Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Das Jüdische Echo Nr. 31 Gleichberechtigung' zugleich auch das Schächten zu verbieten. Er vertrat die Ansicht, daß die Schächtungsfrage zuerst von berufenen Fachleuten behandelt werden müsse, um vor der Regerung hierin Beschlüsse fassen zu können. Die Sozialistin K a r h i n e n schilderte in grauenvollen Bildern die traurige Lage der finnländischen Juden, drückte die Meinung aus, daß die Juden in Finnland noch mehr gelitten haben als in anderen Ländern und forderte ebenfalls ihre Gleichberechtigung. Herr I s a k s o h n (schwed. Partei) forderte die Aufhebung des Gesetzes, wonach Nichtchristen in Finnland vor dem Gericht als Zeugen nicht zugelassen werden. Frau Irie-Kasninen (alt-finnische Partei) meinte, daß das finnische Volk keine fremden Juden aufnehmen dürfe und führte als Beispiel einige Ortschaften in Rußland und Polen an, deren Bevölkerung von den Juden gelitten haben sollen. Sie forderte jedoch Gleichberechtigung für die in Finnland ansässigen Juden. Dieser Rednerin entgegnete die Sozialistin Ferstinen, die Beweise anführte, daß man in der letzten Zeit die Haut des finnischen Volkes ohne Mitwirkung der Juden geschunden habe. Herr L a u t o (Agrarpartei) befürwortete die Einwanderung ausländischer Juden nach Finnland, zum Zwecke der Beschäftigung mit Bodenkultur und Viehzucht. Geschäftsleute hätte man schon genug im Lande. Eine lebhafte Debatte erregte die Frage der Eheschließungen zwischen den Juden selbst und zwischen Juden und Nichtjuden. Nach dem Vorschlag der Kommission dürfen solche Heiraten nur auf Grund des Zivilrechtes erfolgen; da jedoch das Gesetz über Zivilehen in Finnland obligatorisch noch nicht durchgeführt ist, könnten die Juden, die finnländische Mitbürger würden, sich gesetzlich nicht verehelichen. Es wurde daher von vielen Abgeordneten die Forderung gestellt, daß die jüdische Form der Eheschließung noch die alte bleiben soll. Zuletzt wurde festgestellt, daß sämtliche Parteien für die Gleichberechtigung der in Finnland ansässigen Juden eintraten, aber die meisten Parteien sich gegen die Gleichberechtigung der (besonders aus Rußland) eingewanderten Juden aussprach en. Der Gesetzentwurf wegen der Gleichberechtigung der in Finnland ansässigen Juden wurde vom Sejm daraufhin angenommen. Die 7. russische Zionisten* Konferenz. Die russischen Zionisten hielten Ende Mai ihre 7. Konferenz. Die Eröffnungsrede hielt Dr. E. W. Tschlenow, der in warmen Worten die russische Freiheit, die provisorische Regierung, den Arbeiter- und Soldaten-Rat und die Befreiung der Juden begrüßte. Herr Ussischkin berichtete über den Jischub in Palästina. Den Bericht über die Tätigkeit des Zentralkomi-' tees erstattete M. S. A l e i n i k o w. Seine Mitteilungen entrollten ein interessantes Bild von der Entwicklung der zionistischen Landesorganisation im Rahmen der Umwälzungen im russischen Reiche. Ergänzend berichtete J. Grünbäum, die Zionisten hätten als die ersten die Forderung aufgestellt, die jüdische Rechtlosigkeit abzuschaffen, noch bevor die Konstituante einberufen wurde. Dem zionistischen Zentralkomitee sagte er, es werde den Kampf um dienationalen Rechte in Rußland und in Palästina zu führen haben. Bei der darauffolgenden Debatte wurde der Frage des Anschlusses der Zionisten an andere nationale Parteien ein breiter Raum bewilligt. Das Referat über das P r o g r a m m der nationalpolitischen Forderungen in i Rußland hielt J. Grünbaum. Was wir heute zu; verlangen haben, sagte er, ist, daß die jüdische i Nation und nicht ein bestimmtes territorial bej grenztes Gebiet Träger der jüdischen Rechte j werde. Der Kern unserer Selbstverwaltungs-Or- ] ganisation müsse die Gemeinde sein. Gegenwärtig j könne die Gemeinde nicht eine ausschließlich weit- I liehe sein, denn das nationale Leben im Judentum j sei vielfach mit dem religiösen verknüpft. Dies sei I kein Zufall1, sondern ein Produkt unserer eigenartigen Existenz im Galuth. Die vollständige Säkularisation des Judentums werde erst in Palästina erfolgen können. Wir müßten aber eine a 11 - jüdische Gemeinde haben, die alle Juden und nicht nur die religiösen unter uns umfaßt. Einerseits könne nicht das Volk auf diejenigen seiner Söhne verzichten, die der Religion fern stehen, andererseits können wir es aber nicht zulassen, daß der Religion entfremdete Personen die Angelegenheit der Religion regeln. Die Gemeinde, die allein das Recht der Zwangsbesteuerung besitzt, müsse daher alle Juden umfassen. Innerhalb der Gemeinde müsse aber eine aus den Synagogenbesuchern bestehende religiöse Organisation entstehen, die über die religiösen Angelegenheiten zu walten hat und die ihr Budget von den Einnahmen der Gemeinde ihrer Zahl gemäß erhält. Diese Gemeinden hätten sich zu einem Verband unter der Leitung des Reichswaad und der Landeswaadim (der Terminologie der alten polnischen Autonomie entnommen). zusammenzuschließen. Dieser W a a d ist wohl kein Landtag. Einen besonderen territorialen Landtag (Sejm) kann ein Volk nur dann bekommen, wenn es die Mehrheit in einem bestimmten Territorium bildet. Zionisten dürfen die Tatsache der jüdischen Zerstreuung nicht vergessen. Der Waad beruhe auf den Staatsgesetzen und besitze das gesetzgebende Recht nur bezüglich der Steuervorschreibung. Ferner müsse das proportioneile Wahlsystem und die Anerkennung des Jidischen als offizielle Umgangssprache gefordert werden. Alle Gesetze, die die nationalen Rechte der Juden festlegen, müssen unter die von der Konstituante zu beschließenden Reichsgrundgesetze fallen, so daß keine territoriale Autonomie sie schmälern könne. Danach sprach J. D. Bruzkus über die zionistische Taktik. Die Zionisten nehmen weder die zu weit gehende Forderung der S e j m i s t e n nach einem jüdischen Landtag noch die zu geringe Forderung des Bundes nach Erfüllung der jüdischen Kulturansprüche an. Für das Zusammenarbeiten der Zionisten mit andern russischen Parteien empfahl er hauptsächlich Anlehnung an die volkssozialistischen Parteien, ohne sich aber mit irgend einer Partei zu identifizieren. Die Zionisten müßten eine eigne politische Partei im Reiche bilden. Auch hieran schloß sich eine sehr lebhafte Diskussion. Mit einer überwiegenden Mehrheit von