Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 30 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- Seite 330 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tiberias 2× ep/1048138
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
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330 Das Jfidische Echo Nr. 30 werden im kommenden Frieden mehr denn je unserem türkischen Bundesgenossen zur Seite stehen müssen, um ihm zur inneren Erstarkung zu verhelfen. Ein gewiß nicht zu verachtendes Mittel würde hierzu die Schaffung eines in strengster Abhängigkeit von der türkischen Oberhoheit befindlichen jüdischen Staatswesens sein, dem dennoch Gelegenheit gegeben sein muß, sich in seiner Volkseigentümlichkeit zu entwickeln. Der Jude ist ein geborener Kolonist. Wie kein anderer Mensch auf Erden versteht er es. alle gebotenen Vorteile auszunützen. Sein betrieblicher Sinn wird die Bodenschätze Palästinas erschließen, wird Wälder aniegen, Brunnen finden, wird dem Ackerland die schönsten Früchte entlocken — wenn er auch nicht selber Landwirt ist, Arbeitskräfte findet er unter den Fellahs dort genug. — Der Handelsverkehr der ganzen Türkei wird mit dem geschlossenen jüdischen Element in seinem Reichskörper erstarken und es wird eines Tages dann so weit sein, daß die Türkei ihren Reichtum erkennt und erfaßt und diaß sie in der Lage sein wird, sich gegen äußere Feinde zu wappnen, wie die Bundesgenossen in Mitteleuropa. Wie ein Präriebrand durch Gegenfeuer gelöscht wird, so können wir Englands neuestem imperialistischen Vorhaben begegnen, indem wir ihm vorwegnehmen, was es zu tun beabsichtigt. Die Gründung eines jüdischen Staatswes^ unter türkischer Oberhoheit würde für uns Notwehr sein, wie der U-Bootkrieg die einzig mögliche Antwort auf die englische Blokade ist. Feuer gegen Feuer." Die Lage der Evakuierten. Das „Jüdische Fürsorgekomitee für die Evakuierten“ hat eine Reise nach Galiläa unternommen, um die Lage der Flüchtlinge daselbst zu untersuchen. Nunmehr liegen die ersten vorläufigen Berichte über die Ergebnisse dieser Inspektionsreise vor. Die Kommission hat, wie ein vom 18. Mai datierter an die „Jüdische Rundschau“ gerichteter Bericht meldet, ganz Galiläa sowie Haifa und Sichron-Jakob besucht. In Jemma wurde eine Versammlung einberufen, an welcher Vertreter aller galiläischer Kolonien, alle Komitees der Flüchtlinge, Vertreter der Stadt Tiberias und aller Farmen, insgesamt 60 Vertreter der jüdischen Bevölkerung teilnahmen. Auf Vorschlag des Fürsorgekomitees wurde für Galiläa ein Zentralkomitee gewählt, das dort alle Arbeiten organisieren und leiten soll. Der Bericht konstatiert, daß überall ZIGARREN-IMPORT BERNHARD OSTERMAI ER Aß MÜNCHEN PR0MINADEPU* Hingabe und Wille zur Arbeit im Interesse der f Evakuierten vorhanden ist und daß sich insbesonj dere die Jugend in den Dienst der Sache gestellt I hat. Das von dem Fürsorgekomitee für die Evaku- , ierten ausgearbeitete Budget verlangt 50 000 Frcs. monatlich in Goldwährung für Unterstützungen, Notstandsarbeiten und Erziehung der Flüchtlingskinder, wobei als Grundlage der Subvention ein Minimum von 20 Cts. pro Kopf genommen wird, i Der Bericht konstatiert selbst, daß dieser Durchschnittsbetrag unzureichend ist und daß mindestens der doppelte Betrag notwendig ist, um die Flüchtlinge einigermaßen ausreichend zu ernähren. Soweit Berichte über die Lage der Evakuierten in den einzelnen Orten vorliegen, wird konstatiert, daß im besonderen der Zustand der Evakuierten in Kinereth außerordentlich schlecht befunden wurde. Auf dem Kerak fand das Fürsorge- *■ komitee mehr als 1000 Flüchtlinge unter den schlechtesten klimatischen Bedingungen. Das j Fieber hatte sich eingenistet und schnell verbreitet. Die Zahl der Fieberkranken und derjenigen, f die an anderen Krankheiten darniederlagen, war ,j sehr groß. Trotz der geringen zur Verfügung i stehenden Mittel und der durch den Transport entj stehenden Kosten mußte man sich deshalb entschließen, einen Teil der Flüchtlinge von Kinereth; an andere Orte zu bringen. Die Arbeitsfähigen j wurden nach Rosch-Pinah und anderen Arbeits- Plätzen gebracht, ein Teil, bei den Wegearbeiten der Regierung beschäftigt, die Arbeitsunfähigen! wurden nach Safed transportiert. Der sanitäre Zustand war infolge des Mangels an Heilpersonal und Heilmitteln sehr schlecht, denn der einzige Arzt, der für die ärztliche Fürsorge zur Verfügung stand und der im Aufträge des Fürsorgekomitees ■. i nach Galiläa gereist war, konnte die Arbeit nicht . bewältigen. Man erwartete daher mit großer Ungeduld das Eintreffen der ärztlichen Mission aus . Jerusalem. In Tiberias haben sich die Emigranten eine gemeinsame Küche und Kontrolle eingerichtet. Von den 4500 Flüchtlingen, die unbedingt unterstützungsbedürftig sind, wird etwa der fünfte Teil bei den Notstandsarbeiten beschäftigt werden können. Diese Notstandsarbeiten für die Flüchtlinge sind f in Galiläa Arbeiten für Fachleute und landwirtschaftliche Arbeiten, sowie Regierungsarbeiten. In J den Kolonien gibt es verschiedene Arbeiten für Bauarbeiter, wie beispielsweise in Jomma, Mesha und zum Teil auch in Kinereth. Es gibt auch Saisonarbeiten beim Ausreißen der Hülsenfrüchte und der Getreidearten, die nicht gut aufgegangen sind (in Sedjera und in Mesha). Bei diesen Arbeiten könnten 200 Personen Beschäftigung finden. Außerdem gibt es landwirtschaftliche Arbeiten in Migdal und in Rama (Sarona), sowie Straßenreparaturen in Rosch-Pinah. Der Waad der Kolonie Rosch-Pinah hat sich verpflichtet, 60 Prozent der Kosten der Arbeiten in dieser Kolone zu über- I nehmen, der Rest wird vom Fürsorgekomitee der j Kolonie geliehen. Um die Arbeit in Galiläa zu organisieren, wurde beschlossen, ein ständiges Bureau für die Evakuierten in Galiläa zu eröffnen. Wenn die Notstandsarbeiten in dem geplanten; \ Maße durchgeführt werden und' Gelder hiefür aus- ■ j reichend zur Verfügung gestellt werden, so würde; es sich ermöglichen lassen, mit dem bezeichneten