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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 323

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 323 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 323 Jfieä:- zur Id, °y Aufgabi; der Nachbj { nach c hoodguilds“ erden, weil Rüchen H, de konnte i vollständij Volksheinis, Warschau. auch nur der anzufragen, Namen dieser ntwort erhiel- K („Das iiidileit: teren Generader Tatsache mögen, ersl rigen Früchte abzuwarten? ate verflossen hte“ sind be- Staatsrat aui icherung von en in Polen - verhandelt; Schulwesen n. ÜN5Tm Promenade Straße 5 er Zweige •Gewerbes Der Staatsrat hat einen Beschluß gefaßt, laut welchem er sich geneigt erklärt, als nationale Minoritäten die Litauer, Weißrussen, Ruthenen und Deutschen anzuerkennen, keinesfalls aber die Juden. Den vier erwähnten nationalen Minderheiten ist er bereit, gewisse Zugeständnisse zu gewähren, den zu gewanderten Elementen hingcgegen will, er nicht das in i n d e s t e Recht geben. Die „Zugewanderten“ — darunter werden die Juden verstanden, so heißt es deutlich im Protokoll der Staatsrats-Sitzung. In der Antwort, die der Staatsrat auf die Adresse der „Agudas Hoortodoxim“ (richtiger gesagt an „Das jüdische Wort“) gegeben hat, haben die Juden noch „gleichberechtigte Bürger von Polen“ geheißen. In dem Protokoll, das natürlich noch nicht veröffentlicht ist, und lediglich in den Akten des Staatsrates bleiben wird, nennt man bereits die Juden weniger höflich: „die zugewanderten Elemente“. Dies sind eben die Früchte der „historischen Tatsache“. Der Beschluß des Staatsrates — man kann ihn wirklich als einen historischen Beschluß arischen, woraus die ganze kulturelle Welt und die künftigen Generationen imstande sein werden, viel zu lernen, — ist in vielen Hinsichten merkwürdig, und cs verlohnt sich, etwas länger bei ihm zu verweilen, um ihn in seinen Einzelheiten zu betrachten. Erstens mache ich auf Folgendes aufmerksam: Wir werden von diesem Beschluß gewahr, daß in das Verzeichnis der nationalen Minderheiten, die der Staatsrat bereit ist anzuerkennen, auch die Deutschen mitaufgenommen sind. Wer nun mit den polnischen Verhältnissen vertraut ist, kann nicht umhin, in diesem Faktum etwas neues zu erblicken, was mit der bisherigen politischen Stellungnahme der polnischen Gesellschaft in Widerspruch steht. Wir erinnern uns ja ganz gut, daß eines der wichtigsten Motive, das die polnische Gesellschaft vor dem Kriege gegen die jüdische Bewegung und gegen die jüdischen nationalen Forderungen aufzuführen pflegte, die Furcht vor den Deutschen gewesen war. Man sagte: das Jidisch ähnelt dem Deutschen. Die kulturelle Ausbildung der jüdischen Sprache muß dazu führen, daß sie sich in Hochdeutsch verwandelt. Im Falle eines Krieges zwischen Rußland und1 Deutschland, wenn die Deutschen nach Polen kommen, würden sie außer einer halben Million deutscher Kolonisten noch zwei Millionen Juden finden, die Deutsch sprechen und auf welche sie sich in der germanisatorischen Tätigkeit stützen können. Nach Ausbruch des Krieges hat die bekannte Agitation gegen die Juden als Freunde Deutschlands und Verräter, die die Ankunft des Feindes herbeisehnen, angefangen. — Ferner, als die Deutschen Warschau besetzten, ist der Lodzer polnische Lehrer verein und das Warschauer Bürgerkomitee anläßlich der Schulfrage mit einer Denkschrift an die deutschen Behörden herangetreten, worin sie versicherten, es gäbe in Polen keine jüdische Nation, sondern lediglich Polen mosaischer Konfession, die im Laufe von Jahrhunderten mit der polnischen Kultur zusammengewachsen sind; die polnisch denken und sprechen und die sich nach einer Schule mit polnischer Unterrichtssprache sehnen: dies ist getan worden, um die Wirkung der jüdischen nationalen Stimmen abzuschwächen. Als Dr. Paul Nathan, der wahre Initiator (und vielleicht auch der Verfasser?) der Adresse, die die „Agudas Hoortodoxim“ dem Staatsrat eingereicht hat, in Warschau war und mit den Vertretern der Jüdischen Volkspartei konferierte, indem er sie zu überreden suchte, die Volkspartei, die er für die „stärkste und einflußreichste Partei in Polen“ hielt, möge dasselbe tun, wie die orthodoxe Richtung (von einer orthodoxen „Partei“ hat er damals noch nicht zu sprechen gewagt), hat er mit verschiedenen Argumenten, die man nicht ernst nehmen kann und die zu wiederholen sich gar nicht verlohnt, uns zu überzeugen versucht, man müsse sich mit der Anerkennung der religiösen Toleranz abfinden und auf die nationalen Forderungen vorläufig verzichten. Dabei hat er den Gedanken geäußert, die Polen könnten keinesfalls den Juden Rechte einer nationalen Minderheit zuerkennnen, was er folgendermaßen motivierte: sollten die Polen den Juden die Rechte einer nationalen Minderheit zuerkennen, so würden sie dasselbe auch in Bezug auf die übrigen nationalen Minderheiten in Polen tun müssen. Vor den kleinen Minderheiten, wie es die Litauer und Ruthenen sind, hätten sich die Polen allerdings nicht zu fürchten. Wenn sie aber der jüdischen Bevölkerung nationale Rechte zusprechen würden, würden sie gezwungen sein, dieselben Rechte für d: k s deutsche Element in Polen anzuerken n e n. Und bisher fürchteten sie sich das zu tun. Die Anerkennung der nationalen Rechte für Sechsmalhunderttausend Deutsche in Polen würde nämlich zur beständigen Einmischung des starken deutschen Staates in die inneren Angelegenheiten des jungen Königreiches (führen. Damit würde kein einziger polnischer Staatsmann einverstanden sein .... Und nun sehen wir, daß gerade darauf der polnische Staatsrat nunmehr eingegangen ist. Der deutschen Minderheit ist er jetzt bereit, dieselben nationalen Rechte anzuerkennen, die er geneigt ist, den Litauern, Weißrussen und Ruthenen zu gewähren. Lediglich für die Juden macht er eine Ausnahme. Was ist die Ursache einer solchen Ausnahme? Die Antwort kann nur eine sein: grober Antisemitismus. Dfer Staatsrat macht eiin A'rigument geltend: alle polnischen Juden wären angeblich ein „zuge- Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrn Straße 23, Hochbrückenstraile 13 königl. bayer., königl. Württemberg,, grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. — Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Größte Fabrik und Verleihanstalt dieser Art in Deutschland. Vorrat von über 60GOO Kostümen aus alten Zeiten u. alten Landern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. 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