotamien kommen zu lassen, in Wirklichkeit englische Offiziere dorthin schicken ließ, die im Lande nach Belieben Ver-

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