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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 326

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 326 (sequence 10)
Language
German
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326 Das Jüdische Echo Nr. 29 mokratie einen scharfen Kampf gegen alle Versuche antisemitischer Erregung und die Unterdrückung jeder Werbetätigkeit dieser Art. Zum Beilisprozeß. Die Kommission, die vom Justizminister Kerensky mit der Nachprüfung der Tätigkeit des Justizministeriums im Beilisprozeß beauftragt worden war, hat festgestellt, daß der damals beteiligte wütende Pogromhetzer Samyslowski, sr. Zt. aus dem Geheimfonds des Polizeidepartements 3500 Rubel, Prof. Kossonow, der Verfasser des berüchtigten Gutachtens, für dieses 4000 Rubel aus dem gleichen Fonds erhielt. Interpellation im österreichischen Abgeordnetenhaus. Der Abg. Straucher hat an die Reichsregierung im Hinblick auf die Gange befindliche Überprüfung des Beilisprozesses in Rußland die Anfrage gestellt, ob die Regierung geneigt sei, die außerordentliche Revision des Hilsnerprozesses anzuordnen. Die Lage der Juden in Palästina. Der Stockholmer Korrespondent des Amsterdamer ״Handelsblad“ erfährt, daß der amerikanische Gesandte den schwedischen Minister des Äußern ersucht habe, eine Untersuchung über die Lage der Juden in Palästina anzustellen. Die ״Morning Post“. Aus London wird unterm 10. Juli drahtlich gemeldet, daß die ״Morning Post“ sich gegen die Ernennung des Lord Montagu wendet, weil er Jude sei. Neben seiner Liebe zum Geburtslande sei der Jude seiner Nation treu ergeben. Es wäre daher nicht ratsam, in die Regierung so viele Juden aufzunehmen. (? d. Red.) Eine jüdische Deputation bei der siidafrikanisehen Regierung. Der Exekutiv-Ausschuß des Jüdischen Kongreß-Komitees in Kapstadt entsandte eine Deputation an die Regierung der südafrikanischen Republik mit einem Memorandum über die Wünsche der Juden bezüglich Palästinas. Die Regierung der Republik versprach offiziell der Gesandtschaft, auf dem bevorstehenden Friedenskongreß die Forderung des jüdischen Volkes zu unterstützen. Jüdischer Nationalfonds. Die Spendeneinnahme des Monats Juni 1917 betrug 242.420 M.; die Eingänge des ersten Halbjahres 1917 belaufen sich auf 623 552 M. gegen 282 315 M. im ersten Halbjahre 1916); außerdem sind für den Pionierbeitrag (des Genossenschaftsfonds) 6255 M. eingegangen. An dem Halbjahresergebnis sind folgende Länder beteiligt: Nordamerika 167 077, Österreich 156 731 (davon besetztes Gebiet 23 193), Rußland 141 541, Deutschland 91 561 (davon besetzt. Gebiet 24 798), Holland 13 095, England 9826, Ungarn 8644, Argentinien 5702, Schweiz 4774. Bulgarien 4673, Südslavische Länder 3932, Südafrika 2879, Griechenland 2812, Ägypten 1661, Dänemark 1492, Kanada 1420, Frankreich und Tunis 1230, Belgien 1143, Australien 642, Italien 557, Neuseeland 470. andere Länder 372 M. — Die Einnahme von fast einer Viertelmillion im Monat Juni stellt eine Rekordsumme dar, doch sind darin die Erträge des Blumentages in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, sowie eine größere Sammlung aus Rußland enthalten. Der Eingang für den Pionierbeitrag stammt in der Hauptsache von den Blumentagen der holländischen und belgischen Zionistenförderation. — Das Halbjahresergebnis übertrifft um mehr als das Doppelte den im ersten Halbjahr 1916 erreichten Betrag. Mit Rücksicht auf die aus Anlaß der Evakuierungen in Palästina eingeleiteten Notstandsarbeiten auf den Besitzungen des JNF und seine Erfordernisse für die Zeit nach Friedensschluß ist zu hoffen, daß die Opfer- Willigkeit und der Eifer'der Spender und Sammler in der nächsten Zeit noch eine Steigerung erfahren wird. Feuilleton Das Nürnberger Martyrologium *) Die Sitte, das Andenken der Verstorbenen zu segnen und ihre Namen verehrungsvoll zu nennen, war seit den ältesten Zeiten in Israel heimisch. Wo und wann aber aus den Einzeläußerungen frommer Pietät sich die gottesdienstliche Form des ״Seelengedächtnisses“ entfaltet hat, steht trotz sorgfältiger Untersuchung noch nicht fest. Die Annähme, daß sie in Deutschland, und zwar nicht vor dem elften Jahrhundert entstanden sei, gründet sich auf einzelne, gelegentlich im jüdischen Schrifttum des Mittelalters auftauchende Bernerkungen und auf ältere Ritualvorschriften. Doch dürften eingehende Forschungen, welche im Einzelnen sich hier nicht ausführen lassen, auf ein höheres Alter weisen, umsomehr da gleichartige Einrichtungen der Kirche unmittelbar an einen Berieht der jüdischen Geschichte anknüpfen und das Gebet für die Verstorbenen im katholischen Kultus nach Angaben der Kirchenväter auf die Praxis der aus!Israel stammenden Apostel zurückzuführen ist. Als der gottesdienstliche Brauch feststand, an Sabbathen und Feiertagen der Abgeschiedenen, in erster Reihe der geistigen Führer, der durch Liebeswerke besonders ausgezeichneten Glaubensgenossen und der Märtyrer im Gebete zu gedenken, schrieb man mit den Formularen für das Seelengedächtnis,הזכרת נשמות הזכרה genannt, die Namen der Toten in besondere Bücher ein. Diese gaben außer dem allgemeinen Teile, der fast überall denselben Charakter zeigte und in knappen Ausdrücken die Geistesgrößen und Wohltäter, sowie deren Wirken für die Gesamtheit nannte, ein schlichtes Verzeichnis der Verewigten jener religiösen Gemeinschaft, für welche die Aufzeichnungen bestimmt waren und welcher die neben den Namen eingetragenen, für das Seelenheil gewidmeten Spenden zu Gute kamen. Ausführliche Nekrologe, welche Wesen und Wirken der Verstorbenen schildern, fehlen in den uns bekannten ältesten Gedenkbüchern gänzlich, sie gehören einer späteren Zeit an. Dahingegen ist überall der Namens- und Spendenliste ein Verzeichnis von Ortschaften und Ländern beigegeben, in welchen Verfolgungen gewütet haben, und vielfach sind auch die Gelehrten genannt, welche — namentlieh zur Zeit des schwarzen Todes — ihre Glaubenstreue mit dem Leben bezahlen mußten. Vereinzelt treffen wir hier und dort auch Märtyrerlisten an, welche über Ort, Zeit und Umfang eines Martyriums berichten, aber als umfassendes Quellenmaterial nicht gelten können. Nur das Gedenkbuch, welches unserer Edition zu Grunde liegt, vereint in einem besondern Bande eine solche Fülle von Märtyrerlisten über die Juden- Verfolgungen von 1096 bis 1349. daß es Vorzugs- *) Aus ״Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches“ von Dr. Siegmund Salfeld. ,

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