Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 32 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 354 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
- İzmir 1× ep/1047963
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354 Das Jüdische Echo Nr. 32 zuzuführen, der ihre Produktionsfähigkeit und damit ihre wirtschaftliche und politische Kraft stärken muß. Die Zahl der in der Türkei lebenden Juden wird auf 420 000 angegeben, dürfte aber mindestens 450 000 betragen. Davon kommen auf die europäische Türkei 100 000 (Konstantinopel 70 000, Adrianopel 25 000), Syrien 50 000 (40 000 in Aleppo und Damaskus), Kleinasien 60 000 (35 000 in Smyrna), Palästina 120 000 (75 000 in Jerusalem, 12 000 in Jaffa, etwa je 10 000 in Tiberias und Safed, 3500 in Haifa), Mesopotamien 60 000 (50 000 in Bagdad), Arabien 30 000 (Yemen). Die Juden werden von den Türken als fleißige, intelligente, nüchterne und ruhige Leute geschätzt und haben sich stets weitestgehender Duldung zu erfreuen gehabt. Die jüdische Einwanderung ist daher vom Staate unterstützt worden. So haben die rumänischen Juden Geld, Land, Vieh und Saatgut erhalten. Wenn dennoch die Zahl, der zuströmenden jüdischen Einwanderung jährlich nur 2 bis 5000 betrug, so bestanden dafür verschiedene Gründe, unter denen das Mißtrauen der türkischen Regierung gegen eine Einmischung Rußlands der wichtigste war; denn die eingewanderten russischen Juden bieben russische Untertanen. In Zukunft wird dieser Grund wegfallen. Die Einwanderer werden jetzt naturalisiert. Für die Verwirklichung der weitschauenden Kolonisationspläne in Anatolien und Mesopotamien wird ein starker Zustrom von Juden von hoher Bedeutung sein. Dort braucht die Türkei zunächst Bauern. Daß die Juden aus Rumänien und Rußland zum guten Teile als solche geeignet sind, haben die 40 zionistischen landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina erwiesen, die namentlich auf dem Gebiete des Obstbaues Befriedigendes leisten und Wein, Oliven, Apfelsinen und Mandeln in vorzüglicher Beschaffenheit auf den Markt bringen. Diese jüdischen Bauern sind bereits mit der Verwendung künstlicher Düngemittel und landwirtschaftlicher Maschinen vertraut und haben sich durchaus für Palästina als Kulturförderer erwiesen, nachdem anfängliche Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung in die neuen Verhältnisse überwunden waren. Die Juden aus Westrußland könnten aber der Türkei namentlich bei der Einführung von abendländischen Industrien oder bei der Entwicklung ihrer eigenen türkischen wertvolle Dienste leisten. Schon jetzt srnd besonders in Zigarettenfabriken und im Kunstgewerbe in Damaskus viele jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen tätig. Aus Arabien stammende Juden haben die Herstellung von Silberfiligranarbeiten nach Palästina verpflanzt. Auf den anatolischen Bauern als Fabrikarbeiter kann man wenig oder gar nicht rechnen. Selbst, wenn er sich dazu erziehen ließe, müßte man von ihm schon aus wirtschaftlichen Gründen absehen, da Si®X£>GX9<2>3®XS><2^C93v!GX£>GX933GX£)<SXS>GXS><2X£>$ 1 tKgf. ‘Bayer, m ‘Porzetian* I 1 ‘Manufaktur ‘Rympkenburg I (Hauptoirederlage flRüncßen: Odeonspfafi 1 ej i'Kunstu. ßuxusgegenstände, ’Zafeß, (Dessert*, K (Kaffee* a, Ceegescßr'rre, Figuren, Gruppen eie. Bnacü alten Hympßenburgcr Original-Modellen. @ (Außerdem neue (formen und (ffiodette nacß Gnt* ® würfen erster (fllünchner (Künstler. g man seiner ohnehin für die Erweiterung der landwirtschaftlichen Kulturen dringend bedarf. Eine starke jüdische Einwanderung kann allein helfen. Da Deutschland an einer wirtschaftlichen und politischen Stärkung der Türkei großes Interesse hat, so muß auch unserer Regierung an e i n e r Be g ü n s t i g u n g d e r j ü d i s c he n Einwanderung nach der Türkei gelegen sein. EineUnterstützung der zionistischen Bewegung und der polnisch - jüdischen Auswanderung nach Vorderasien wird zu bedenken sein. Das um so mehr, als die Juden geradezu als Förderer deutscher Kultur anzusprechen sind. Mindestens neun Zehntel aller Juden, nämlich 12,9 Millionen, sprechen deutsch oder jüdisch-deutsch (jidisch). Sie sind sogenannte aschkenasische, d. h. aus Deutschland, Österreich und dem östlichen Europa stammende Juden (arab. Aschkenasim.). Unter den russischen Juden sind 96,9 Prozent aschkenasisch, unter den amerikanischen und österreichischen mindestens ebensoviel. Nur die Juden Syriens sprechen überwiegend arabisch, und unter denen Mesopotamiens und Arabiens sind aschkenasische selten. Die Zahl der aschkenasischen Juden ist also gering. Das Deutsche kann daher als die Weltsprache der Juden bezeichnet werden. Diese Tatsache ist in Deutschland viel zu wenig bekannt, sie verdient aber gerade wegen unserer Zukunftshoffnungen im Orient Beachtung. Die Juden sind die gegebenen Mittler zwischen Deutschland und der Türkei. Nicht wenig jüdische Techniker und Ärzte haben in Deutschland Hochschulbildung genossen, viele jüdische Kaufleute aller Welt unterhalten nach Deutschland geschäftliche und zum Teil Familienbeziehungen. Es kann also für den deutschen Kaufmann nicht schwer halten, im Orient Fuß zufassen, wenn er sich der Hilfe der deutschsprechenden Juden des Orients bedient. Die deutsche Sprache ebnet die Wege. (Dieser Gleichsetzung der jidischen und der deutschen Sprache können wir allerdings nicht zustimmen. D. Red.) („Deutsche Wirtschaftszeitung“ Berlin.) Feuilleton Über die ehemalige Judengemeinde in Nürnberg. Von Lor. Fried. Richter, Gymnasialprofessor zu Erlangen. (Fortsetzung.) Zu gleicher Zeit, und dies ist wohl das empörendste, lockte man dem Kaiser den harten Beschluß ab, daß die Juden fast in der ganzen, man kann wohl sagen, von ihnen miterbauten Stadt ihre bisherigen Häuser räumen und sich dafür auf der großen Brandstatt von 1341 in der Gegend des Taschentals und der von ihnen später benannten Judengasse, versteht sich, auf ihre Kosten anbauen mußten. Dahin wurden auch diejenigen verwiesen, deren Häuser den beiden Hauptmärkten hatten Platz machen müssen. Die schönsten und wohlgelegensten jener eingezogenen Häuser verschenkte Karl IV. an den Rat zu Nürnberg und an viele adelige Geschlechter der Stadt, zumal an das Stromerische, aus welchem ihn Ulrich Stromer zu dieser schrecklichen Mißhandlung seiner treuen Kammerknechte beredet hatte.