Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 341 Stimmen wurde endlich beschlossen, daß die zionistische Organisation als s e 1 b s t ä n d i g e Part e i mit anderen rußländischen politischen Parteien Übereinkommen schließen kann, daß der Anschluß eines Zionisten an eine nichtjüdische Partei nur mit Genehmigung der zionistischen Ortsgruppe erfolgen darf, und daß den Zionisten der Eintritt in eine andere jüdisch-politiche Partei verboten ist. Gleichzeitig werde aber die zionistische Partei bemüht sein, einen jüdisch-nationalen Block unter Teilnahme aller nationalen Parteien zu bilden. Die von Grünbaum erhobene Forderung nach Ausscheidung der konfessionellen Angelegenheiten aus der Kompetenz der Gemeinde wurde abgelehnt. Im Namen von 40 Delegierten las später Griinbaum auf der Konferenz eine Erklärung vor, daß der Beschluß der Konferenz eine Gefahr für das innere Wesen des Zionismus bilde und daß die Unterzeichner der Erklärung es daher für unmöglich halten, sich an der Bildung der Exekutive zu beteiligen. Ähnliche Erklärungen gab auch ein Teil der Zeirö-Zion und eine Gruppe von 45 zionistischen Delegierten ab, die sich von der ersten Erklärung dadurch unterschieden, daß sie auf die Teilnahme an der Exekutive der Partei nicht verzichteten. Am 29. Mai sprach L. J a f f e über das Schulw esen. Den Hauptpunkt der anschließenden Diskussion bildete die Sprachenfrage. Nach langen Auseinandersetzungen wurde die Resolution der Kommission, die die Bevorzugung der j i - dischen Sprache vor der fremden fordert, mit 222 gegen 123 Stimmen angenommen. Das Referendum über Palästina hielt A. M. G o 1 d s t e i n. Das Volk selbst muß befragt werden, ob es die palästinensische Lösung seiner Frage wünscht. Was wir verlangen werden, ist nicht ein autonomes jüdisches Palästina, was wir gegenwärtig nicht verlangen können, sondern die Schaffung von solchen Bedingungen, unter welchen wir in der nächsten Zukunft keine äußeren Hemmungen bei der Schaffung eines nationaljüdischen Zentrums in Palästina und der Besiedlung des zu Dreiviertel öden Landes zu überwinden haben werden. Jeder erwachsene Jude muß befragt werden, wie er sich zur Palästinafrage stellt. Dieser Antrag wurde mit Begeisterung einstimmig angenommen. In das Zentralkomitee wurden gewählt die Herren M. S. Alejnikow, J. D. Bruzkus, A. G. Drujanow, S. K. Gepstein, B. A. Goldberg, A. M. Goldstein, S. J. Janowski, A. D. Idelsohn, A. I. Idelsohn, L. M. Kaplan, I. R. Klebanow, L. J. Mozkin und J. A. IPiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiiimiiiiniiiiiiiiiiiimin „ES KR" KLElNKUhST- VERSRND MÜMCHENPr“d5e' Ausstellung aller Zweige des Kleinkunst-Gewerbes niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Rosow, zum Redakteur der Parteizeitschrift „Jewreskaja Shisn“ A. D. Idelsohn, und des „Haam“ M. Ch. Glücksohn. In die Kulturkommission wurden gewählt Glücksohn, Grünberg, Slatopolsky, Kleinmann, Levontin, Nejditsch, Persitz, Podlischewski und Usielew. Zum Vorsitzenden des Bureaus des Jüdischen Nationalfonds für Rußland wurde L. M. Tschernikower gewählt. Um 6 Uhr morgens erklärte Dr. J. W. T s c h 1 en o w die siebente Konferenz der russischen Zionisten für geschlossen. Die Berufe der Juden in München*1) Von Dr. Paula Weiner-Odenheimer, Regensburg. Die Berufe der Münchener Juden mit Berücksichtigung der Gebürtigkeit. I. Allgemeines. Im ersten Artikel (11. Jahrgang S. 85—86) haben wir die Berufe der Münchener Juden im Ganzen betrachtet, d. h. ohne einen Unterschied unter ihnen nach der Gebürtigkeit zu machen. Wenn man nun aber einen klaren Einblick ins Berufsgefüge bekommen will, so läßt sich ganz besonders bei den Juden eine Kombination von Beruf und Herkunft nicht umgehen. Denn die jüdische Bevölkerung in Deutschland ist nicht einheitlich, sondern sie unterscheidet sich, je nach ihrer Herkunft, sehr wesentlich. Besteht schon ein sozialer Unterschied zwischen dem in der Großstadt geborenen und dem vom Lande (Kleinstädte) zugezogenen Juden, so ist das Milieu des deutschen und des ausländischen Juden ganz verschieden. Ja die Frage nach dem Unterschiede zwischen den in einem Berufe tätigen Inländern und Ausländern wird gewissermaßen von selbst zu einem Bestandteil der Konfessionsstatistik, indem die Ausländerfrage in Deutschland bekanntlich zum großen Teil eine Judenfrage ist.2) Daher legte der Verein für die Statistik der Judeh in München mit Recht auf die Kombination zwischen Beruf und Gebürtigkeit das größte Gewicht. Segall3) hat festgestellt, daß die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in München in den letzten Jahrzehnten, namentlich seit 1880, nicht biologische Gründe (Geburtenüberschuß), sondern demologische Gründe hat, insbesondere Wanderungen, und zwar war es in der ersten Hälfte des in Frage kommenden Zeitraumes (1880—1895) hauptsächlich die Wanderung vom Lande in die Stadt (von den bayerischen Provinzen und aus dem deutschen Osten), welche eine Bevölkerungszunahme zur Folge gehabt hat, in der zweiten Hälfte (1895 bis zur letzten Volkszählung 1910) hauptsächlich die U Vergl. „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“, Heft 4/5/6. 2) Unter den im Jahre 1900 gezählten 779 000 Ausländern waren 41 113 Juden, also 5% gegen 1% bei der Bevölkerung überhaupt. (Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches 1905, 1. Ergänzungsheft.) 3) Segall, Jacob, Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1875—1905. Ein Beitrag zur Kommunalstatistik, herausgegeben vom Verein für die Statistik der Juden in München (Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden, Heft 7), 1910.