Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 333 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Andererseits sehen wir, daß ein Unterschied zwischen Jiidischkeit und Frömmigkeit besteht, daß das Volk selbst zwischen den höheren und niederen Stufen der Religiosität unterscheidet. Frömmigkeit ist das Bestreben, im alltäglichen Leben das Maximum der religiösen Idee zu erreichen, dagegen Jiidischkeit, einfache Jiidischkeit wie das Volk sie versteht, ist der redliche Wille, sich als Jude bezeichnen zu dürfen. Es ist nicht so leicht, die genauen Grenzen zwischen Jiidischkeit und Frömmigkeit zu ziehen; der gewöhnliche Jude lebt mehr in der realen Welt, der fromme Jude mehr in der Welt der Ideen und religiösen Gedanken. Es ist daher begreiflich, daß das reale Leben beständig wie ein fließender Strom ganze Trümmer der jüdischen Tradition wegschwemmt, um sie der Ideenwelt zuzuführen. Dreimal täglich die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, war früher eine der Grundsäulen der Jiidischkeit, in der jüngsten Zeit ist es in das Gebiet der Föinrnigkeit gewandert; das gleiche gilt vom Talmudstudium, „Schulchan-Aruch“-Lesen und dgl. Die modernen Lebensbedingungen drängen lins ihren unerbittlichen Willen auf und stellen an uns neue Forderungen des Tages. Fs würde jetzt schwer fallen, das Minimum des religiösen Lebens, welches ein Jude besitzen muß, festzulegen, um ein Jude nach dem Begriff unserer Vorfahren zu sein. Nach dem gegenwärtigen Begriff des Judentums ist der Jude beständig Jude, mag er ein großes oder geringes Maß von Religiosität aufweisen. Der Wahlspruch unserer Weisen: „Jjfthach in seinem Zeitalter ist wie Samuel in seinem“ bildet ein Programm für die Bewertung der Juden zu allen Zeiten. Zwischen Samuel, dem adligen geistigen Führer des Judentums und dem wilden, vom Heidentum stark beeinflußten Jifthach ist eine unübersehbare Entfernung, sie besteht aber nur in ihren Persönlichkeiten, nicht in ihren jüdischen Aufgaben, in ihrer Beziehung zum Volk und ihrer Arbeit für das Volk. Als Individuen sind sie von einander verschieden, als Nationaltypen, als Volkshelden sind sie gleichartig und gleichwertig. Damit ist die Beziehung zwischen Nationalismus und Religion unzweideutig festgestellit. Vor hundert Jahren wurde von seinen eigenen Brüdern und den Fremden derjenige ein Jude genannt, der lange Schaufäden, Bart und Schläfenlocken trug. Wiederum vor Tausenden von Jahren wurde der Jude genannt, der in Kanaan liebte, Tempel und Priester hatte, Opfer auf dem Altar brachte usw. Heutzutage heißt Jude derjenige, den man nach seinen Gesichtszügen, äußeren Geberden u. dgl. als solchen erkennt, gleichviel ob er Stirnbänder anlegt, den Sabbath hält oder Bart und Locken trägt, und dennoch ist dieser Jude der gleiche Jude wie vor 2000 oder 200 Jahren. Nicht nur die jüdischen Helden, sondern auch die gewöhnlichen Juden haben miteinander das Judentum zu verschiedenen Zeiten gemein. Die Juden aller Zeiten sind Söhne eines besondere Volkes, sondergeartete Menschen. Das Leben gestaltet den Menschen, gibt ihm Namen und Zugehörigkeit, das Leben bewertet den Juden nach seiner Beziehung zu der Umgebung, unbesorgt um die Individualität und die Sondeirwünschie* eines jfed-en. Würde man den Namen Jude nach bestandener Prüfung in Gesetzes-Kenntnissen, nach Untersuchung der Schaufäden und Stiünbinden bekommen, dann gäbe es keine Judenfrage mehr. In Wirklichkeit steht die Sache ganz anders; den Namen Jude bekommen zu ihrem größten Leidwesen auch diejenigen, die den glänzenden Beweis erbringen können, daß sie von Jiidischkeit nichts wissen. Ein nationaler Jude ist, wer begreift und davon überzeugt ist, daß der Name Jude zwischen den Nationen jetzt genau so wie zu den Urzeiten des Judentums besteht. Der nationale Jude betrachtet die Thora und den „Schulchan Aruch“ nicht als ein Statut mit Paragraphen, die man befolgen muß, um in eine gewisse Partei oder Gesellschaft aufgenommen zu werden. Die ganze religiöse Literatur ist bei ihm die Volksschöpfung, der Ausdruck der jüdischen Seele, ihre jeweilige Anschauung und Auffassung der Welt, aber die gleiche jüdische Seele lebte bereits vor der Gesetzgebung. Die Thora steht nicht über dem Volk wie eine grausame Gebieterin, sondern befindet sich im Volke, in seinem Herzen und Gemüt, wie ein großgezogener emporstrebender Gedanke. Beim wahrhaft nationalen Juden kann von einer Geringschätzung der Thora, des Ausdrucks der Volksseele, nicht die Rede sein, wie er sein Volk selbst nicht geringschätzen kann. Der nationale Jude wird auch die Frömmigkeit niemals antasten, noch weniger bekämpfen, soweit sie ein reines Streben nach Vollkommenheit darstellt. Er kann aber die Monopolisierung der Jiidischkeit durch die Frömmigkeit nicht gelten lassen. („Moment“.) Der amerikanisch-iüdische Kongreß ist auf den 18. November 1917 verschoben worden. Kongreß in Amerika und iüdische Arbeiter. Das „Komitee der nationalen Arbeiter“ in Amerika, das die organisierten Gruppen der internationalen Sozialisten im Osten umfaßt, hat beschlossen, sich von der Kongreß-Bewegung zurückzuziehen; infolgedessen sind die Vertreter des Komitees aus dem Exekutiv-Komitee des Kongresses ausgetreten. — In der amerikanischen Presse wird dieser Rücktritt des „Komitees der nationalen Arbeiter“ verschiedentlich kommentiert. Als Grund des Rücktrittes wird vom Komitee die russische Revolution genannt, die mit einem Schlage die ganze Judenfrage gelöst und das Komitee, das den Kongreß ausschließlich als „Jüdische-Rechte-Kongreß“ betrachtet, weiterer Schritte enthoben hat. Die Presse vermutet, das Komitee befürchte, daß die Wahlen zum Kongreß klar ergeben würden, daß das Komitee in Wirklichkeit nicht, wie es behauptet, 500 000 iüdische Arbeiter vertritt. Als dritter i Xgf. ‘Bayer, m Borzeffan= 1 BJlanufakiur cKymphenbarg § (Kaup{niederläge QTljlncßen : Odeonsp/atj 1 |j Kunst* u. ßuxusgegensfände, Tafel*, (Dessert*, H (Kaffee* u. Teegeschirre, Figuren, Gruppen eie. Q naefj afiert ‘Kympüenburger Original ‘IRodeffen. R Außerdem neue Formen und Tlodelle na Ft Gnf* ö g würfen erster FZüncßner (Künstler.