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Das jüdische Echo · 1917-07-27 · 30 (27.7.1917) · p. Seite 334

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
30 (27.7.1917)
Date
1917-07-27
Page
Seite 334 (sequence 6)
Language
German
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334 Das Jfidisehe Echo Nr. 30 Grund wird angeführt, daß die Führet des Komitees ihr Interesse mehr Parteifragen als allgemeinjüdischen zuwenden. Einige Zweigvereine haben beschlossen, sich doch beim Kongreß vertreten zu lassen, und es herrscht die Ansicht vor, daß die jüdischen Arbeitermassen in ihrer Eigenschaft als Juden ihre Delegierten, trotz dieses Schrittes der Leitung ihrer Parteigeschäfte, zum jüdischen Kongresse entsenden werden. Die Judenfrage in Österreich. In einer Sitzung des־ österreichischen Abgeordnetenhauses vom 16. Juni behandelte der national-jüdische Abgeordnete Dr. Straucher die jüdische Fraee in Österreich in einer längeren Rede, der wir folgendes entnehmen: Dr. Straucher wendet sich gegen die Behandlung der Juden in Österreich und bemerkt, daß alle Völker große Hoffnungen in die Neuordnung der Verhältnisse setzen, während die Juden bei den unverkennbar stärker gewordenen antisemitischen Richtungen von tiefster Besorgnis über ihr Schicksal in Österreich erfüllt sein müssen. Die judenfeindliche Richtung setzt unverhüllt immer stärker ein, bedauerlicher- und bezeichnenderweise in Kreisen, bei denen man berechtigt war, Unvoreingenommenheit zu erwarten. Überalil beschäftigt man sich mit der Lösung der Judenfrage, nur in Österreich nicht. Redner präzisiert die Forderungen der Juden nach dem gleichen Rechte wie die andern Staatsbürger in folgenden Punkten: Da auch in der Judenschaft die völkische Richtung im letzten Viertel des Jahrhunderts zur Geltung gekommen ist, müsse die nationale Gleichberechtigung der Juden als Volk und deshalb in nationalkulturelle Autonomie verlangt werden, sowie national-jüdische Kurien in allen Vertretungskörpern, dort wo die Juden in Massen wohnen und wo dies nicht möglich! ist, jüdische Wahlbezirke, eventuell das Verhältniswahlsystem, ferner die uneingeschränkte politische Gleichberechtigung, die restlose Durchführung der verfassungsmäßig gewährleisteten Rechtsgleichheit auf allen Gebieten; des weiteren die wirtschaftliche und soziale Fürsorge für das jüdische Massenproletariat. Feuilleton Das Nürnberger Martyrologium *) München. Namen der Märtyrer, die Freitag den 12. Marcheschwan 5046 (12. Oktober 1285) in München umkamen: R. Sabbatai und seine Frau Rebekka; R. Joseph, Sohn R. Sabbatais; R. Salomos; der gelehrte R. Schemarja, Sohn des Rabbiners R. Israel; seine Frau Ruth, ihre Söhne R. Israel und Chananel, sowie ihre Töchter Frau Minna und Guta; R. Joseph, Sohn R. Serubabels, seine Frau Mirjam und ihre drei Kinder R. Mose, Sohn R. Serubabels. sein Sohn R. Meir, sein Schwiegersohn R. Jomtob Halevi und dessen Frau Golda; Frau Naama; R. Mardochai Hakohen, seine Frau Seltela und ihre beiden Kinder; R. Ephraim, Sohn R. Baruchs, seine Frau Sara und ihre beiden Kinder; R. Simcha, Sohn R. Ahrons, seine Frau Jona und ihre beiden Kinder; R. Chajim, Sohn R. Sar-schaloms und seine Frau Esther; der fromme R. David, Sohn R. Kalonymos; R. Menachem, Sohn R. Jakobs, seine Frau Stella und ,ihre zwei Kinder; R. Pin- *) Aus ״Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches“ von Dr. Siegmund Salfeld. chas und seine Frau Perla; R. Joseph, der Franzose, seine Frau und sein Sohn; R. Serubabel, Sohn R. Nachmans; die fromme Frau Kosa und ihre beiden Söhne Elia und Elieser; Frau Garsena, Ehefrau R. Jakobs; die alte Frau Hanna; Frau Bruna und ihre beiden Kinder; der junge R. Jakob und Isak; die Witwe Lea und ihre Tochter; Frau Nidna und ihre Kinder Joseph und eine Tochter; Frau Fromut, Tochter R. Sabbatais und ihre vier Kinder. — Angeklagt, ein Christenkind gekauft und ermordet zu haben, werden die Juden in München verfolgt. Sie flüchten sich in die Synagoge und werden hier dem Flammentode übergeben. Grätz beziffert die Zahl der Umgekommenen auf 180, die Annal. August min. sprechen von mehr als 100 Opfern, während Zunz, Syn. Poesie 33, nur 90 hat. Gegen diese Angaben bleibt unsere Liste mit 68 Märtyrern zurück. Das שתפי deutet auf den Tod in den Flammen des Gotteshauses und wird durch die älteren lateinischen Quellen bestätigt. Das Datum ist hier genau, während die vorgenannten kleineren Augsburger Annalen a. a. O. die Verfolgung in die Herbstzeit setzen: Judei quoque in Monako tempore autumpnali pro occisione cuisdam pueri promiscui sexus 132 comburuntur. — Ein Zeitgenosse Chajim b. Machir, welcher wahrscheinlich in Regensburg lebte, beklagte die Gefallenen in einer mit den Worten אנא ה׳ אלהי השמים beginnenden Elegie. Nürnberg. Das Memorbuch enthält die Namen von 628 Opfern, die in Nürnberg am 22. Ab 5058 (1. Aug. 1298) erschlagen und verbrannt wurden. Die Namen und knappen Andeutungen der Nainensliste finden außer in den mittelalterlichen Geschichsquellen umfangreiche Ergänzung in den unter ״Röttingen“ zitierten hebräischen Elegien. In wehmutsvollen Tönen dringt aus der Elegie אבכה ללשה יום die Klage über den Untergang der blühenden Gemeinde, die an tausend Opfer bringen und ihren weltberühmten Führer, den einflußreichen Gelehrten R. Mardochai b. Hillel dahingeben mußte. — Mose b. Elesar hakohen schildert in seinem Klagegesange, daß Freitag, 22. Ab 5058, die starke tonangebende Nürnberger Gemeinde überfallen und zerstört sei, daß die Zierden des Judentums und der Wissenschaft, glaubensstarke Männer und opferfreudige Frauen, welche ihr und ihrer Kinder Leben der heiligen Sache weihten, gemordet wurden. Der Dichter nennt dieses Martyrium den grausamen Schlußakt des an Verfolgungen überreichen 5. Jahrtausends. Die beiden anderen Elegien bieten eine mehr allgemeine Schilderung des Schreckenszeit. Daß die in vorliegender Lfisfc genannten Märtyrer meist alten Nürnberger Familien angehörten ergibt eine Vergleichung mit dem zur Einweihung der Synagoge in Nürnberg, Donnerstag, 18. Kislew 5657 (15. November 1296), von Isak b. Samuel aus Meiningern der Gemeinde überreichten Nekrologium, einer Toten- und Spendenliste, die in ihrem I. Teile von ungefähr 1280 bis 1298 und von da ab bis 1346, in ihrem II. Teile von 1373 bis 1392 reicht. Eine zweite Judenverfolgung fand in Nürnberg am 23. Kislew 5110 (5. Dezember 1349) statt. Hierbei wurden 570 Opfer gezählt. Das Salfeldsche Werk sagt darüber: Das Memorbuch, welches an anderer Stelle über 140 Gemeinden aufzählt, über welche zur Zeit des schwarzen Todes das Unglück hereinbrach, hat

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