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Das jüdische Echo · 1917-08-03 · 31 (3.8.1917) · p. Seite 339

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
31 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Das JUdische Echo 339 Die Methoden der Ägudath Hoorthodoxim. Die von den Herren Kohn und Carlebach ins Leben gerufene Organisation der Gesetzestreuen in Polen bat sich in der letzten Zeit ärgern müssen: Zuerst sah sie sich von den Misrachisten verlassen, gesetzestreuen Juden, die trotz ihrer unbedingten Achtung für die Gebote der Thora diejenigen für Feinde des Judentums erklärten, die den nationalen Zusammenhang des jüdischen Volkes leugnen wollten. Dann sandte die zionistische Organisation Fragebogen von Haus zu Haus, in denen jeder erwachsene Jude angefragt wurde, wie er sich zu einem Gemeinwesen in Palästina im zionistischen Sinne stelle, und schaudernd mußte die Aguda erleben, daß die Unterschriften mit Begeisterung gegeben werden. Es kommen Leute zu den Bureaus, um zu unterschreiben, weil sie fürchten, vergessen zu werden. Sebst Assimitanten — von Chassidim ganz zu schweigen — unterschreiben viel, weil sie die Lösung des Problems der jüdischen Masse nur auf dem Wege der zionistischen Palästina-Politik sehen. Es mußte also von Seiten der Aguda etwas „unternommen“ werden, und es wurde etwas unternommen: In einer am 24. Juli stattgehabten Beratung des rabbinischen Rates bei der Agudath Hoorthodoxim sind Beschlüsse zur Palästinafrage gefaßt worden, die durch das „Jüdische Wort“ verbreitet werden. Der erste Beschluß verbietet den Eintritt in die zionistische und auch: in die misrachistische Organisation, da diese sich in den Kreis der zionistischen Organisation eingefügt hat. Die zweite Resolution wendet sich gegen die Unterschriften-Sammlung der Zionisten und behauptet, daß die Leute nicht wissen, was sie unterschreiben. Die Unterschriften seien zusammengeholt worden durch verschiedene Vorspiegelungen und würden der Palästinasache Schaden bringen. Das Plebiszit sei gegen die Anschauungen des Rates. Dieses „Unternehmen“ hat, wenn man die gegenwärtige Lage des Zionismus in Polen betrachtet, einen humoristischen Anstrich. Besonders humoristisch ist das Verbot, in die zionistischen Organisationen einzutreten, nachdem eine große Anzahl! von Rabbinern aller Anschauungen erst letztens in die stark anwachsende misrachistische Vereinigung eintraten, die ihrerseits in einer Landeskonferenz unter Vorsitz $}es Kombiner Rabbiners ihre Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation ganz unzweideutig betont hat, um den Quertreibereien von außen her die Spitze abzubrechen. Mehr als 20 polnische Rabbiner sind Mitglieder der zionistischen Organisation geworden. Einer der ganz unbestritten allerersten Rabbiner Polens, der Wdoclaweker, Vorstandsmitglied des Misrachi, ist gegenwärtig in Warschau, um drei Vorträge für den Zionismus zu halten, zwei in Privatsälen, einen in der Synagoge. . Mehrere Rabbiner haben ihren Namen unter die Unterschriftsliste gesetzt. In Anbetracht der Sachlage, besonders der Tatsache, daß die Agudath Hoorthodoxim ja keineswegs alle Orthodoxen umfaßt, daß ihr die bildungsfreundlichen Elemente, wie z. B. die Rabbis von Wloclawek, Kutno, Gombin, Lomza — von der polnisch-jüdischen Intelligenz ganz zu schweigen — fernstehen, wird dieser „Beschluß“ vielleicht doch nicht die niederschmetternde Wirkung haben, welche die Herren Kohn und Carlebach erwarten, sondern eher als ein Zeichen der Schwäche gedeutet werden. Frage an das Generalkommando. „Das „Bayerische Vaterland“ bringt in seiner Ausgabe vom 28. Juli den folgenden Satz: „Und nicht nur, daß diese Fremdlinge, bei denen das Geld keine Rolle spielt, also in der Hauptsache Kriegsverdiener und aufgedonnerte Judenweiber, das Land äussaugen und die Einheimischen dem Darben aussetzen, sie korrumpieren das Landvolk, wecken in ihm den Geldteufef und den Wuchergeist, die beide über Gott und dessen Sittengesetze hinweggaloppieren.“ Ist dem bayerischen Generalkommando dieser Satz vorgelegt worden? Und durfte er trotzdem erscheinen? Das wäre bedauerlich zu einer Zeit, in der alle Bevölkerungsgruppen den Schutz der Gesetze genießen — sollten. Die Judenfrage im finnländischen Sejm. Am 28. Juni d. J. fand im finnländischen Sejm die erste Besprechung des Gesetzentwurfes betreffs der Gleichberechtigung der in Finnland ansässigen Juden statt. Mit einer längeren Rede tritt der Vorsitzende der schwedischen Partei Dr. Lilie heraus. Er gab einen historischen Überblick über die Judenfrage in Finnland, schilderte die ungeheuren Leiden, die sie unter der russischen Regierung erlitten und die auch die Finnländer vor der ganzen Welt in Mißkredit gebracht haben, wenn auch Heines Worte „Jedes Land hat die Juden, die es verdient“ auf Finnland keineswegs zutreffe: Die finnländischen Juden sind in Wirklichkeit viel besser als sie nach solchen unausgesetzten Verfolgungen hätten sein können. Dr. Lilie protestierte auch gegen den eingebrachten Antrag, gleichzeitig mit der Judenfrage die Schächtungsfrage zu behandeln und mit der Erteilung der Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossberzogl. badisebe Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. 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