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Das jüdische Echo · 1917-08-03 · 31 (3.8.1917) · p. Seite 342

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
31 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
Seite 342 (sequence 6)
Language
German
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342 Das Jüdische Echo Nr, 31 Zuwanderung vom Ausland, Um so interessanter ist es, die Art der Erwerbstätigkeit und die berufliche Stellung dieser verschiedenen Bevölkerungsschichten kennen zu lernen. Wenn wir der Kombination zwischen Gebürtigkeit und Beruf nachgehen, so sind wir uns übrigens darüber klar, daß die Kenntnis der Gebürtigkeit noch keinen unbedingten Aufschluß gibt über das Milieu, in dem der Einzelne gelebt hat, ln welchem er die inneren und äußeren Vorbedingungen für seine Berufswahl empfangen hat; doch ist die Feststellung der Gebürtigkeit das einzige Hilfsmittel, das die Beziehungen zwischen Berufswahl und Milieu einigermaßen ersichtlich macht. II. Die Gebürtigkeit der erwerbstätigen Juden in München. Die erwerbstätige jüdische Bevölkerung in München zerfällt gemäß Berufszählung vom 12. Juni 1907 nach Gebürtigkeit und Beruf in folgende Bestandmassen: Der Einfluß der Gebürtigkeit auf die Erwerbstätigkeit der Münchener Juden läßt sich aber erst klar ersehen, wenn wir den Prozentanteil. der einzelnen Herkunftsgruppe berechnen. Von 100 Erwerbstätigen sind geboren in Juden Gesamtbevölkerung Münchens München 14,2 39,4 übr. Südbayern 11,4 | Nordbayern 16,7 [ 47,9 Rheinpfalz 1,6 ) Bayern überh. 43,9 87,3 übr. Süddtschl. 8,7 | 7,6 Norddeutschland 17,6 Deutschi, überh. 70,2 94,9 Ausland 29,5 5,1 dav. Österreich 29,5 Ungarn 2,7 Rußland 7,8 Rumänien 0,7 übr. Ausland 1,9 unbekannt 0,3 100. 100. Die erwerbstätige jüdische Bevölkerung ist also heterogen. Die Fremdbürtigkeit überwiegt das autochthone Element. 'Von 100 erwerbstätigen Juden sind nur 14 in München geboren. Die Einwanderung verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf das übrige Bayern (30%), das Deutsche Reich ohne Bayern (26%) und das Ausland (30%). Von den Ausländern wiederum stammt etwa die Hälfte aus Österreich, ein Viertel aus Rußland. Was die Einwanderung aus dem „übrigen Bayern“ betrifft, so sind jüdische Auswanderungsgebiete die Regierungsbezirke Schwaben u. Neuburg (Südbayern), Mittel-, Unter- und zum Teil Oberfranken (sämtliche in Nordbayern). Die Rheinprovinz hat zwar eine ziemlich1 drhebliche jüdische Bevölkerung, dieselbe gravitiert aber mehr nach den rheinischmainischen Großstädten (Frankfurt a. M.). Die Herkunft der jüdischen erwerbstätigen Bevölkerung Münchens ist durchaus abweichend von derjenigen der nichtjüdischen Bevölkerung. Von der erwerbstätigen Gesamtbevölkerung Münchens sind vier Zehntel in München geboren und nur 5% im Ausland (gegen beinahe ein Drittel bei den Juden). Auch die erwerbstätige Gesamtbevölkerung Münchens ist also heterogen, wie die der meisten modernen Großstädte, aber doch nicht in dem Maße, wie die jüdische Bevölkerung, und die Einwanderungsgebiete sind andere. Die Ausländer spielen unter der Gesamtbevölkerung Münchens keine so große Rolle wie unter der jüdischen Bevölkerung, und auch die Einwanderung aus dem übrigen Deutschland (bei den Juden kommt hierbei hauptsächlich Norddeutschland in Betracht) ist bei der Gesamtbevölkerung nicht so groß wie bei den Juden. An dieser Stelle dürfte es auch am Platze sein, auf die Bedeutung Norddeutschlands, namentlich der östlichen Provinzen bis nach Berlin als „Einfalltor“ aus Polen hinzuweisen. Wie die obenstehende Tabelle zeigt, kommen die aus Bayern stammenden Juden und die aus Deutschland ohne Bayern stammenden Juden zu einem Drittel vom Land und zu zwei Dritteln aus Städten. Dies kommt daher, daß die Juden überhaupt mehr eine städtische Bevölkerung sind; die Wanderungen bestehen daher bei ihnen mehr aus solchen von der Kleinstadt in die Großstadt als vom Lande in die Stadt. III. Beruf und Berufsstellung der deutschen Juden in München. Zu einem klaren Einblick in die Berufsverhältnisse gehört eine Berechnung der prozentualen Vertretung der Berufe, zunächst nach Berufsabteilungen. Von je 100 in... Geborenen treffen auf die Berufsabteilung: München übr. Südb. Nordbayern Rheinpfalz a t- JS Ü w >> o « Xi fl3:3 übr. Süddtschl. Norddtschl. A.1) —i 0,4 0,3 — 0,2 __ _ B.2) 14,1 9,7 12,6 7,6 12,1 11,0 10,0 C.3) 53,1 45,9 40,2 32,1 45,6 49,4 36,7 D.4) 0,3 0,4 0,4 — 0,3 0,2 — E.5) 13,1 7,0 11,9 34,7 11,9 10,5 12,7 F.6) 19,4 36,6 34,6 25,6 29,9 28,9 40,6 100 100 100 100 100 100 100 Aus dieser Tabelle ergibt sich als auffallendster Unterschied unter den Herkunftsgruppen die verschiedene Besetzung der Berufsabteilung F Berufslose, die sich hauptsächlich aus Rentnern (aber auch aus Studierenden) zusammensetzt. Bei den Münchenern sind 19,4% aller Erwerbstätigen in dieser Kategorie, bei den übrigen Siid- und bei den Nordbayern 36,6 bezw. 34,6%, bei den Bayern überhaupt außer München 30%, bei den Norddeutschen sogar 40%. Das Gegenstück hierzu ist die Erscheinung, daß bei den in München Geborenen die Beteiligung an Industrie, Handel und freien Berufen stärker ist als bei den aus dem übrigen Bayern und dem übrigen Deutschland Zugezogenen. Daraus dürfte der Schluß gezogen werden können, daß, da als Ausgangspunkt der Wanderung der bayerischen Juden nach München weniger die großen Städte (Nürnberg usw.), sondern mehr die kleineren Städte in Betracht kommen dürften, von den kleinstädtischen und ländlichen Juden die Großstadt in hohem Maße als Rentnerstadt, aber auch als Bildungsstätte aufgesucht wird. Zu diesem Resultat kommen wir auch, wenn wir die Berufsgruppe F außer Betracht lassen und nur die übrige erwerbstätige, also nur die eigentlich erwerbstätige jüdische Bevölkerung der einzelnen Gebiirtigkeitsgruppen (in etwas ande- Ö Landwirtschaft. 2) Industrie einschl. Bergbau. 3) Handel und Verkehr. 4) Häusl. Dienste, Lohnarbeit realer Art. 5) Öffentlicher Dienst, freie Berufe. 6) Berufslose.

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