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Das jüdische Echo · 1917-08-10 · 32 (10.8.1917) · p. Seite 352

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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352 Das Jüdische Echo Nr. 32 Soldaten im Felde und den Juden daheim die Korrespondenz untereinander und mit ihren Angehörigen in jidischer Schrift und jidischer Sprache verboten. Nun sind aber die Leute keiner anderen Sprache und Schrift mächtig, das werden die Herren aus Galizien und der Bukowina bestätigen. Denken Sie sich nun einen vor dem Feinde stehenden Soldaten, der im Angesichte des Todes vielleicht seine letzten Liebesgrüße den Seinen nach Hause schickt, Abschied von seinen Lieben und seinem Liebsten nehmen will, der notwendige Verfügungen oder seine letzten Anordnungen treffen will. Er will seine Angelegenheiten oder Familienintimitäten nicht preisgeben anderen unberufenen Ohren. (Abg. Kuranda: Und seine Kinder sterben im Flüchtlingslager!) Ja, in den mörderischen Flüchtlings- und in den Barackenlagern! Nun, meine Herren, ich will nicht polemisieren gegen den Redner der deutschen Linken, weil ich ja die unerfreuliche Erfahrung gemacht habe, daß die Herren vom deutschen Nationalverband als die einzige Partei im Hause gegen den Antrag des Justizausschussles, betreffend die Nichtgenehmiigung der § 14-Verordnung gestimmt haben, mittels deren den aus Galizien und der Bukowina geflüchteten Advokaten verfassungswidrig die Übersiedlung in den Wiener Oberlandesgerichtssprengel gesperrt worden ist. Da hieß es, wir aus der Bukowina und Galizien seien „Fremde“. Wir Fremde, meine Herren, wir, deren Haus und Hof eingeäschert, deren Habe beraubt worden ist, deren Kinder im Felde stehen und die alle schweren Heimsuchungen des Krieges über sich ergehen lassen müssen. Wiir wissen ganz wohl, woher der Wind geht. Die Herren vom deutschen Nationalverband haben die § 14-Verordnung deshalb nicht aufheben wollen, weil unglücklicherweise unter diesen 600 oder 1000 vertriebenen Advokaten aus Galizien und der Bukowina auch einige hundert Juden sind! Ja. wenn ich so meine Betrachtungen anstelle, wie im „Roten Saale“, in den Couloirs und Vorzimmern des Parlaments diese verbissenen und verbohrten Judenfeinde mit den jüdischen Journalisten und Bankmenschen usw. so intim verkehren. (Heiterkeit und Beifall!) Aber hier im Hause ist man strammer nationaMeutscher Antisemit, die Juden sozialpolitisch und materiell zu vernichten. Und wie haben sich wieder diese Herren Nationalverbändler in der Flüchtlingsfrage verhalten, einer Frage, die keine politische, keine nationale Frage, sondern eine Frage sozialwirtschaftlicher Natur ist? Das ist der deutsch-österreichische Freisinn. ®(?XC"A ZÜGARREN-IMPORT BEjRNHARD MÜNCHEN PROMENAPEPL« im\ «is«; '7« Ja, Freisinn für sich — aber Knechtschaft für uns. Ich will die Geduld des hohen Hauses nicht länger in Anspruch nehmen, aber ich muß mich an Seine Exzellenz den Herrn Landesverteidigungsminister wenden, und zwar deswegen, damit die vielfach kränkende Behandlung, die Beschimpfung der jüdischen Soldaten, ihre Zurücksetzung und Verhöhnung, das Anrufen mit Spitznamen und dergleichen, in der Armee endlich aufhört. Hierüber wird bitterste Klage geführt. Und weiters, weil mir kürzlich die Mitteilung gemacht worden ist, daß auch aus dem Landesverteidigungsministerium jüdische Unteroffiziere, die als hilfsdiensttauglich qualifiziert wurden und deshalb nur als Schreiber zu verwenden sind, dort als Schreibkräfte zurückgewiesen werden, weil im Landesverteidigungsministerium die Tendenz bestehe, keine jüdischen Unteroffiziere zu verwenden. Auch bezüglich der Nichtverwendung jüdischer Unteroffiziere in Kanzleien usw., bestehen Reservatbefehle wegen ihrer Nichtzulassung und Entfernung. Es ist beschämend und empörend, daß in der Armee eine solche gesetzwidrige Rechtsungleichheit herrscht. Die Mannschaft, meine Herren, die Kämpfer, die Söhne des Volkes, leben einträchtig, friedlich und freundschaftlich an der Front und im Schützengraben. Wir Juden sind unentwegt wahre und treue österreichische Patrioten und die Regierung sollte sich freuen, daß eine solche Debatte heute hier abgeführt wurde, in der alle Völker einmütig und energisch die Verdächtigung und den Vorwurf patriotischer Unzuverlässigkeit mit Entschiedenheit und Entrüstung zurückweisen. Deshalb erhebe ich im Namen der gesamten österreichischen Judenschaft feierlichen und energischen Protest gegen die wider jüdische Truppen erhobene Verdächtigung der Unzuverlässigkeit oder minderen Verläßlichkeit und weise diese Anwürfe empört zurück. Meine Herren! Gerade diese Debatte zeigt uns, in welchem Lager Österreich ist, und ich bin berechtigt zu sagen, daß unter jene Volksstämmen, in deren Lager Österreich ist, insbesondere auch die Judenschaft Österreichs gehört. (Lebhafter Beifall. — Redner wird vielfach beglückwünscht.) Welt-Echo Leichathletische Kriegsmeisterschaft. Beim leichtathletischen Wettbewerb im Berliner Stadion gewann der jüdische Turnverein Bar Kochba den 1. Preis der Olympischen Jugendstaffette. 405 Eiserne Kreuze. Die K.-C.-Blätter, Monatsschrift der im Kartell - Convent vereinigten jüdischen Organisationen berichten in ihrer Nummer vom Mai - Juni - Juli 1917, daß unter ihren Mitgliedern 5 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und 400 mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet worden sind. Von den 1100 Mitgliedern stehen 948 im Heeresdienst, darunter 778 im Feldheere. Den Heldentod starben 71 Mitglieder. Dr. E. W. Tschlenow. der 2. Vorsitzende des Engeren A. C. ist zu längerem Aufenthalt in Kopenhagen eingetroffen. Ein iüdisches Regiment. Eine Londoner Korrespondent des „Manchester Guardian“ berichtet, daß ein neu aufgestelltes jüdisches Regiment, wel-

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